41-Jähriger rastet im Dreifaltigkeitsviertel aus
Ausgepackt und zugepackt

Beim Besuch einer Arbeitskollegin wurde angeblich etwas von dem vortretenden Herrn ausgepackt. Nein, keine Blumen. Es soll durch Herablassen der Hose geschehen sein. Verbunden mit einem Wunsch, der vor dem zur Erörterung gezwungenen weiblichen Justizpersonal etwas für Peinlichkeit sorgte.

Der Mann, den man auf die Anklagebank zitiert hatte, machte eine zutiefst zürnende Stimmung für sein zwei Stunden lang zur Debatte stehendes Verhalten geltend. Der 41-Jährige war an einem Juni-Abend vergangenen Jahres an der Wohnung eines Herrn im Dreifaltigkeitsviertel erschienen, "um ihn zur Ordnung zu rufen", wie man vernahm.

Die Zielperson dieses angeblich klärenden Gesprächs wollte eben das Anwesen verlassen. Doch dazu kam es nicht mehr. Das Treppenhaus geriet zum Szenario einer rüden Attacke, die der nächtliche Besucher unverzüglich startete. Das Opfer (37) wurde die Stiege hinabgeworfen, flog etliche Meter tief hinunter, wurde mit Faustschlägen an den Kopf traktiert und sah sich letztlich einer Situation gegenüber, die dem Ende des legendären Boxkampfs zwischen Muhammad Ali und George Foreman ähnelte: Hämatome, Prellungen am ganzen Körper, Bruch einer Rippe. Schmerzhaft über Wochen hinweg. Hilflos, wenn man so wollte, in den Ringseilen und völlig groggy.

Übel zugerichtet

Amtsrichterin Julia Taubmann ging der Ursache dieses scheinbaren Rachefeldzugs sehr genau auf den Grund. Dabei erfuhr sie: Der 41-Jährige hat eine Lebensgefährtin, in deren Wohnung der später übel zugerichtete 37 Jahre alte Mann erschienen war. Ein Besuch quasi bei der Arbeitskollegin, die sich angeblich zweierlei sie sehr überraschender Begebenheiten gegenübersah. Erstens: "Er hat ihr Drogen zum Kauf angeboten." Und zweitens, viel schlimmer noch: "Dann hat er ausgepackt." Was, so wollte die Richterin wissen, sei denn ausgepackt worden? Sie vernahm, dass bei dieser merkwürdigen Visite die Hose des Besuchers bis auf Kniehöhe fiel und von der Frau verlangt wurde, sexuell zur Sache zu schreiten. "Unglaublich", wie der Angeklagte befand. Eine Zumutung für die Frau, die der Maßregelung durch ihn, den Lebensgefährten, dringend bedurft habe.

Man holte den 37-Jährigen als Zeugen. Nein, unterstrich er: Kein Angebot zum Drogenverkauf an seine Arbeitskollegin und selbstverständlich auch niemals eine Aufforderung zu sexuellen Handlungen. Wohl aber eine rüde Attacke im Treppenhaus mit unliebsamen Folgen.

Mindestens acht Schläge

Den Angriff "mit mindestens acht bis zehn Schlägen" hielt Staatsanwältin Franziska Denk für erwiesen. Sie blätterte im Vorstrafenregister des 41-Jährigen, erblickte sieben Ahndungen und verlangte für die heftige Attacke im Treppenhaus neun Monate Haft mit Bewährung nebst 100 gemeinnütziger Arbeitsstunden. Diesem Antrag entsprach die Richterin. Ihr Kommentar: "Wirklich äußerste Brutalität. Ohne jegliche Notwehrsituation." Dabei, so fuhr sie fort, könne letztlich dahingestellt bleiben, wie das nun mit dem "Auspacken" in der Wohnung vonstatten gegangen sei.
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