Thorsten Altmann bringt Rollstuhl-Rugby nach Amberg
Länderspiel in der Heimat

Thorsten Altmann will Rollstuhl-Rugby nach Amberg bringen. Der Nationalspieler hat ein Länderspiel gegen die Tschechische Republik organisiert.
Sport
Amberg in der Oberpfalz
05.12.2016
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Die drei Worte auf dem Trikot zeigen die Leidenschaft von Thorsten Altmann: Rollsuhl Rugby Deutschland.
 
Zusammen mit seinen Vereinskameraden trainiert Thorsten Altmann Rollstuhl-Basketball.

Eigentlich spielte Thorsten Altmann Basketball. Als sein Trainer ihn zum Rugby bringen wollte, war sein erster Gedanke: "Der spinnt". Rugby und Rollstuhl passten für den Schwarzenfelder da noch nicht zusammen. Jetzt bringt er als Nationalspieler ein Länderspiel nach Amberg.

Rückblende. Thorsten Altmann ist querschnittsgelähmt. Ab dem siebten Halswirbel abwärts kann er sich nicht bewegen. Der heute 26-Jährige begann bereits mit etwa neun Jahren mit dem Rollstuhl-Basketball. "Mein Ehrgeiz war immer sehr groß. Im Sport konnte ich mich beweisen", berichtet Thorsten Altmann. Beim TSV 1880 Schwandorf fand er eine sportliche Heimat. In Abteilungsleiter und Trainer Klaus Schmidbauer einen Förderer und Freund. Er war es auch, der ihn mit Rugby in Kontakt brachte. "Mein Querschnitt, meine Einschränkungen sind einfach zu hoch, um im Basketball weit oben mithalten zu können."

Bei einem Krankenhausaufenthalt kam Klaus Schmidbauer zum ersten Mal mit Rollstuhl-Rugby in Kontakt und erkannte die ideale Sportart für seinen Freund. Zurück aus der Klinik stellte er sie Thorsten Altmann vor: "Schau dir das mal an." Altmann war ebenso verwundert wie viele andere, die versuchen, das "Vollkontakt-Spiel" mit Rollstuhlfahrern zu verbinden. Ein "geht nicht" wollte er aber nicht akzeptieren. Die Neugier war geweckt, der Ehrgeiz trieb ihn an.

Ehrgeiz überzeugt Mentaltrainer

Jahre später, Thorsten Altmann besucht mittlerweile eine Realschule in München. In der Landeshauptstadt spielt er auch Rollstuhl-Basketball im Verein. Auch dort riet ihm der Trainer: "Schau dir das an." Bei einem Training der ersten Mannschaft des Münchener Vereins passierte es dann. Thorsten Altmann, selbst in der dritten Mannschaft aktiv, lernt den Mentaltrainer des Teams kennen: Jürgen Schmid, Kapitän der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft. "Eigentlich wollte ich gerade heimgehen, aber dann stellte der Trainer mich ihm vor", erinnert sich Thorsten Altmann.

Jürgen Schmid beobachtet Thorsten Altmann. Beim Training. Auf dem Platz. Im Kraftraum. Er ist überzeugt, der Schwarzenfelder hat das Zeug für die erste Liga und für die Nationalmannschaft. Der sportliche Ehrgeiz, der den 26-Jährigen immer zu neuen persönlichen Spitzenleistungen angetrieben hat, begeistert. Seine Nehmerqualitäten im körperbetonten Spiel zeichnen ihn aus. Sein taktisches Verständnis für das Spiel überzeugt. "Rollstuhl-Rugby ist eine Mischung aus Autoscooter und Schach", grinst Thorsten Altmann. Die ursprüngliche Bezeichnung "Murderball" (Mörderball) - erfunden in Kanada vor rund 40 Jahren - beschreibt die faire Härte des Wettkampfs.

Die Weltmeisterschaft 2014 in Dänemark wird zum Durchbruch für den Schwarzenfelder. Obwohl der Nachwuchsspieler wenige und kurze Einsätze hat, weiß er: "Das ist mein Sport." Das Turnier wird für das Team dennoch zum sportlichen Reinfall. Ein Trainerwechsel in der Nationalmannschaft eröffnet den Neustart. Thorsten Altmann weiß, "keiner hat eine Stammplatzgarantie". Es heißt kämpfen. "Als wohl jüngster im Team hatte ich noch viel Zeit bis zum besten Rugbyalter. Aber die Möglichkeit, etwas Neues mit aufzubauen gab einen Extra-Push."

