22-Jähriger gesteht Drogenhandel im Asylbewerberheim
Dealer kommt mit Bewährung davon

Er sitzt seit neun Monaten in U-Haft. Jetzt kommt der 22-jährige Syrer nach einer Entscheidung des Landgerichts frei. Der gegen ihn erhobene Vorwurf: Drogenhandel im Asylbewerberheim an der Kümmersbrucker Straße. Nach zweitägigem Prozess gehen diese Deals mit einer Bewährungsstrafe ab.

Die Wende kam überraschend. Bereits am ersten Verhandlungstag hatte sich abgezeichnet, dass einige der erhobenen Anschuldigungen wohl nicht nachweisbar sein würden. Insbesondere der Verdacht, er habe einen minderjährigen Landsmann in seine Geschäfte einbezogen. Von dem weiß man offenbar bis heute nicht, wie alt er genau ist.

Zu Beginn des Verfahrens hatte der 22-Jährige einige der Vorhalte, die ihm Staatsanwältin Christina Denk machte, als unwahr bezeichnet. Zum Beispiel: "Nie einen Beutel mit 300 Ecstasy-Tabletten aufbewahrt und auch keine 100 Gramm schwere Haschischplatte besessen." Diese Behauptungen hielt der Mann, seit neun Monaten in Untersuchungshaft, zunächst aufrecht. Dann aber gab es ein Rechtsgespräch zwischen Richtern, Staatsanwältin und Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg). Für Geständnisse sicherte die Strafkammer dem jungen Angeklagten danach eine Freiheitsstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren zu. Verbunden mit dem Hinweis, diese Ahndung könne unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt werden. Daraufhin gab der Syrer die Vorhalte zu und ließ über seinen Anwalt ferner erklären, ein größerer Teil der Drogen habe dem eigenen Bedarf gedient. Dass Rauschgiftportionen aber auch an andere Leute verhökert worden waren, hatte der Asylbewerber schon am Vortag eingeräumt.

Damit war mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers ein Strafrahmen abgesteckt, den man zunächst nicht erwartet hatte. Der Syrer erhielt ein Jahr und neun Monate mit Bewährung. Er muss 200 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und sich zu einer Drogenberatung wegen seiner eigenen Sucht begeben. Eine Entzugstherapie wurde von der medizinischen Sachverständigen Anna-Christine Wunder-Lippert (Nürnberg) nicht für absolut notwendig gehalten. Der Syrer kehrt jetzt in eine Asylbewerberunterkunft zurück. Es sollte nach dem Willen der Strafkammer nicht das Heim an der Kümmersbrucker Straße sein.
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