Amberg holt bei Väterquote des Elterngeldes auf
Keine Angst mehr vorm Wickeln

Es gab mal eine Zeit, als die Amberger Männer als Negativbeispiel herhalten mussten, weil sie bayernweit die geringste Väterquote bei den Elterngeld-Anträgen zustande brachten. 2008 war das. In diese Rolle ist inzwischen eine Nachbarstadt geschlüpft.

Nur 13,3 Prozent der hiesigen Väter wollten 2008 für ihren Nachwuchs (mindestens) zwei Monate freinehmen. Bei einem bayerischen Durchschnitt von 27 Prozent. Die aktuellen Zahlen - präsentiert anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Elterngeldes - zeigen: Inzwischen hat in dieser Hinsicht die Stadt Weiden die Rolle des bayernweiten Schlusslichts übernommen - mit 26,3 Prozent bei einer durchschnittlichen Quote von 41,7 Prozent.

Im Mittelfeld

Bei dieser letzten Auswertung (für die Geburten des Jahres 2014) lag die Amberger Väterquote bei 35,7 Prozent und damit im breiten bayerischen Mittelfeld. Mit dem Landkreis Amberg-Sulzbach (41,6 Prozent) konnte sie da aber ebenso wenig mithalten wie mit dem Oberpfälzer Mittel (43,8 Prozent). Für ganz Bayern hat das für das Elterngeld zuständige Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) bei der Bilanz nach zehn Jahren festgestellt: "Der Anteil an Vätern, die Elterngeld beantragt haben, ist kontinuierlich gestiegen: von 19,2 Prozent (bezogen auf im Jahr 2007 geborene Kinder) auf 42,7 Prozent (bezogen auf im ersten Quartal 2015 geborene Kinder). Die bayerischen Väter befinden sich damit seit Jahren bundesweit in der Spitzengruppe." 2014 etwa hatte nur Sachsen höhere Werte (44,2 Prozent). Insgesamt haben die Bayern in den vergangenen zehn Jahren 8,2 Milliarden Euro Elterngeld bezogen. Für die einzelnen Kreise kann das ZBFS keine entsprechenden Zahlen liefern, die durchschnittliche Höhe des Elterngeldes ist aber für das Jahr 2014 festgehalten: im Stadtgebiet von Amberg 853 Euro, in Amberg-Sulzbach 886 (Oberpfalz: 906 Euro). Unterschiede bei der Einkommenshöhe und den Erwerbsbiografien führten zu kräftigen Abweichungen beim durchschnittlichen Anspruch von Vätern (Amberg: 1257 Euro, Amberg-Sulzbach: 1226 Euro) und Müttern (Amberg: 708 Euro, Amberg-Sulzbach: 746). Hier kommen also nur die Amberger Väter über den Oberpfälzer Mittelwert (gesamt: 906 Euro, Väter: 1249 Euro, Mütter: 753 Euro), den vor allem die Bezieher in der Region rund um Regensburg nach oben drücken.

Vorsicht bei Statistiken

Bleibt die Frage, ob das Elterngeld tatsächlich zu mehr Geburten geführt hat. Eine direkte Abhängigkeit wird sich bei einer so komplizierten Entscheidung, wie der für ein Kind, kaum nachweisen lassen, doch die Daten des Statistischen Landesamtes zeigen zumindest eines: Wenn man die Geburten des Jahres 2006 (dem letzten ohne Elterngeld) und die des Jahres 2015 (dem letzten vollständig erfassten mit Elterngeld) vergleicht, kommen immer Steigerungen heraus - für die gesamte Oberpfalz von 8732 auf 9512 (+ 8,9 Prozent), für die Stadt Amberg von 312 auf 351 (+ 12,5) und für den Landkreis Amberg-Sulzbach von 796 auf 808 (+ 1,5). Noch deutlicher ist dieser Trend für Bayern insgesamt mit einem Geburtenplus von 104 822 auf 118 228 (+ 12,8 Prozent).

Allerdings sollte man solchen Statistiken immer mit einer gesunden Portion Misstrauen begegnen. Denn es gab in Amberg auch Jahre, in denen man vor der Elterngeld-Zeit deutlich über den aktuellen Werten lag, etwa 2000 (400 Neugeborene) und 2005 (382 Neugeborene).

Jena weit vorausBundesweit gab es 2014 eine gewaltige Spanne bei der Väterquote des Elterngeldes: Den höchsten Anteil hatte laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes die thüringische Stadt Jena (57,8 Prozent), gefolgt vom Landkreis Würzburg mit 52,4 Prozent. Auf die geringste Väterquote kam - wie bereits 2013 - die nordrheinwestfälische Stadt Gelsenkirchen mit 14,2 Prozent. Der Bundesdurchschnitt lag bei 34,2 Prozent. Der durchschnittliche Elterngeldanspruch für Väter und Mütter lag bundesweit bei monatlich 857 Euro. Spitzenreiter waren hier Hamburg (959 Euro) und Bayern (940 Euro). Den höchsten durchschnittlichen Elterngeldanspruch gab es für vor der Geburt des Kindes erwerbstätige Väter in Erlangen mit 1484 Euro. (ll)
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