11.05.2018 - 10:16 Uhr
Oberpfalz

Alles Liebe zum Muttertag Mamas mittendrin

"Mama. Maaaama!" Gefühlte Tausend Mal am Tag erklingt das Wort in Mutters Ohr, so, dass sie oft ihren eigenen Gedanken nicht mehr folgen kann. Auf den Mamas lastet ein enormer Druck, der manchmal kaum noch auszuhalten ist. Wir haben mit Ambergerinnen über das Mutter-Sein gesprochen.

Hier können die Politiker noch viel lernen. Mamas an die Macht! Denn Mütter handeln aus der Tiefe ihres Herzens. Ein besonderer Dank geht an Nicole Vogel's (links) "Ruppi" und Ingrid Budde, die Mama von Shelby Schlör (rechts). (Bild: dwi)
von Dagmar WilliamsonProfil

Finanz-Manager, Multitasking-Chief, Personentransport-Fahrer, Chef-Koch, Sanitäter, Organisations-Talent, Facility-Manager, Seelenbeistand, Hausaufgaben-Betreuung: Das ist nur die kurze Variante der Job-Beschreibung des rund um die Uhr Dienstes einer Mutter. Sie ist die beste, wenn es Nachspeise gibt und die gemeinste, wenn sie etwas nicht erlaubt.

Shelby Schlör und Nicole Vogel können ein Lied davon singen. Schlaf wird überbewertet. Um 4 Uhr morgens klingelt der Wecker. Der frühe Vogel fängt den Wurm oder in diesem Fall: Die Schnitzel müssen gebraten, die Fleischpflanzerl vorbereitet, die Semmeln geschnitten werden. In der hiesigen Metzgerei ist Nicole Vogel die Chefin. Zwei Stunden später kommen die Kinder dran. Drei hungrige Mäuler werden versorgt und für Kindergarten und Schule fertig gemacht. Wie am Fließband. "Mittlerweile habe ich aber ein tolles Team, auf das ich mich verlassen kann", sagt die 33-Jährige. Dank ihres Ehemanns, der Schwiegereltern und des Personals sind ihr etwa zwei Stunden mehr Schlaf vergönnt. Nebenbei gelang es ihr auch über 80 Kilogramm abzunehmen. Diszipliniert, wie die Mutter ist, wird im heimischen Wohnzimmer täglich eine halbe Stunde Sport getrieben. Shelby Schlör grinst und öffnet das Gartentürchen. Zwei wilde Wesen mit Riesen-Ranzen rennen auf sie zu und umarmen sie stürmisch. Es ist Mittagszeit. Yannick und Philipp haben viel von der Schule zu erzählen. Auf dem Gesicht der 37-Jährigen sind noch die Falten des Kissens zu sehen. Sie ist gerade aufgestanden - nach zehn Stunden Nachtschicht im Krankenhaus. Ihren erlernten Beruf liebt Schlör genauso wie ihre Familie. Ihr Ehemann ist Facharzt für Anästhesiologie und auch für Notfallmedizin zuständig. "Also kann ich nur in Teilzeit und als Springer arbeiten und Jens ist der finanzielle Versorger in diesem Haushalt", sagt sie lachend. Das bedeutet auch für sie, die Organisation für alles zu übernehmen und überaus flexibel zu sein. Wie viele andere Mütter kommt auch Shelby in Erklärungsnot, wenn der Kindermund die Wahrheit spricht, aber für andere nicht nachvollziehbar klingt. "Der Papa muss schon wieder im Keller schlafen" ist so ein Satz. Denn, wenn Jens Bereitschaft hat, verbringt er die Nacht im Gästezimmer.

Das berühmte Tuscheln

"Das Beste am Mama-Sein ist der Nachwuchs selber. Und das Schlimmste? Andere Mütter, die mit erhobenen Finger alles besser wissen", sagt Nicole Vogel. Obwohl jede Frau im Endeffekt immer ihr Bestes gibt, um das Familienleben so harmonisch wie möglich zu gestalten. "Es wäre so einfach - wir wissen doch, wie unser Alltag abläuft", sagen die Powerfrauen. Anstatt hinter vorgehaltener Hand zu (ver-)urteilen, sind es doch die Mütter, die zusammenhalten sollten. "Und man weiß nie, welche Optionen zur Verfügung stehen, um eine Entscheidung zu treffen."

