20.03.2018 - 14:42 Uhr

40-Jähriger, der erst zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, hätte aussagen sollen Im Zeugenstand ist Abdul ganz schweigsam

Abdul und seine polizeilichen Bewacher kennen sich. Denn in diesen Tagen kommt es relativ häufig vor, dass man den 40-jährigen Iraker aus der Weidener Haftanstalt nach Amberg bringen muss. Erst als Angeklagten, neuerdings als Zeugen. Eines ist gleich: Es geht immer um Rauschgift.

von Autor HWOProfil

Erst wenige Tage zuvor vom Landgericht Amberg für drei Jahre eingesperrt, musste Abdul diesmal also auf den Zeugenstuhl. "Wer ist Abdul?", hatte sich zuvor Staatsanwältin Jennifer Jäger gewundert, als der 20-jährige Angeklagte relativ unvermittelt diesen arabischen Vornamen genannt hatte und es um seine Einkaufsquelle bei Haschisch ging. Abdul saß wenig später in direkter Reichweite zur Anklagevertreterin. Doch so heißt der Mann aus dem Irak eigentlich gar nicht. Er hatte, weil im Amberger Asylbewerberheim quasi ständig lieferbereit für Haschisch und Marihuana, diesen Namen nur als Pseudonym benutzt.

Ware eher miserabel

Dabei verdeutlichte sich: Diesen Abdul kannten offensichtlich viele. Doch dessen Ware, so sagte der jetzt vor Jugendrichter Peter Jung sitzende Beschuldigte, sei eher miserabel gewesen. Der Iraker besaß, weil seine Verurteilung zu drei Jahren Haft noch nicht rechtskräftig ist, ein Aussageverweigerungsrecht. Er pochte sofort darauf, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Das verwunderte aber auch nicht weiter. Denn Abdul hatte nach seiner Verhaftung im Sommer vergangenen Jahres vor der Kripo nicht nur seine Abnehmer, sondern auch den Lieferanten genannt. Der allerdings - doch das ist Vermutung - sitzt ebenfalls in der JVA Weiden und ist darüber nicht sonderlich erfreut. Abdul könnte bedroht worden sein.

Während der schweigsame Mann von seinen Bewachern zurück nach Weiden gefahren wurde, kehrte der Jugendrichter zurück zu einer Art Routinefall. Der 20-jährige Amberger, so lautete der Vorwurf, sollte bei zwei Einkäufen 15 Gramm Haschisch von dem Iraker erworben haben. "So viel war das nicht", argumentierte der mehrfach wegen Rauschgiftdelikten vorbestrafte Mann und bezeichnete seine dem Eigenverbrauch dienenden Ankäufe als "eher im Einzelgrammbereich". Das Gegenteil war nicht zu beweisen.

Zwei Wochenendarreste

Staatsanwältin Jäger verlangte eine Woche Dauerarrest für den Angeklagten. Richter Jung verhängte zwei Wochenendarreste und legte dabei "noch keine erkennbaren schädlichen Neigungen" bei dem Beschuldigten zugrunde. Das freute den Verurteilten. Glimpflich davongekommen. So wie Abdul, der wegen Enttarnung seines Belieferers nur drei Jahre erhalten hatte.

Doch der Iraker wird sich damit abfinden müssen, dass er noch diverse Male nach Amberg gebracht werden wird, wenn seine Cannabis-Kunden vor Richtern stehen. Es sind viele, wie man von einem Drogenfahnder hörte. Und dann ist da auch noch das Verfahren gegen seinen Lieferanten aus Syrien. Es beginnt Ende April in Weiden. Abdul bleibt wohl in der Klemme.

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