Amberger (24) verliert beinahe ein Auge
Opfer eines blindwütigen Schlägers

ARCHIV - ILLUSTRATION - Das Strafgesetzbuch liegt am 21.07.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) im Gerichtssaal. Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa vom 16.12.2016) Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Weinende junge Frauen machen ihn zum Berserker, der keine Rücksicht kennt. Das ist die Kurzversion des Geständnisses, das Kevin B. (Name geändert, 18) vor dem Jugendschöffengericht am Dienstag ablegte. Aus der U-Haft in Fußfesseln vorgeführt, sagte er auch: Alles, was er angerichtet habe, tue ihm inzwischen leid.

Ob das Prozesstaktik oder Schuldeinsicht und Reue ist, wird das Gericht in seinem Urteil feststellen. Denn unter anderem geht es um die lebenslange, massive Schädigung der Sehkraft eines heute 24-jährigen Ambergers. Wenn es überhaupt möglich sei und er einmal Geld verdiene, wolle er auch das wieder gut machen, sagte Kevin B. Damit werde es so schnell nichts, stellte im Zuge der Beweisaufnahme der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, Peter Jung, allerdings nicht nur einmal fest. Der 18-Jährige ist der schweren Körperverletzung angeklagt. Ob das strafrechtlich gewichtige Attribut gefährlich noch hinzukommt, steht im Raum. Es geht um harte, massive Faustschläge in das Gesicht zweier junger Männer, die der kräftig gebaute Angeklagte jeweils mit weinenden jugendlichen Frauen in Verbindung brachte. Obwohl die beiden Amberger damit gar nichts zu tun hatten.

Vorgefallen sind die beiden Taten im Juni vergangenen Jahres. Einmal am Rande der Pfingstdult, das zweite Mal nach einem Besuch des Sulzbach-Rosenberger Altstadtfestes. Kevin B. sah sich jeweils quasi als Rächer von Tränen, die Bekannte von ihm vergossen. Eine wegen ihres angeblich fremdgehenden Freundes, die andere, weil sie spätnachts an einem Kneipentresen geschlagen worden sein soll. Stets war viel Alkohol mit im Spiel, besonders bei dem 18-Jährigen, der zudem massiv Drogen konsumierte. In so einem Zustand mischte sich der Angeklagte als Unbeteiligter in die sich vor eine Amberger Gaststätte verlagernde Hysterie um Schläge gegen eine junge Frau. Ein Gast, der damit nichts zu tun hatte, soll von Kevin B. bezichtigt worden sein, das getan zu haben. Und schon schlug er zu, räumte selbst der Angeklagte ein.

Da das Opfer eine Brille trug, flog das Kunststoffglas aus der Fassung und schnitt sich in den Augapfel des Fachverkäufers. Maximal zehn Prozent der ursprünglichen Sehkraft, so ein Rechtsmediziner, sind ohne Korrektur übrig geblieben. Für immer. Das Urteil soll am 27. Februar fallen.
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