Weltmeisterschaft 2018 in Sydney das große Ziel

Dieser Schub trug ihn bis nach Finnland zur Europameisterschaft 2015. Dort sollte die Qualifikation für die Paralympics in Rio gelingen. Sollte. Der vierte Platz im Turnier reichte nicht. Übrig blieb die Hoffnung, im folgenden Qualifikationsturnier in Paris das Ticket nach Rio zu lösen. Mit großem Selbstvertrauen und mit noch mehr Zuversicht ging die Mannschaft ins Turnier - und scheiterte auf ganzer Linie. Vorletzter. Thorsten Altmann wird einen Moment ganz ruhig. "Das war mein sportlich bitterster Moment." Er zog sich etwas zurück, verarbeitete die enttäuschten Hoffnungen und kommt zurück. Zurück in den Sport, zurück in das Team, zurück auf das Spielfeld. Sein Ziel ist die Europameisterschaft 2017 in Koblenz. Dort will er mit seiner Mannschaft unter die Top Vier. Das hieße dann: "Ticket für die Weltmeisterschaft 2018 in Sydney (Australien).


Länderspiel in Amberg

Sponsor gesuchtThorsten Altmann sucht noch Sponsoren für das Trainingslager und das Länderspiel. Vor allem Getränke für die Zuschauer sind gefragt. "Wir haben bereits bei einer Brauerei angefragt, aber nicht einmal eine Antwort erhalten", erklärt Altmann. "Wir wollen uns doch keine goldene Nase verdienen. Alles, was übrig bleibt, geht sofort wieder in den Sport."
Zur Vorbereitung auf das Turnier in Koblenz hat Thorsten Altmann ein Trainingslager für die Deutsche Nationalmannschaft in Amberg organisiert. Höhepunkt am Wochenende des 18./19. Februar 2017 wird ein Länderspiel gegen die Tschechische Republik sein. Die Reservierung der Trimax-Turnhalle verlief problemlos. "Wir waren früh genug dran und hatten wohl auch Glück", beschreibt Thorsten Altmann. Ein mögliches Problem war auch schnell gelöst. Welches Hotel hat genügend barrierefreie Zimmer für ein oder sogar zwei komplette Nationalmannschaften mit Trainer- und Betreuerstab? "Wir haben nur wenig telefonieren müssen. Und wir sind bescheiden und können improvisieren", beschreibt der 26-Jährige. Die Organisation für das Turnier steht, auch wenn noch nicht alle Details abschließend geklärt sind. Plakate, Flyer, Catering müssen noch organisiert werden. Dann steht dem ersten "Heimspiel" von Thorsten Altmann nichts mehr im Weg. Länderspiel mit Hymnen und Spielerpräsentation. Öffentlich. Eintritt frei. In der Stadt, in der er arbeitet. In der Region, in der er "seinen Sport" gefunden hat.

LänderspielDas Trainingslager der deutschen Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft ist keine geschlossene Veranstaltung. Am 18. trainiert das Team in der Trimax-Halle in Amberg. Das Länderspiel gegen die Tschechische Republik ist am Sonntag, 19. Februar 2017. Anpfiff ist um 14 Uhr. Ab etwa 12 Uhr beginnt der Einlass, das Rahmenprogramm mit Spielervorstellung startet gegen 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.


So sieht der Rollstuhl für Rugby aus


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Vom Murderball zum Rollstuhl Rugby
  • Beim Rollstuhl-Rugby werden die Spieler je nach Einschränkung auf einer Punkteskala von 0,5 bis 3,5 klassifiziert. Eine niedrige Zahl bedeutet hohe Einschränkungen. Spieler mit einer hohen Klassifizierung (Punktezahl) haben geringere Einschränkungen. Jedes Team darf so maximal acht Mannschaftspunkte auf dem Feld haben.

  • Gespielt wird auf dem Standard-Basketballfeld. Das Tor an der Grundlinie ist acht Meter breit und wird durch Pylonen begrenzt.

  • Die reine Spielzeit beträgt vier mal acht Minuten. Mit Auszeiten, Pause und Unterbrechungen dauert ein Spiel auch schon mal 90 Minuten.

  • Der Ball - ein Volleyball - darf gepasst, geworfen, gedribbelt und auf dem Schoß transportiert werden. Fährt ein Spieler mit Ball über die Torlinie, zählt das Tor.

  • Das Regelwerk sieht Strafen für Verstöße vor. Als Verstoß gelten unter anderem das Hineinfahren in den gegnerischen Rollstuhl hinter der Hinterachse, so dass sich der Rollstuhl dreht, oder auch die Berührung des Gegners mit dem Körper. Verboten sind auch ein Rückspiel in die eigene Hälfte oder ein Rollstuhlkontakt während einer Spielunterbrechung.


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