27.11.2017 - 15:02 Uhr
Oberpfalz

100 Jahre Frauenkreis der Paulaner-Gemeinde Drei Damen vom Gotteshaus

Zuerst kommt die Bibelstunde, das gemeinsame Feiern lassen sie sich aber dennoch nicht nehmen: Der Frauenkreis der Paulaner-Gemeinde feiert 100 Jahre und hofft auf viele weitere.

Susanne Hammer, Margarete Wolf und Marianne Schirmer (von links) bilden die Basis der Freundschaft des Frauenkreises der Paulaner-Gemeinde. Bild: Dagmar Williamson
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Von Dagmar Williamson

Amberg. "Sind wir pünktlich?", fragt Marianne Schirmer. Mit der Zeit nehme sie es nämlich nicht so genau. "Die Susi sitzt bestimmt schon drin", vermutet Margarete Wolf. Die drei adretten Damen des evangelischen Frauenkreises der Paulaner-Gemeinde legen alle Karten auf den Tisch - eigentlich sind es Fotografien, Zeitungsberichte, Chroniken, Lieder. "Also, wir fangen am besten ganz von vorne an", sagt Susanne Hammer. "Ach, nein, doch nicht von vor 100 Jahren - da waren wir doch selbst noch nicht dabei", antwortet Margarete Wolf. "Dann eben nach dem Weltkrieg", schlägt Marianne Schirmer vor. Die anderen beiden nicken.

Zunächst Zufluchtsort

Die Jüngste in der Runde fängt also an: "Damals war unsere evangelische Gemeinde ja winzig. Jeder war schließlich katholisch in Amberg. Aber dann, nach dem Krieg, gegen 1947, suchten die Witwen und Frauen einen Zufluchtsort." Über 5000 Menschen fanden diesen schließlich in der ehemaligen Hauptstadt der Oberpfalz. Margarete Wolf ist eine von ihnen. Ihre Mutter ist aus Ostpreußen, der Vater gebürtiger Amberger. Dieser sei direkt nach der Haftentlassung zurück in die Heimat gegangen und habe seine Familie nachgeholt. "Damals versammelten wir uns in der Bierhalle zur gemeinsamen Bibelstunde", erzählt die 85-Jährige "da, wo jetzt die Post steht". Zusammenhalten war zu dieser Zeit wichtig. Gegenseitig Trost spenden, gemeinsam beten und sich zu unterstützen. Schließlich hatten sie nichts mehr - außer sich. "Und Gott", fügt Susanne Hammer hinzu.

Jetzt treffen sich die 14 Damen des evangelischen Frauenkreises nur noch einmal im Monat in der Paulaner-Gemeinde - des Alters wegen. "Außerdem hat sich der Frauenkreis im Laufe der Zeit gespalten", erzählt die 70-jährige Marianne, die jetzt in Neubernricht wohnt. Im D-Programm und in Kümmersbruck wird sich auch getroffen. Trotzdem bleibt die Gemeinschaft erhalten. Dreimal im Jahr laden sich die Frauen gegenseitig im jeweiligen Gemeindehaus ein und feiern. "Die Erdbeerbowle - ganz toll", schwärmt Susanne Hammer. "Uns wurde vor 20 Jahren mal Cliquen-Verhalten vorgeworfen", sagt die aus Nürnberg stammende 78-Jährige. Aber nur weil sich die Freundinnen schon so lange kennen. Aber sie hätten sich auch geändert und gebessert. Sie gehen schon auf andere zu, aber sie wollen auch niemanden bedrängen. "Jetzt sprechen wir einfach am Telefonapparat", nickt Margarete. Denn die Bibelstunde stehe immer noch im Vordergrund. Auch nach über 50 Jahren könne man noch aus dem Buch der Bücher Lehren über das Leben ziehen. "Schließlich haben wir uns geändert und auch unsere Probleme und Anliegen", erklärt sie weiter.

Enormer Zusammenhalt

Vor allem der Zusammenhalt und die Nächstenliebe wuchsen im Laufe der Zeit. Sie feiern jeden Geburtstag, organisieren Fahrdienste, versammeln sich zur Predigtnachbesprechung, vergleichen den Fortschritt mit dem beständigen biblischem Wort und basteln für "Brot für die Welt". Sie besuchen kranke Gemeindeglieder zu Hause oder im Krankenhaus, geben Seminare für Kindererziehung und organisieren Wochenendfahrten zur Abwechslung. Im Gegensatz zum katholischen Frauenbund ist der evangelische Kreis kein eingetragener Verein und lebt nur durch die Teilnehmerinnen. "Leider vermissen auch wir den Nachwuchs", bedauert Marianne. "Die Kirchlichkeit" habe abgenommen. Junge Frauen seien in dieser schnelllebigen Zeit nicht mehr interessiert daran, sich so festzulegen und an einen Kreis zu binden. "Obwohl wir modern sind und auch Wlan haben." Aber die ältere Generation jucke die neue Technik nicht.

Am Sonntag, 3. Dezember, besteht der Frauenkreis der Paulaner-Gemeinde exakt seit 100 Jahren. Vor zehn Jahren glaubten die Damen nicht, dass sie dieses Jubiläum als Gemeinschaft noch erleben würden. Sie gedenken am Sonntag, 17. Dezember, um 9.30 Uhr in der Paulanerkirche der Gründerin Erny Baumann und tun anschließend das, was sie am liebsten machen - ausgiebig feiern. Bei einem Sektempfang.

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