21.11.2017 - 14:36 Uhr
Oberpfalz

19-Jähriger muss hinter Gitter Das dicke Ende kommt erst noch

Sie zogen obdachlos durch die Stadt und begingen Straftaten. Dafür sind zwei junge Amberger jetzt mit relativ milden Ahndungen davongekommen. Doch wegen anderer schwerer Delikte folgt das dicke Ende für einen der beiden erst noch.

von Autor HOUProfil

Amberg. (hwo) Der 19-Jährige und seine damalige Freundin hatten keine feste Bleibe. Gelegentliche Übernachtungen mal da und dort, Einkehr auch im Obdachlosenheim. In dieser Phase des unsteten Herumwanderns kam es zu Straftaten, die nun das Jugendschöffengericht beschäftigten. Ladendiebstähle und Hausfriedensbruch, Beleidigungen und die sinnlose Beschädigung von anderer Leute Eigentum standen in der Anklageschrift.

Ziegel der Stadtmauer

Hinzu kam als sehr markantes Delikt, dass der 19-Jährige (seinerzeit ohne seine Partnerin) etliche Ziegel aus der alten Amberger Stadtmauer gelöst, vier Meter tief hinabgeworfen und sie am Boden zertreten haben soll. Beim Prozess ergab sich jetzt: Bei diesem mutmaßlichen Akt des Vandalismus waren etliche Amberger Jugendliche zugegen. Ein Treff also, aus dem heraus sich die angebliche Zerstörung entwickelte. Der jetzt als Haupttäter beschuldigte 19-jährige hatte am ersten Prozesstag behauptet, etliche der Steine aus dem Mauerfirst seien ohnehin schon im Stadtgraben gelegen. Das Gegenteil konnte ihm jetzt nicht nachgewiesen werden.

Schaden: 3000 Euro

Ein Beigeschmack aber blieb. Denn zu den Zeugen zählte auch ein Stadtbediensteter. Er hatte sich seinerzeit den Schaden mit einer spätereren Reparaturkostensumme von über 3000 Euro angeschaut und sagte jetzt zu Jugendrichter Peter Jung: "Man hat gesehen, dass da jemand mit Gewalt gewütet hat." Die Langweile dominierte im Alltag des sich zwischenzeitlich keines Blickes mehr würdigenden Paares. Für die 19 Jahre alte Ambergerin hat sich das Leben unterdessen geändert. Sie hat einen neuen Freund, eine ständige Bleibe und vor allem eine Arbeitsstelle. Sie bekam nun vom Jugendschöffengericht einen Kurzzeitarrest von drei Tagen. Staatsanwältin Julia Weigl hatte in ihrem Plädoyer eine ganze Woche in der Arrestanstalt verlangt.

Halbes Jahr Haft

Für den Ex-Freund der 19-Jährigen sah es anders aus. Er muss, nach etlichen Vorahndungen, für ein halbes Jahr hinter Gitter. "Keine Bewährung, da schädliche Neigungen vorhanden sind", sagte Richter Jung. Ihm Bewährung zu geben, hatte Verteidiger Mike Thümmler angeregt. Damit befand er sich in eklatantem Meinungunterschied zur Staatsanwältin. Sie plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

Die Fortsetzung für den 19-Jährigen folgt im Februar. Dann wird er sich, erneut vor dem Jugendgericht, wegen schwerer Straftaten zu verantworten haben. Deswegen sitzt er seit Juni in Untersuchungshaft.

Keine Bewährung, da schädliche Neigungen vorhanden sind.Richter Peter Jung in seiner Urteilsbegründung

Mit der Faust gegen den Kopf - Opfer auf linkem Auge erblindet

Zwei Polizisten hatten einen 19-Jährigen in Handschellen aus der U-Haft vor das Jugendschöffengericht geführt. Erst zum Ende des Prozesses, bei dem es um eher kleinere Delikte ging, wurde deutlich, weshalb ein Ermittlungsrichter den Mann heuer hinter Gitter geschickt hatte.

Weil es die Strafprozessordnung vorschrieb, verlas Richter Peter Jung wesentliche Teile des offenbar von ihm selbst erlassenen Haftbefehls. Darin standen zwei massive Straftaten, die in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt waren. Der 19-Jährige hatte heuer an einer Brücke über die Vils eine junge Frau übel beleidigt. Als sie mit ihrem männlichen Begleiter den Weg fortsetzte, lief der Beschuldigte nach und schlug diesen Begleiter mit heftigen Faustschlägen ins Gesicht nieder. Der wusste nicht, wie ihm geschah.

Nicht lange darauf kam es noch weitaus schlimmer. Der erheblich vorbestrafte 19-Jährige drosch an einem Juniabend dieses Jahres an der Kasernstraße auf einen jungen Mann ein und versetzte ihm Hiebe mit der Faust gegen den Kopf. Einer Schilderung des Jugendrichters Jung ließ sich entnehmen, dass das Opfer anschließend auf dem linken Auge erblindete. Im Februar soll es nun nach diesen massiven Sicherheitsstörungen eine Verhandlung geben. Angeklagt dabei sind neben eine gefährlichen auch eine schwere Körperverletzung. Der Tatbestand einer solchen schweren Körperverletzung bedingt einen nicht zu behebenden Schaden beim Opfer. Das wäre ein Verbrechen. (hou)

Man hat gesehen, dass da jemand mit Gewalt gewütet hat.Ein städtischer Bediensteter, der als Zeuge aussagte
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