Amberger zwei Wochen auf der Seefuchs im Einsatz
Flüchtlingsstrom hautnah und live

Steffen Franz erzählt von seiner zweiwöchigen Mission . Bild: wsb

Lange hatte er sich darauf vorbereitet, am 26. September wurde es dann ernst. Steffen Franz stach von Malta aus in See, um als Teil der Sea-Eye-Mission zwischen Italien und Libyen in Seenot geratenen Flüchtlingen zu helfen.

Die Mannschaft auf dem 60 Jahre alten Schiff, das viele Freiwillige wieder flott gemacht haben, war bunt gemischt: Neben Kapitän und Maschinist waren zwei Ärzte, zwei Medizinstudentinnen, ein Wasserwachtler und ein Rettungssanitäter mit dabei. Bereits im Frühjahr hatte sich der 45-Jährige intensiv mit dem Thema beschäftigt und meldete sich freiwillig. "Ich wollte mir selbst ein Bild machen", erklärt der gebürtige Berliner. Immer wieder höre man von der geschlossenen Mittelmeer-Route. Dass die Situation alles andere als unter Kontrolle ist, musste der Wahl-Amberger mit Erschrecken feststellen. "Es ist viel dramatischer als ich gedacht hätte", beschreibt er die unzähligen Boote, die tagtäglich von Libyen aus in See stechen. An Bord befinden sich oft verzweifelte Menschen. Wird ein Flüchtlingsboot gesichtet, dessen Besatzung in Gefahr schwebt, wird die Seefuchs vom italienischen Seenotzentrum alarmiert, um Erste Hilfe zu leisten, bis die Gruppe von einem anderen Schiff an Bord genommen wird. "Prinzipiell nehmen wir keine Personen auf und erst recht transportieren wir sie nicht zum Festland", erklärt Franz. Meistens genügt es, den Flüchtlingen mit einem Beiboot Schwimmwesten zu reichen und sie im Auge zu behalten. Manchmal erfordert es aber die Situation, Verletzte zu versorgen oder zum nächsten Schiff zu bringen.

Den Rettern boten sich oft unvorstellbare Bilder. Eine Gruppe von Libyern war mit einem ganz normalen Navi aufgebrochen, in das sie Lampedusa als Ziel eingegeben hatten. Viele unterschätzen die Entfernung zum italienischen Ufer und haben zu wenig Benzin und Vorräte dabei. Die Naivität, mit der die Flüchtlinge ins Ungewisse aufbrechen, verwundert den 45-Jährigen bis heute: "Denen ist überhaupt nicht bewusst, dass sie nicht mehr weiterkommen."

"Man fährt da hin, um Leuten zu helfen", betont der Amberger. Kritik an der Mission kann er nicht nachvollziehen. Für ihn gilt vor allem eines: "Wenn Personen am Ertrinken sind, kann ich nicht wegschauen. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren". Die vielen Boote, die von Afrika aus aufbrechen, täten dies nicht wegen der Sea-Eye. Die Probleme lägen anderswo und müssten dort bekämpft werden. Bei der libyschen Küstenwache etwa, die Flüchtlingsströme nicht aufhalte und auf alles vor der Küste schieße. "Das sind eiskalte Mörder, die von uns unterstützt werden", macht Franz seinem Ärger Luft. Damit spielt er auf die Bundesregierung an, die Libyen finanziell unterstütze.

Nach seiner Rückkehr fühlt sich der freiwillige Helfer in seiner Tätigkeit bestätigt. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der deutschen Regierung. Schon oft hätten Sea-Eye- Mitarbeiter bei zuständigen Stellen vorgesprochen, seien aber immer wieder zurückgewiesen worden: "Wir fühlen uns alleine gelassen."
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