17.09.2017 - 17:14 Uhr
Sport

Viele Emotionen beim 7. und letzten Freundschaftsmarathon Von schreienden Siegern und gelebten Träumen

Erleichterung, glückliches Gelächter und dankbare Küsse standen Trauer, Tränen und verkrampften Muskeln gegenüber: Auf den letzten Metern durchlebten die knapp 1000 Teilnehmer ein Wechselbad der Gefühle. Mit einem lauten Schrei lief Angelo Spörl über die Ziellinie auf den Amberger Marktplatz. So hört sich der schnellste Marathon-Läufer an, der seinen Traum verwirklicht.

"Zwei Jahre habe ich mich darauf vorbereitet. Schade, dass es das letzte Mal gewesen sein soll." Zitat: Marathon-Gewinner Angelo Spörl
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Vor zwei Jahren startete das Mitglied der DJK Weiden den Siegeszug von Amberg nach Weiden. Damals schon holte er den Titel. "Ich habe gesagt, ich möchte einmal hin und auch wieder zurück", sagt der 31-Jährige am Sonntag, kurz nach dem Zieleinlauf und denkt sofort an die Zukunft: "Jetzt freue mich, dass bei mir die Luft rausgeht. Jetzt kümmere ich mich um meine Familie", sagt der Papa einer 15 Monate alten Tochter. Das sei auch wichtig nach der sechswöchigen Vorbereitung mit täglichen Trainingseinheiten von bis zu zwei Stunden. Was ihn noch freut: "Eine Dusche - und, dass ich mich feiern lassen darf." Ihre persönliche Sensation erlebt Irmgard Lietz von der LSG Edelsfeld: Sie rannte als schnellste Marathon-Läuferin über die Ziellinie. Die 51-jährige ambitionierte Sportlerin hätte noch vor neun Monaten nicht gedacht, das sie überhaupt jemals wieder bei einem Wettbewerb starten kann. "Ich hatte an Weihnachten einen Schlaganfall. Deshalb freue ich mich so sehr, dass ich heute gewonnen habe, ich hätte das niemals für möglich gehalten!" Vor zwei Jahren hatte sich die Edelsfelderin den vierten Platz erkämpft. Der erste Platz heuer "grenzt an eine Wunder".

Schade um den Lauf

Das schnellste männliche Duo beim Run & Bike hatte überhaupt nicht auf einen Sieg hintrainiert: Johannes Pfab und Florian Rohde sind eigentlich in Hirschau und dort im Ski-Langlauf zu Hause. "War eine Trainingseinheit", kommentieren die Sieger ganz cool. Alte Hasen sind auch Barbara Wittmann und Tobias Rupprecht aus Weiden, die im Halbmarathon an den Start gingen. "Ich bin zum vierten Mal dabei", sagt die Teilnehmerin. Und sie spricht das aus, was viele denken: "Es ist so schade, dass es das letzte Mal sein soll. Das ist einfach eine schöne Strecke und vor der Haustür. Bedauern über das Aus einer funktionierenden Veranstaltung ist bei vielen Teilnehmern zu hören. Gründer und Ex-Organisator Michael Ascherl sagt auf die Frage von Moderator Andreas Hahn , was er beim letzten Freundschaftsmarathon empfinde: "Irgendwie ist es so, als würde ich auf meine eigene Beerdigung gehen." Sieben Mal liefen die Sportler, vornehmlich aus der Region, zwischen Amberg und Weiden hin und her. Zusammengewachsen sind in diesen Jahren nicht nur die Organisatoren, sondern vor allem auch die beiden Städte, deren Vertreter Wolfgang Meier (Amberg) und Markus Kindsgrab (Weiden) alle Hebel in Bewegung setzten, um den knapp 1000 Teilnehmern ein Rundum-Sorglos-Paket zu servieren. Die Organisatoren überschlagen sich mit Lob für die Ehrenamtlichen und Sportler. "Ich bin überglücklich, das alles wunderbar geklappt hat", sagt Kindsgrab. Sein Amberger Pendant Meier hebt insbesondere die "tolle Resonanz" auf die Veranstaltung hervor. "Der Abschied vom Freundschaftsmarathon ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden", so Meier. Zum einen habe es keine Zwischenfälle gegeben, alles habe super geklappt. Zum anderen sei aber auch ein wenig Traurigkeit über das Ende der erfolgreichen Veranstaltungsreihe aufgekommen. "Sogar der Himmel weint am Ende."

Idee lebt weiter

Pünktlich zur Siegerehrung auf dem Marktplatz fängt es zu regnen an. Oberbürgermeister Michael Cerny (Amberg) und Bürgermeister Jens Meyer (Weiden) überreichen gemeinsam mit geschäftsführender Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl Urkunden und Pokale an die Sieger. Ohne die Unterstützung zahlreicher Sponsoren und Helfer hätte der Freundschaftsmarathon nie verwirklicht werden können. Von den Erfahrungen lässt sich zehren: "Die Idee, die hinter dem Freundschaftsmarathon steckt, nämlich die Städte Amberg und Weiden freundschaftlich miteinander zu verbinden, wird weiterleben", betont Jens Meyer.

Zwei Jahre habe ich mich darauf vorbereitet. Schade, dass es das letzte Mal gewesen sein soll.Marathon-Gewinner Angelo Spörl

Freunde bleiben

"Eine Hochschule, zwei Standorte: Die OTH Amberg-Weiden ist das verbindende Element zwischen den beiden Städten und ich freue mich über den Anteil, den die OTH Amberg-Weiden geleistet hat, der die beiden Städte noch näher zusammengebracht hat."

Professor Dr. Andrea Klug, Präsidentin der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden

"Ich persönlich finde es sehr schade, dass dies der letzte Freundschaftsmarathon war. Die Zeiten, in denen sich Amberg und Weiden kritisch beäugt haben, liegen lange hinter uns und zu diesem Kirchturmdenken wollen wir nicht mehr zurückkehren."

Jens Meyer, 2. Bürgermeister der Stadt Weiden

"Die Zusammenarbeit mit Weiden wird unabhängig vom Ende des Freundschaftsmarathons weitergehen. Vielleicht finden wir auch neue Veranstaltungsformen im sportlichen oder kulturellen Bereich, die diese Zusammenarbeit nach außen repräsentieren."

Der Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny

"Ich bin zweimal mitgelaufen, einmal beim Halbmarathon und einmal in einer gemeinsamen Staffel von Amberger und Weidener Stadträten. Und um eines beneide ich die Amberger noch heute: Sie hatten eine Landesgartenschau! Daran muss ich noch arbeiten."

Jens Meyer

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