10.05.2018 - 17:10 Uhr
Oberpfalz

Verzicht auf die Landesliga FC Amberg: Neuanfang in der Bezirksliga

Regionalliga, Bayernliga und nächste Saison Landesliga: Der Niedergang des FC Amberg nach dem kurzen Höhenflug scheint seinen vorläufigen Tiefpunkt mit dem letzten Platz in der Bayernliga Nord und dem damit verbundenen Abstieg erreicht zu haben - doch es geht noch tiefer.

Zukunft ungewiss: Trainer Lutz Ernemann (Mitte vorne) weiß noch nicht, ob er den FC Amberg auch in der Bezirksliga trainieren wird. Bild: ref
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Ja, es stimmt. Es liegt ein Antrag vor. Der FC Amberg verzichtet auf die Landesliga und wird aller Voraussicht nach in der Saison 2018/19 in der Bezirksliga antreten", bestätigte Bayernliga-Spielleiter Thomas Unger die Gerüchte, die seit einiger Zeit kursieren.

Fast alle Spieler weg

"Wir haben in den letzten zwei bis drei Wochen intensive und lange Gespräche mit allen Spielern der ersten und zweiten Mannschaft geführt, um eine konkurrenzfähige Mannschaft für die Landesliga zu stellen", erklärt Werner Aichner, Interims-Abteilungsleiter des FC Amberg. "Aber wenn einer in der Bayernliga spielen will oder kann, dann kannst du ihn nicht halten. Und so werden wir fast alle Spieler der ersten Mannschaft verlieren, so dass wir keine andere Möglichkeit hatten, als den Antrag für die Bezirksliga zu stellen." Sebastian Schulik, der Torjäger, habe ebenfalls signalisiert, dass er am Ende der Saison weggehen werde.

Es mache deshalb keinen Sinn, in der Landesliga als Punktelieferant herzuhalten: "Da geht der ganze Spaß verloren. Das wäre auch für das Image des Vereins nicht gut gewesen", sagt Aichner und nannte die Beispiele SV Raigering, SV Sorghof und FV Vilseck. "Das gleiche Schicksal hätte uns auch ereilt. Deshalb haben wir uns zu dem Schritt entschlossen, mit jungen Spielern und dem verbleibenden Rest einen Neuanfang zu machen." So schwer ihm, Werner Aichner, der Entschluss auch gefallen sei, aber es sei der richtige. "Wir hoffen, dass es mittelfristig wieder aufwärts geht."

Nicht in unterste Klasse

Der Antrag des FC Amberg ist am Mittwoch bei Thomas Unger eingegangen und liegt nun dem Verbandsspielausschuss vor. Vor vier Jahren ist der Paragraf 8, der die Spielklasseneinteilung regelt, geändert worden, erläutert Unger. "Man wollte damit vermeiden, dass eine Mannschaft zum Härtefall wird und in die unterste Klasse abrutscht." Das bedeutet im Fall des FC Amberg, dass die Mannschaft aufgrund des Landesliga-Verzichts eine Liga tiefer, also in der Bezirksliga, antreten kann.

Ob Lutz Ernemann und Bastian Ellmaier aufgrund dieser Entwicklung weiterhin Trainer beim FC Amberg bleiben, ist noch ungewiss. Es sollen im Laufe der nächsten Zeit Gespräche folgen. "Da ist noch keine Entscheidung gefallen, es ist noch offen", sagt Lutz Ernemann, der bei der Antragsstellung nicht involviert war. Er habe es nur "am Rande mitbekommen".

Keiner auf der Bank

Knapp 20 Spieler umfasst der Kader der ersten und zweiten Mannschaft nur noch, der durch AH-Spieler und gelegentlich Torwarttrainer ergänzt wird. Die zweite Mannschaft, die als Absteiger aus der Bezirksliga feststeht, musste eine Partie bereits absagen und ein Spiel nur zu Zehnt bestreiten. Lutz Ernemann hatte in der Bayernliga des öfteren keinen einzigen Auswechselspieler zur Verfügung.

Wir hoffen, dass es mittelfristig wieder aufwärts geht.Werner Aichner (Bild) ist momentan Interims-Abteilungsleiter des FC Amberg und übte das Amt vor dem Rücktritt von Wolfgang Gräf 20 Jahre lang aus

Angemerkt von Sportredakteur Reiner Fröhlich: Ein Haufen Scherben

So schnell kann es gehen. "Fernziel Regionalliga" lautete die Devise im Sommer 2011, als mit Helmut Schweiger und Hubert Kirsch ein ehrgeiziges Duo beim FC Amberg auf den Plan trat. Beide ehemalige FC-Spieler, beide mit guten Kontakten in der Fußballszene. Der Verein sollte ein "Aushängeschild in der Oberpfalz" werden, mit neuen Strukturen.

"Dafür müssen wir halt ein paar tausend Euro in die Hand nehmen", verkündete Schweiger damals. Zunächst lief alles nach Plan: Alberto Mendez führte als Trainer die Mannschaft in die Bayernliga, mit Timo Rost ging's anschließend in die Regionalliga. Euphorie überall, der FC Amberg wurde gefeiert.

Danach kam die Ernüchterung: Abstieg, Ratlosigkeit, Frust. Und so langsam zogen sich alle zurück: Von Helmut Schweiger als Präsident angefangen bis zur gesamten Abteilungsleitung mit Wolfgang Gräf, der mit einer Sportpark GmbH Schiffbruch erlitt: Kein Geld mehr da, kein vernünftiges Konzept.

"Die haben einen Scherbenhaufen hinterlassen", sagte ein ehemaliger Spieler des FC Amberg, der nicht genannt werden will. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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