22. April 1945: Kriegsende in Amberg
Panzer bleibt im Vilstor stecken

Die Überquerung der Bahnlinie erfolgte bereits im Bereich der heutigen Erzbergbrücke. Die Amerikaner rückten weiter über Bayreuther- und Sulzbacher Straße vor, der Einmarsch erfolgte durch das Ziegeltor und die Bahnhofsstraße, da das Vilstor unpassierbar war. Das Stadtgebiet links der roten Linie ( Vilsverlauf) wurde am 23. April besetzt. Repro: Dieter Dörner

Am 22. April 1945 war für die Bürger Ambergs endlich Schluss mit fast sechsjähriger Kriegsangst, mit dem Zittern vor dem möglichen Tod des Ehemannes, Vaters oder Sohnes an der Front, Schluss mit gut zwölf Jahren NS-Terror.

Wie die Amberger diesen 22. April empfanden, wurde in zahlreichen Zeitungsartikeln und Büchern niedergeschrieben, an unzähligen Wirtshaustischen mehr oder weniger sachlich diskutiert, erklärt Heimatpfleger Dieter Dörner.

Zusammengefasst seien es beim Herannahen amerikanischer Truppen aus Sicht der Bürger Stunden der Unsicherheit und Ungewissheit gewesen. "Werden wir die Einnahme unserer Stadt heil überstehen?" und "Wie wird es danach weitergehen?" - diese Fragen stellten sich viele.

"Trotz allem, die Mehrheit sehnte diesen Tag herbei, der Dank der Besonnenheit der Bewohner, vor allem des damaligen Bürgermeisters Sebastian Regler, einen den Umständen entsprechenden humanen Verlauf nahm", sagt Dörner weiter. Der Blutzoll waren seinen Recherchen zufolge zwei deutsche Soldaten, die selbst verschuldet von den Amerikanern erschossen wurden, "war der NSDAP-Kreisleiter, waren nur bedingt nachvollziehbare Anhänger des Hitler-Regimes, die, meist Tage später, freiwillig in den Tod gingen".

Heroischer Bericht

Weitaus heroischer stellt sich der Bericht vom Vormarsch der Bataillone der 14. Infanterie der US-Armee über die Besetzung Ambergs dar, niedergeschrieben von Major Samuel Salvatore Campanella. Ursprünglich als Lehr- und Anschauungsmaterial verwendet, hat Marc Rothballer diese Arbeit übersetzt und damit die Veröffentlichung in Band 46 von "Der Eisengau" ermöglicht. Trotz geographischer Ungenauigkeit lässt sich der Einmarsch der Amerikaner - von Hahnbach kommend über die Bayreuther und Sulzbacher Straße in Richtung Stadt rollend - gut nachvollziehen. Nachdem Vilseck nach Gefechten, vor allem im Raum Irlbach, am 21. April eingenommen worden war, fiel Hahnbach am folgenden Tag. Selbstkritisch berichtet Campanella, dass beim Beschuss Hahnbachs drei Raketenwerfer aus technischen Gründen nicht eingesetzt werden konnten. Anders in Laubhof. Nach dem Gefecht "werden die drei getöteten deutschen Soldaten erwähnt, die sieben toten Amerikaner jedoch unterschlagen".

Stadt in völliger Dunkelheit

Der umfangreichste Teil sei dem "heroischen Kampf um Amberg" gewidmet. Die Besetzung sollte über Vils- und Ziegeltor erfolgen, gewählt wurde jedoch der Weg Ziegeltor und Bahnhof/Bahnhofstraße, da - was ebenfalls keine Erwähnung findet - der erste Panzer im Vilstor stecken blieb. Schließlich nahmen die Truppen links der Vils Aufstellung. So wird der Kampf vor der Übergabe der Stadt im Bericht beschrieben. "Die Schlacht war weder gewonnen, noch hatte die Stadt kapituliert. Die Kämpfe gingen weiter, von Haus zu Haus. Die Nacht war sehr dunkel. Es hatte den ganzen Tag geregnet und es gab keinen Mond. Die Stadt lag in völliger Dunkelheit. Die Überwachung war sehr schwierig. Abteilungen verirrten sich und Züge wurden von ihren Kompanien getrennt."

Der Bataillonskommandant hatte den einzigen Stadtplan von Amberg, ein Luftbildmosaik. Standorte anhand von Straßennamen oder Häuserblocks auszumachen, war unmöglich. Das dritte Bataillon verlor sich, Verwirrung war die Folge. "Einige in der Zivilbevölkerung verwechselten amerikanische Soldaten mit sich zurückziehenden deutschen Soldaten und grüßten die Amerikaner mit Bierkrügen, als sie Wirtshäuser und Kneipen passierten." Die Stadtteile rechts der Vils wurden am 23. April von den von Sulzbach-Rosenberg kommenden Bataillonen besetzt.

Der EisengauDer Eisengau ist in den Buchhandlungen und unter geschichtsnetzwerk-oberpfalz@ gmx.de erhältlich. Alle lieferbaren Exemplare finden sich unter www.der-eisengau.de.
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