24.08.2017 - 13:20 Uhr
Oberpfalz

37-Jähriger vor Amberger Amtsgericht Bankbetrüger verzockt sich erneut

Für den Angeklagten war es wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Denn wer schon einmal Leute um über 300 000 Euro betrogen hat und dafür in Haft saß, kann im Rückfall kaum mit Bewährung rechnen. Dennoch wurde sie einem 37-jährigen Ex-Amberger gegeben.

/dpa
von Autor HWOProfil

Seine Spielsucht, besonders fokussiert auf sogenannte Sportwetten, wurde dem heute von seiner Frau getrennt lebenden Familienvater zum Verhängnis. Er hatte sich bei einer Bank emporgearbeitet, war auch schon als künftiger Filialleiter vorgesehen.

Dann offenbarte sich: Der Mann hatte Kundenkonten um über 300 000 Euro gefleddert. Alles verursacht durch den Drang zum Zocken. Die Karriere war damit beendet. Im Jahr 2008 verurteilte eine Strafkammer des Landgerichts den gelernten Einzelhandelskaufmann zu über drei Jahren Haft. Einen Teil davon saß er ab, kam wieder auf freien Fuß und ging in eine Therapie, um sich von der Spielleidenschaft zu befreien. Das gelang dann auch. Zumindest vorübergehend. Doch 2016 wurde der damals 36-Jährige rückfällig.

Mit Namen der Ehefrau

Der Mann brauchte wieder Geld für Sportwetten. Deshalb begann er mit einer Betrugstour, die zwangsläufig irgendwann auffliegen musste. Er legte im Internet einen Account mit den Daten seiner damals schon von ihm getrennt lebenden Ehefrau an. Kurz danach offerierte er auf einer Auktionsplattform Mobiltelefone und Kameras. Interessenten ersteigerten sie, zahlten und erhielten die Ware nie geliefert. "In zwölf Fällen kamen rund 5000 Euro zusammen", resümierte jetzt Staatsanwältin Kathrin Werner und fügte hinzu: "Er ist gewerbsmäßig vorgegangen."

Der 37-Jährige gab die Serie von Internetbetrügereien sofort zu und ließ erkennen, dass nun endgültig Schluss sei mit dem Drang und dem Hoffen, bei Wetten im großen Geldregen zu baden. Unterdessen ist er aus Amberg weggezogen und hat wieder eine feste Arbeitsstelle. Auch der von ihm angerichtete finanzielle Schaden ist weitgehend beglichen.

Sollte man ihm eine Chance geben? Staatsanwältin Werner beantragte ein Jahr und acht Monate Haft. Sie sah aber die Möglichkeit einer Bewährung und kam zu dieser Auffassung angesichts einer doch sehr positiven Zukunftsprognose. Verteidiger Jörg Jendricke, der seinem Mandanten zu einem umfassenden Geständnis geraten hatte, gelangte zur gleichen Meinung. Allerdings hielt er ein Jahr und fünf Monate für ausreichend.

Schaden begleichen

Richterin Julia Taubmann verhängte eineinhalb Jahre Haft mit Bewährung und setzte hinzu, dass der Mann 3500 Euro Schulden bei einem Zahlungsdienstleister möglichst zügig begleichen muss. Der 37-Jährige wird nun einem Bewährungshelfer unterstellt. Ihm wurde von der Richterin verdeutlicht: Wenn er wieder zockt, kann er darauf wetten, dass sich sofort die Gefängnistore öffnen.

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