Amberger dichtet Mega-Bau in Abu Dhabi ab
Louvre ins Trockene gebracht

Felix Schlosser (24) vor der gigantischen Kuppel des Museums in Abu Dhabi. Allein die Dachkonstruktion wiegt 12 000 Tonnen und ist damit so schwer wie der Eiffelturm in Paris. Bilder: Tourism Development & Investment Company (2)

Vor ein paar Tagen hat der Louvre Abu Dhabi eröffnet - ein rund 1,5 Milliarden Euro teures Museum, das nicht nur in die Kunst-, sondern auch in die Architekturgeschichte eingeht. Ein junger Mann aus Amberg hat an dem Gebäude mitgebaut. An entscheidender Stelle.

Der Louvre Abu Dhabi gilt als Bauwerk der Superlative. Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan und der französische Staatsschef Emmanuel Macron haben das Museum am vergangenen Mittwoch nach mehr als zehnjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnet. Eine Kuppel mit einem Durchmesser von 180 Metern thront über 55 Einzelbauwerke, die auf einer künstlichen Insel im persischen Golf errichtet wurden.

Ja ist nicht gleich Ja

Felix Schlosser (24) aus Amberg war während der heißen Bauphase von Mitte 2013 bis Ende 2015 für die Abdichtung der im Meer stehenden Gebäude zuständig - zuletzt als Bauleiter für diesen Bereich. "Dafür zu sorgen, dass kein Wasser in die Gebäude eindringt, das war mein Job." Der 24-jährige Dachdeckermeister ist der Sohn von Heinz Schlosser, dem Chef des gleichnamigen Dachdeckerbetriebs mit Sitz in Hiltersdorf. "Ich habe im Mai 2013 meinen Meister gemacht", erzählt der Amberger. Zwei Wochen später saß er schon im Flieger Richtung Arabische Emirate. Ein Dachdeckermeister aus Stuttgart hatte den Kontakt zu einer Firma in der Schweiz vermittelt, die an dem Projekt beteiligt war. Zuerst war der junge Mann als Koordinator für die Bauarbeiter tätig. "Danach habe ich mich quasi hochgearbeitet", sagt er. Nicht ohne einen Kulturschock zu erleben. "Da war halt einfach alles anders. Zuerst musste ich lernen, dass ein Ja dort nicht automatisch Ja bedeutet." Vor allem die aus Asien stammenden Arbeiter hätten sich einfach nicht getraut, Nein zu sagen. Deswegen sei die Qualitätskontrolle auf der Baustelle das A und O gewesen - und das Dolmetschen. Die Ingenieure hätten diese Aufgabe übernommen.

Standards erhöht

Das Thema Arbeitssklaven hat auch Schlosser beschäftigt. Die meisten Arbeiter auf der Baustelle stammten aus Ländern wie Bangladesh, Indien oder Pakistan. Die Männer hätten im Durchschnitt zwischen 600 und 800 Euro pro Monat bekommen. "Es gibt europäische Firmen, die haben für ihre Leute Wohnkomplexe hingestellt mit allen wichtigen Einrichtungen. Es gibt aber auch Subunternehmer, bei denen schauen die Unterkünfte schlimmer aus." Die Sicherheitsstandards seien nach den kritischen Berichten in den Medien angehoben worden. "Da ist die Regierung jetzt schon dahinter, dass da nichts passiert."

Bereits zum Jahreswechsel 2015/16 hat Schlosser die Louvre-Baustelle verlassen. Er reiste weiter nach Doha zum nächsten Projekt, dem Bau der Metro, um dann zurückzukehren und bei der Handwerkskammer in München die Ausbildung zum Betriebswirt zu absolvieren. Seit März 2017 ist er nun als Juniorchef im Unternehmen des Vaters tätig. 
Dafür zu sorgen, dass kein Wasser in die Gebäude eindringt, das war mein Job.Felix Schlosser
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