An der OTH soll es nicht liegen
Masterplan Kind und Studium

In sehr überschaubaren Grenzen hielt sich das Interesse von OTH-Studenten an dem Vortrag ihres ehemaligen Kommilitonen Leonhard Gresser und dessen Ehefrau Magdalena (stehend von rechts), wie man sich als junges Ehepaar mit Kinderwunsch durch den Alltag von Studium, Berufsausbildung und Arbeitsleben kämpft. Bild: Hartl

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein gesellschaftlich hoffähiges, wenn auch oft kontrovers diskutiertes Thema. Es geht noch heftiger.

Helena (2) mag an diesem frühen Abend mit dem Siemens-Innovatorium - dem Audimax der OTH - nicht so recht warm werden. Ihre fremdelnde Quengeligkeit hält sich aber in Grenzen. Sie ist es offenbar gewohnt, dass Mama (30) und Papa (34) gerade zu tun haben. Und so arbeitet die junge Familie den Vortrag "Vater werden ist nicht schwer - 'Mutter' sein dagegen sehr???" in trauter Dreisamkeit ab.

Mutter steht nicht zufällig in Anführungszeichen. Denn der Lebens- und Karriereplan des studentischen Ehepaares Magdalena und Leonhard Gresser machte und macht immer wieder einen kompletten Rollentausch nötig. Das gestaltet in einigen Aspekten alles noch eine gehörige Portion schwieriger. Das verhehlte das junge Ehepaar in seinem sehr persönlichen Vortrag keineswegs. Eingebettet war er in die Veranstaltungsreihe "Erfolgreiche Ingenieurinnen". Es ist seit jeher ein erklärtes Ziel der OTH, junge Frauen für Technikberufe zu gewinnen.

Rare Ausnahmen

Vizepräsidentin Prof. Dr. Christiane Hellbach bekräftigte das in ihrem einleitenden Statement einmal mehr. Verweisen kann sie vor diesem Hintergrund unter anderem auf das nötige Umfeld, das die Zertifizierung "Familiengerechte Hochschule" (2011) und die Prämierung "Familienfreundliches Unternehmen" (2014) seitens der Stadt und des Landkreises einbrachte. Dennoch ist laut Hellbach Fakt, "dass drei Viertel des akademischen Mittelbaus an Hochschulen kinderlos sind". Das gelte für Frauen und Männer gleichermaßen.

Weshalb das so ist, lässt sich aus dem Vortrag von Leonhard und Magdalena Gresser ebenso herauslesen wie die Zuversicht, dass das so nicht bleiben muss. Denn: "Es findet sich immer eine Lösung" (Leonhard). Helena ist kein Betriebsunfall einer studentischen Liebe, stellte das junge Ehepaar grundsätzlich heraus. Vielmehr hatten sich die aus Burglengenfeld stammende Bankkauffrau-Auszubildende und der Nabburger OTH-Maschinenbau-Student einen detaillierten Familien- und Karriereplan mit der Kernfrage, wann das erste von drei Wunschkindern kommen soll, zurechtgelegt. Eingebettet war dieser Masterplan in ein Wechselspiel der Rollenverteilung, wer gerade durch seine Berufstätigkeit das nötige Familieneinkommen sichert und wer sich fortbildet. Denn die Bankkauffrau wollte noch Wirtschaftspädagogik studieren und der Dipl.-Ing. (FH) promovieren. Die Zeitschiene geriet ins Schlingern. Mit Helena wollte es nicht so recht klappen, und der FH-Dipl.-Ing. eröffnete nicht den Zugang zu einer Promotion. Erst musste noch ein Master her.

Viel, viel Selbstdisziplin

Auf diesem Weg machte das Paar Erfahrungen mit dem beruflichen Alltag (kleines Ingenieur-Büro, Referendariat) und der FAU Erlangen-Nürnberg sowie der TU Darmstadt. Im Dezember 2014 kam Helena dazu. Das Fazit: Unverzichtbar sind eine eng verzahnte, individuelle Beratungs- und (Klein-)Kinderbetreuungs-Infrastruktur (Krippen, Kindergärten, Wickel- und Rückzugsräume), ein funktionierendes privates Netzwerk und viel, viel Selbstdisziplin.

Leonhard Gresser musste dabei noch gravierender gegen gesellschaftliche und universitäre Konventionen verstoßen als seine Ehefrau. Denn männerdominierte technische Fakultäten seien in Sachen Familienfreundlichkeit noch deutlich defizitärer ("Die meisten haben sich einfach nicht getraut, mich wegen Helena aus der Vorlesung zu werfen.") als gesellschafts- und geisteswissenschaftliche. Der Lohn: "Irgendwie ist man manchmal wieder etwas kindisch."
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