25.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

49-Jähriger wegen sexueller Nötigung vor Gericht Harmloser Flaschensammler?

Der 49-Jährige geht seit Jahren in den Stadtgraben, um dort leere Flaschen zu sammeln. Sagt er. Ob es dabei zu sexuellen Nötigungen von männlichen Jugendlichen kam, soll nun ganz genau geklärt werden.

von Autor HWOProfil

Deswegen wurde ein Prozess vor dem Schöffengericht vorläufig abgebrochen. Nachermittlungen sind nötig. Dieser Fall ist ungewöhnlich. Er dreht sich um einen unverheirateten Mann, der nach eigenen Angaben seit längerer Zeit im Stadtgraben erscheint, um dort leere Glas- und Plastikbehälter einzusammeln. Solche Touren hätte er, wie vor dem Schöffengericht offenkundig wurde, finanziell nicht nötig. Trotzdem macht er es. Die Staatsanwaltschaft ist offenbar überzeugt davon, dass diese Ausflüge in den Gürtel um die Stadtmauer womöglich deswegen geschehen, um Kontakte zu jungen Leuten aufzunehmen. Durch Ereignisse in der Vergangenheit wissen die lokalen Behörden: Im Stadtgraben - und da wiederum ganz besonders in Bahnhofsnähe - treffen sich nahezu regelmäßig Jugendliche und Heranwachsende.

In seiner Anklageschrift hielt Staatsanwalt Oliver Wagner dem 49-Jährigen vor, sich männlichen Jugendlichen genähert und sie in drei Fällen unsittlich berührt zu haben. Mit anderen Worten: "Er griff ihnen zwischen die Beine." Das sei vorsätzlich nicht geschehen, ließ der Beschuldigte zunächst vernehmen. Er räumte aber ein, dass er sich zumindest bei einer der angeblichen Attacken mit einem Griff an die Hose seines Gegenübers gewehrt habe, als man danach trachtete, ihm die Luft aus dem Reifen eines mitgeführten Fahrrads zu lassen. Das wunderte den Anklagevertreter: "Wieso? Sie hätten sich ja auch anders wehren können."

Staatsanwalt Wagner schritt zur Belehrung. "Es wäre gut, wenn Sie die Vorfälle zugeben", ermahnte er den 49-Jährigen. Dann könne man den Geschädigten eine Aussage ersparen. "Einer von ihnen hat zwischenzeitlich ein Attest darüber vorgelegt, dass er seither an schweren Schlafstörungen leidet." Der Anklagevertreter fügte hinzu: "Wenn sich das herausstellen sollte, wäre es kein minderschwerer Fall mehr. Dann sehe ich auch keine Chance auf Bewährung." Der Angeklagte besprach sich mit seiner Anwältin Susanne Dreßler. Sie gab dann für ihn eine Erklärung ab. Darin hieß es sinngemäß: Der 49-Jährige könne sich zumindest an zwei der ihm angelasteten Begebenheiten erinnern. Allerdings mit Gedächtnislücken.

Das genügte weder dem Staatsanwalt noch dem Gerichtsvorsitzenden Markus Sand. "Gut", sagte der Richter, "dann machen wir eben das volle Programm." Das bedeutete: Der Prozess wurde abgebrochen. Jetzt kommen umfangreiche Nachermittlungen in Gang. Die im Stadtgraben den angeblichen sexuellen Übergriffen ausgesetzten Jugendlichen konnten unvernommen wieder gehen. Ob sie in einem neu angesetzten Prozess aussagen müssen, wird sich zeigen.

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