23-Jährige erleichtert Pflegemutter um 5500 Euro
Mit Kreditkarte auf Betrugstour

Die Betrügerin geht raffiniert vor. Sie holt sich die Kreditkarte ihrer Pflegemutter, hat die dazugehörige PIN im Kopf, tritt vor Bankautomaten und hebt im Verlauf weniger Monate über 5500 Euro ab. Außerdem fälscht die junge Frau Kontoauszüge. "Wirklich heftig", sagt Richterin Julia Taubmann.

Die heute 23-jährige Angeklagte hatte schon einmal nach der Kreditkarte ihrer Pflegemutter gegriffen. Ab dann herrschte Vorsicht im Haus, bekam die Karte ein Versteck. Gleichwohl blieb sie nicht unentdeckt. Ab dann wurde die Pflegetochter aktiv. Von September 2016 bis Februar 2017 trat sie an diverse Amberger Bankautomaten. Meist hob sie 200 Euro ab, mitunter auch nur 100, dann aber auch schon einmal 500 Euro. Nach jedem Betrug kam die Kreditkarte an ihren Platz zurück.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft waren nun 30 solcher Betrugsfälle aufgelistet. Mit einer Schadenssumme von über 5500 Euro. Hinzu kam, dass die junge Frau mehrfach Kontoauszüge sehr geschickt fälschte. So blieb die kriminelle Tour über längere Zeit hinweg verborgen, war zu erfahren.

Irgendwann erschien die Pflegemutter bei der Polizei. Auch schon wegen ihres damals plötzlich verschwundenen Geldbeutels. Danach wurde ermittelt, bestellte man die Verdächtige aufs Revier. "Ich will reinen Tisch machen", sagte sie dort und gab ihre illegalen Besuche an den Bankautomaten zu. Das tat sie auch jetzt vor der Amtsrichterin Julia Taubmann. "Aber warum?", interessierte sich Taubmann für die Hintergründe. "Ich habe Geld gebraucht", hörte sie. "Für was?", bohrte die Richterin nach. "Für Lotto und Bekleidung." Und wie, wurde weiter insistiert, solle denn nun die stattliche Summe zurückgezahlt werden? Raten zu 50 Euro monatlich seien beabsichtigt, ließ die von Unterstützung lebende Frau wissen. Da seufzte die Vorsitzende: "Da wird das Abstottern lange dauern."

In ihrer Anschuldigung hatte die Staatsanwaltschaft betont, die Betrügereien seien gewerbsmäßig vonstatten gegangen. Dafür wurden 18 Monate Haft gegen die bis dahin nicht vorbestrafte Angeklagte beantragt. Richterin Julia Taubmann verhängte im Urteil diese eineinhalb Jahre mit Bewährung. Aber sie ging noch weiter und setzte 120 Arbeitsstunden zugunsten der Allgemeinheit hinzu. Verteidiger Jürgen Mühl (Amberg) hatte die Vorsitzende gebeten, es bei einem Jahr Haft zur Bewährung bewenden zu lassen.

Da wird das Abstottern lange dauern.Richterin Julia Taubmann zur Absicht der Verurteilten, 5500 Euro in 50-Euro-Raten abzahlen zu wollen


Ich habe Geld gebraucht. (...) Für Lotto und Bekleidung.Die Angeklagte, die ihre Pflegemutter bestohlen hat
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.