14.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Altstadtring in Amberg als Rennstrecke Schlafraubende Runden

Sie drehen Runde um Runde um den Altstadtring. Oder stehen in Busbuchten und bewundern die vorbeifahrenden Autos Gleichgesinnter. Das hat fast schon Picknick- Charakter. Sehr zum Leidwesen von Anwohnern, denen der Lärm der Motoren, Auspuffanlagen und der Sound der Musik den Schlaf raubt.

Rennstrecke Altstadtring und großer Kreisverkehr beim Nabburger Tor: Die straßentechnischen Gegebenheiten in Amberg sehen Stadtrundenfahrer als ideal an. Deshalb kommen auch die Liebhaber hochmotorisierter und aufgemotzter Autos von außerhalb der Region, um hier ihre rasanten Runden zu drehen - sehr zum Leidwesen der Anwohner, denen die Dauerdröhnung den Schlaf raubt. Bild: Huber
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Momentan ist Hochsommer. Und wenn man so will, Hochsaison für die Stadtrundenfahrer. Die Polizei kennt das Phänomen nur zu gut, wie Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion, und seine Mitarbeiter Hans-Peter Klinger, Peter Hofrichter und Achim Kuchenbecker bestätigen. Und sie kennt natürlich auch das Klientel.

Feststellbar sei immer ein gewisses Verhalten, so Hofrichter. "Gas geben, schnell fahren." Hans-Peter Klinger nickt wissend. "Man steht gemeinsam bei Rot an der Ampel, wenn es Grün ist, geht es darum, wer die ersten 30 Meter macht." Anwohner am Ring empfänden dies als störend, wenn Rennen gefahren werden. Es sind aber nicht nur die Ring-Runden, sondern auch Treffen in Parkbuchten, bei der Max-Josef-Schule oder am Parkdeck Kräuterwiese - das hat Picknick-Charakter, wenn Campingstühle ausgepackt, die Soundanlagen aufgedreht werden.

Hinzu kommen laute Unterhaltungen, Gelächter und Geschrei. Zurück bleiben häufig Müll oder Zigarettenkippen, weil der Auto-Aschenbecher bei dieser Gelegenheit ausgeleert wird. "Wenn jemand zwischen 23 und 1 Uhr mit Musik aus dem Auto beschallt wird, ist das relativ schnell störend", sagt Robert Hausmann und erklärt, dass die Polizei regelmäßig Platzverweise am Parkdeck ausspricht.

Zudem haben die Ordnungshüter bereits einige Autos sichergestellt, die dann von Experten begutachtet werden. Teilweise seien an den getunten Fahrzeugen erhebliche und umfangreiche Umbauten vorgenommen oder beispielsweise ein nicht zulässiger Auspuff eingebaut worden, so Peter Hofrichter. Durchaus möglich, dass für den einen oder anderen fahrbaren Untersatz deshalb die Betriebserlaubnis erlischt. Hausmann betont, dass es nicht um ein Katz- und Mausspiel gehe. Sondern darum, dass die Polizei Präsenz zeige. "Wir sind da. Und wenn es was zu beanstanden gibt, beanstanden wir das", sagt er.

Die Szene solle wissen, dass die Polizei unterwegs sei, die Geschwindigkeit auch mit der Laserpistole messe. Robert Hausmann will aber nicht alle über einen Kamm scheren. "Manche sind vernünftig und verhalten sich so, dass sie keine anderen Menschen stören." Er wünsche sich, dass die Vernünftigen auf die anderen in der Gruppe einwirken.

Dass der Polizei manchmal unterstellt werde, sie tue nichts dagegen, empfinden Hausmann und seine Kollegen als ungerecht. "Wir kümmern uns im Rahmen des Möglichen", erklärt er.

Wenn jemand zwischen 23 und 1 Uhr mit Musik aus dem Auto beschallt wird, ist das relativ schnell störend.Robert Hausmann

Blitzer-Marathon

Verwarnung und Bußgeld

In einer gemeinsamen Aktion nehmen die Stadt und die Polizeiinspektion die Ringraser und Stadtrundenfahrer ins Visier. Laut einer Presseinformation ist bei einem Blitzer-Marathon der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit seit Mitte Juli nachts mit jeweils drei Messstationen zur Geschwindigkeitskontrolle am Altstadtring im Einsatz. "Durch die hohe Überwachungsdichte haben wir natürlich auch viele Autofahrer bei Geschwindigkeitsübertretungen ertappt, die nicht zu den Ringrasern gehören", erklärt Maximilian Köckritz, Geschäftsstellenleiter des Zweckverbands. Allein an vier Abenden im Juli wurden insgesamt 494 Autofahrer mit Geschwindigkeitsübertretungen angehalten. 475 von ihnen waren bis zu 20 km/h zu schnell dran und kamen mit einer Verwarnung davon. Weitere 16 waren 21 bis 30 km/h zu schnell gefahren. Gegen sie wurden ebenso Bußgeldverfahren eingeleitet, wie gegen drei Raser, die die Höchstgeschwindigkeit um 31 bis 40 beziehungsweise in einem Fall sogar um 41 bis 50 km/h überschritten hatten. In diesen Fällen wurden zudem Fahrverbote ausgesprochen. (san)

Schon zwei Unfälle

Die Stadtrundenfahrer verursachen nicht nur Lärm, sondern sind durchaus eine Gefahr, wenn sie mit überhöhter Geschwindigkeit um den Altstadtring brettern. Wie Achim Kuchenbecker, Sprecher der Polizeiinspektion Amberg, erklärt, hat es heuer schon zwei Unfälle gegeben. In beiden Fällen waren die Fahrer aus der Beschleunigung heraus an Verkehrsschilder geknallt.

Einen krassen Fall schilderte Peter Hofrichter vom Sachgebiet Verkehr der Polizei: Ein Stadtrundenfahrer tourte mit einem hochmotorisierten Fahrzeug durch den Kreisverkehr am Nabburger Tor, fuhr schließlich quer und stach mit Höchstgeschwindigkeit rückwärts die Regensburger Straße hinauf bis zum Dreifaltigkeitskircherl. "Das war Sonntagnachmittag." Hans-Peter Klinger verweist ebenfalls auf den Blitzer-Marathon an vier Abenden im Juli: Da habe es insgesamt 22 Punkte in Flensburg gegeben. (san)

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