In Sachen Verbundenheit kennt sich auch Anke Schmietendorf aus. Sie ist aus Leib und Seele seit 15 Jahren Tagesmutter in Amberg. Im März zog die 46-Jährige in einen ehemaligen Blumenladen in Ammersricht - mit Garten, großer Küche und allem, was Kinderaugen zum Strahlen bringt. "Was Mamas brauchen, ist Zeit", sagt Schmietendorf. Aber hier hat sich der Alltag gravierend verändert. Als die Tagesmutter mit der Kinderbetreuung begann, nutzten die Frauen die Zeit für sich. Kaffeetrinken, Frisörtermine, einfach abschalten. Heute sind alle berufstätig. Die wirtschaftliche Ausgangslage und die Gesellschaft haben sich in der vergangenen Dekade so verändert, dass es fast verpönt sei, "nur" als Hausfrau zu leben. "Mal abgesehen davon, dass es sich kaum noch jemand leisten kann, seinen Lebensunterhalt mit einem Verdienst zu bestreiten."

Schmietendorf ist für die nächsten drei Jahre ausgebucht. "Es besteht ein großer Bedarf an Kinderbetreuung in der Stadt, wie im Landkreis", erzählt die Ambergerin. Es sind die amtlichen Richtlinien, die Frauen abschrecken, eine Ausbildung zur Tagesmutter zu machen. Schmietendorf setzt große Hoffnung auf den neuen Jugendamtsleiter Thomas Boss. Sie ist sich sicher, er werde sich um Fördermittel bemühen, um zum Beispiel Fehlzeiten der Kinder auszugleichen, damit Tagesmütter in Zukunft nicht draufzahlen müssen.

Schülerinnen helfen

Es gibt eine wunderbare Lösung für Zeit, Verbundenheit und Zusammenhalt zwischen Familien. Zum Beispiel bei der Staatlichen Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung in Sulzbach-Rosenberg. Diese sucht händeringend nach Praktikumsstellen für ihre Schülerinnen. Einmal wöchentlich für ein Schuljahr würde eine Assistentin im Haushalt helfen. Zu deren Aufgaben gehören Kochen, Raum- und Textilpflege und Beschäftigung mit Kindern und Senioren. Voraussetzungen sind Erfahrung mit dem eigenen Haushalt und die Bereitstellung aller technischen Geräte. Außerdem muss der Praxisgeber an diesem Tag anwesend sein. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.sbszsuro.de oder bei Angelika Aures, 09661/2777.

Mama-Sprüche

Sätze, die Mütter niemals sagen wollten, aber das Erbgut lügt nicht. Oder: "Hilfe, ich mutiere zu meiner Mutter!"

"Andere Kinder haben nichts."

"Wie heißt das Zauberwort?"

"Wir schlecken keine Menschen ab!"

"Ich zähle jetzt bis drei!"

"Hast du dir den Popo saubergemacht?"

"Jetzt aber Händewaschen!"

"Das hast du nicht von mir!"

"Ich bin doch kein Hotel!"

"Langsam! Laaaaangsam!"

"Jetzt aber dalli!"

Mama gesucht

Stellenausschreibung: Mutter

Voraussetzungen: Mobilität. Arbeiten müssen meist im Stehen verrichtet werden. Etwa 135 Stunden in der Woche. Pausen sind nicht gestattet - ab und zu bietet sich jedoch die Gelegenheit, kalten Kaffee zu trinken. Ausgezeichnete Verhandlungs-Fähigkeiten und diplomatisches Geschick sind von Vorteil. Erfahrungen im medizinischen Bereich, in der Buchhaltung, so wie die Beherrschung der kulinarischen Künste müssen gewährleistet sein. Bezahlter Urlaub: Nein. Im übrigen wird sich die Arbeit vor, während und nach Feiertagen steigern. Tarifliche Bezahlung ist der Mindestsatz von etwa 185 Euro monatlich plus 300 Euro im ersten Jahr. Interessiert? (dwi)

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