25.02.2018 - 13:42 Uhr

Abschluss des Inklusionsprojekts "Wundernetz" Einfach nur ganz normal

Einen bedeutenden Schritt in dem Bemühen, Inklusion zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen, tut das "Wundernetz". Nach dreieinhalb Jahren Projektarbeit haben die sieben beteiligten Partner nur einen Wunsch.

Die Betreuer der einzelnen Projektgruppen aller Beteiligten danken Hildegard Legat (rechts) mit Erinnerungsgeschenken. Sie kämpft für einen Fortbestand von "Wundernetz". Bilder: Uschald (3)
von Autor USCProfil

Es soll weiter gehen. So das einmütige Statement der Offenen Behindertenarbeit (OBA) der Lebenshilfe, der beiden Volkshochschulen der Region, der OTH, von Oberpfalz-TV (OTV), Evangelischem Bildungswerk (EBW) und Katholischer Erwachsenen-Bildung (KEB). Sie knüpften das "Wundernetz", das seine Beendigung mit einer öffentlich Bilanz verband.

Projektleiterin Hildegard Legat kündigte in diesem Rahmen im voll besetzten Kongresszentrum an, die Fortführung des Projekts bei der Benefiz-Lotterie Aktion Mensch zur Förderung angemeldet zu haben. Im Vordergrund der Abschlussveranstaltung stand jedoch das, was Inklusion bedeuten soll. Die Beteiligten zeigten ihren Gästen nicht nur, was sie in den drei Jahren gemacht haben, sie demonstrierten, wie in verschiedenen Berufs- und Lebensbereichen das gegenseitig gebende und nehmende Miteinander von nicht-beeinträchtigten und beeinträchtigen Menschen funktioniert.

Schon allein der Projektname "Wundernetz" sei so entstanden, unterstrich Legat. Sieben Partner, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, hätten sich einem gemeinsamen Ziel verschrieben und in regelmäßig tagenden Arbeitsgruppen gemeinsam mit Menschen mit Behinderung geplant, überlegt und umgesetzt, um Inklusion ein Stück wahrer werden zu lassen. Als wichtigstes Gebot der Arbeit an diesem Ziel gab Legat allen mit auf den Weg, keinen Schritt ohne die betroffenen eingeschränkten Menschen zu tun.

Eingebunden waren im "Wundernetz" laut der Projektleiterin Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung, mit Sinnesbeeinträchtigungen und mit psychischem Handicap. "Denn Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht", betonte Legat. Inklusion bedeute mithin, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden dürfe. "Und es bedeutet, dass jeder das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe hat."

Das setze jedoch die Bereitschaft der Gesellschaft voraus, sich auf den Prozess der Veränderung einzulassen und entsprechende Strukturen zu schaffen. "Damit geht Inklusion jeden von uns etwas an. Denn jeder ist Teil von ihr", unterstrich Legat. Mithin verbiete sich die Ausrede, "Inklusion ist nicht unsere Aufgabe". Über "Inklusion in einer exklusiven Welt" referierte Markus Blaschek, ein erfahrener Studienrat im Förderschuldienst. Als sehr wesentliches Merkmal von "Wundernetz - gemeinsam unterwegs!" beschrieb er, dass Bildung nicht als Unterscheidungs- und Leistungsmerkmal eines ständigen Konkurrenzkampfes untereinander angesehen werde. Diese Zwänge würden zugunsten von Zeit für Entwicklungen aus eigenem Antrieb nach individuellen Fähigkeiten aufgegeben.

Es muss weiter gehen

Diese Normalität und Partnerschaftlichkeit in der Umgangsform gemeinsamen Arbeitens sei das Beeindruckendste. "Obwohl und gerade weil das Projekt in meinen Augen so überaus erfolgreich war, darf jetzt in den nächsten Schritten Inklusion nicht in unserer kleinen gemütlichen abgeschlossenen Blase bleiben." Sie müsse in die Wirklichkeit, in die Mitte des öffentlichen und alltäglichen Lebens gestellt werden.

Engagiert und mit Begeisterung präsentierten die verschiedenen "Wundernetz"-Gruppen die jeweiligen Ergebnisse ihrer Projektarbeit. Das OTH-Team hatte beispielsweise ein Video über seine Arbeit mit dem Schwerpunkt Sprache produziert. Die Gruppe der beiden Volkshochschulen hatte sich Gedanken über eine inklusionsgerechte Gestaltung ihres Programmheftes gemacht. Auch inhaltliche Aspekte wurden umgesetzt. Die Gruppe beteiligte sich an Aktionstagen oder einer Stadtbegehung zur Barrierefreiheit. Viel Beifall erntete Franziska Lottner für das von ihr komponierte Lied "Ich bin besonders".

Für Stimmung im Saal sorgte die KEB-/EBW-Gruppe, die auf der ACC-Bühne Kostproben aus einem Trommelkurs gab und einen "Wundernetz-Rap" präsentierte. OTV-Studioleiter Christoph Rolf und sein Team zeigten einen Zusammenschnitt aus 14 Folgen "Wundernetz-Magazin", und die offene Arbeitsgruppe "Infowerk" half mit bei der Planung von Veranstaltungen. Projektassistentin Monika Ehrenreich befasste sich in ihrer Gruppe "Alles klar" mit Sprachproblemen.

"Es hat Freude gemacht"

Durch das Wunderwerk sei das Thema Inklusion "ein großes Stück nach vorne gebracht worden", war sich Oberbürgermeister Michael Cerny sicher. "Es hat uns ganz einfach nur Freude gemacht, dabei zu sein." Das Entstandene weitertragen möchte der Vorsitzende des Lebenshilfe, Eduard Freisinger, der Hildegard Legat als Zeichen der Anerkennung mit der Ehrenplakette der Lebenshilfe bedachte. Sehr beeindruckt vom dem Projekt war auch Irmgard Badura, die Beauftragte der Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Denn Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht.Hildegard Legat, Projektleiterin
Inklusion darf jetzt in den nächsten Schritten nicht in unserer kleinen gemütlichen abgeschlossenen Blase bleiben.Förderlehrer Markus Blaschek
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