Ärger im Kindergarten Christkönig in Amberg
Pfarrei verkauft kleines Paradies

Am Montagmorgen hofften (von links) Frank Daenike, Stephanie Fraas, Ulrike Loos, Evi Dirmeier-Gaßner und Alina Frisk als Eltern noch, dass sie womöglich den Verkauf von 650 Quadratmeter Rasenspielfläche des Kindergartens Christkönig (im Hintergrund) verhindern könnten. Der Notartermin der Pfarrei war aber bereits am Freitag. Bild: Steinbacher

Es klingt alles so vernünftig, aber es geht um Kinder. Deshalb führt nicht nur nüchterner Verstand Regie. St. Georg hat 650 Quadratmeter der Grünfläche des Christkönig-Kindergartens verkauft. Die Eltern durften nicht mitreden.

Als fünf der Mütter und ein Vater am Montagmorgen auf dem Spielplatz gegenüber der Kindertagesstätte an der Eglseer Straße ihrem Ärger Luft machten, waren die Fakten bereits geschaffen. Am Freitag fand der Notartermin statt. Das, um was die Eltern kämpfen wollten, war bereits rechtskräftig besiegelt. Vorsichtig umschrieben stand es so auch in einem Elternbrief, der zeitgleich am Montagmorgen zugestellt wurde.

Darin legt Stadtpfarrer Markus Brunner für den Träger, die Pfarrei St. Georg, "die Gründe für den Verkauf einer Teilfläche von ca. 650 m² des Kindergartens" dar. Er verweist auf eine "mittelfristig" unumgängliche Generalsanierung der Betreuungseinrichtung für derzeit 75 Kindergarten- und zwölf Krippenkinder. Dafür müsse St. Georg 400 000 bis 500 000 Euro als Eigenbeteiligung stemmen. "Diese Summe übersteigt bei weitem unsere finanzielle Leistungsfähigkeit". Und weiter: "Deshalb ist es unerlässlich, frühzeitig damit zu beginnen, Rücklagen zu bilden."

Pfarrer bleibt hart

Am Telefon bekräftigte Brunner, "hier nicht einen Akt der Willkür vom Zaun gebrochen zu haben", sondern lediglich "die Zukunft dieser Einrichtung, die hervorragende Arbeit leistet, zu sichern". Die mit rund 90 Unterschriften untermauerte Kritik von Eltern tut der Stadtpfarrer als "ein Jammern auf hohem Niveau" ab. Die verbleibenden Freiflächen von Christkönig seien mehr als ausreichend. Andere Kindergärten würden sich in einer vergleichbaren Situation die Finger danach abschlecken.

Die Eltern, die sich trauten, etwas zu sagen, sehen in dem Verkauf - das Grundstück soll mit einem Einfamilienhaus bebaut werden - den unwiederbringlichen Verlust eines bedeutsamen Spiel-Refugiums für ihre Kinder. Zudem beklagen sie, nicht einmal ansatzweise in diese Entscheidung eingebunden worden zu sein. Außerdem steht sie im Widerspruch zu dem von Stadtpfarrer Markus Brunner formulierten Leitbild des Kindergarten-Trägers. "Im Einklang mit Ihnen, liebe Eltern", ist da zu lesen, wolle die Betreuungseinrichtung Werte vorleben, "die der christliche Glaube uns vermittelt". Ausdrücklich aufgeführt sind unter anderem Solidarität, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn. Im Augenblick ist das Verhältnis zwischen einem Teil der Eltern und Pfarrer Brunner jedoch reichlich angespannt.

Plötzlich geht es schnell

Als der Kindergarten am 21. Mai sein Sommerfest ausgerechnet auch auf dem schon damals zum Verkauf stehenden Grundstücksteil feierte, war davon noch nichts bekannt. Erst kurz darauf seien die Pläne bis zu den Eltern durchgesickert und hätten sich zu einem wahren Lauffeuer bis hin zu der spontanen Unterschriftenaktion mit rund 90 Unterzeichnern entwickelt, erzählte Ulrike Loos. Mit ihren Bedenken und ihrer Kritik seien sie allerdings nicht gerade auf offene Ohren gestoßen, merkten die beiden Elternbeiräte Evi Dirmeier-Gaßner und Stephanie Fraas an. Über den Inhalt eines Gesprächs mit Stadtpfarrer Markus Brunner sei zudem Stillschweigen und eben jener Elternbrief vereinbart worden.

Am Montag nun erklärte der Stadtpfarrer gegenüber der AZ, dass der Elternbeirat sehr wohl über den Notartermin am Freitag informiert gewesen sei. Das verwundert schon sehr. Denn auf Donnerstag datiert ein offener Brief des Elternbeirats an den Träger, dessen Kirchenverwaltung, das Ordinariat, Oberbürgermeister Michael Cerny und die Stadtratsfraktionen, um sich Gehör und eine Mitsprache bei diesem Verkauf zu verschaffen. Am Tag darauf wurde das Geschäft besiegelt. Baurechtlich, so die Auskunft der Stadt, spreche auch nichts dagegen.
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Kornelia Schmid aus Amberg in der Oberpfalz | 04.07.2017 | 09:40  
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