Angehende Goldschmiede brauchen Geduld - und eine stabile Persönlichkeit
Gefühl für das Material bekommen

Nicht nur Glitzerndes und Funkelndes - der Beruf des Goldschmieds ist auch mit ganz profaner Handarbeit verbunden, bei der man sich die Finger schmutzig macht. Bild: mia
 
Feilen und Schleifen - die Grundtechniken werden im Entstehungsprozess der Schmuckstücke immer wieder gebraucht. Bild: mia

Was ein Goldschmied definitiv auch braucht, ist räumliches Vorstellungsvermögen und gutes Sehvermögen (man denke nur an die zum Teil sehr kleinen Teile, die verarbeitet werden). "Man braucht Wissensdurst und Offenheit sowie Geschicklichkeit und Genauigkeitsgefühl", sagt Sebastian von der Recke.

Und Geduld? Die lässt sich zwar trainieren - ist aber absolut unabdingbar, da es mitunter mehrere Tage und Wochen dauert, in denen man sich immer wieder mit einem Werkstück beschäftigt, bis es endlich perfekt und fertig ist.

Und was sonst noch?

Was ist Arbeitgebern an ihren Goldschmiede-Azubis sonst noch wichtig? Etwas, das SO vielleicht auch nicht in den Berufsbeschreibungen zu finden ist?

Sebastian von der Recke: "In unserem Handwerk ist die betriebliche Bindung sehr eng - meistens sind in der Werkstatt ja nur zwei, drei Leute. Da muss es auf jeden Fall auch zwischenmenschlich funktionieren. Außerdem legt man gerade im Goldschmiede-Bereich viel Wert auf die Integrität des Auszubildenden und eine stabile Persönlichkeit. Denn gerade in unserem Umfeld mit den vielen wertvollen Materialien soll das alte Sprichwort 'Gelegenheit macht Diebe' nicht wahr werden."

Betrieb und/oder Schule?

Erlernen kann man den Beruf des Goldschmieds entweder im Dualen System aus Betrieb und Berufsschule oder an speziellen Fachschulen wie beispielsweise in Pforzheim.

Sebastian von der Recke: "Im Rahmen der rein schulischen Ausbildung herrscht nicht der wirtschaftliche Druck eines Handwerksbetriebes, wo der Kunde seine Auftragsarbeit auch schon mal unbedingt bis morgen haben will. Da kann man sich mehr an verschiedenen Techniken ausprobieren und experimentieren - zum Beispiel bei 3D-Programmierungen oder Emaillierungen."

Eine Frage der Technik

Was tut ein Goldschmied an einem typischen, ganz normalen Arbeitstag in der Werkstatt? Während der ersten Zeit muss ein Azubi erst einmal die Grundtechniken seines Berufs kennenlernen: Sägen, Feilen, Genauigkeit und ein Gefühl für das Material. Da ist Geduld gefragt. "Die Leidenschaft am Beruf muss wachsen können", sagt der Meistergoldschmied. Später geht es dann an die Umsetzung von Entwürfen - die zum Beispiel für eine Bestellung vorher gemeinsam mit einem Auftraggeber erarbeitet worden sind. Oder man kann, will und darf eine eigene Idee umsetzen. Vielleicht fasziniert die ja nicht nur einen selbst, sondern später auch den zahlenden Kunden.

Sebastian von der Recke: "Wie in jedem klassischen Handwerksberuf muss ich mich da fragen: Welches Material braucht man, was muss ich bestellen oder herstellen, welches Werkzeug nehme ich und welche Techniken setze ich ein?"

Und die Zukunft?

Wenn die Ausbildung dann abgeschlossen ist, wie geht's weiter? Sebastian von der Recke hält es für sinnvoll, während der Gesellenjahre verschiedene Betriebe kennenzulernen (mit all ihren Vor- und Nachteilen oder unterschiedlichen Arbeitsweisen).

Kontakte in die Branche lassen sich leicht zum Beispiel bei Ausstellungen oder Messen knüpfen. Darüber hinaus ist neben Meistertitel und Selbstständigkeit später auch ein Studium denkbar - beispielsweise Design oder auch Werkstofftechnik.

Doch wofür man sich auch immer entscheidet - mit einer Ausbildung hat man auf jeden Fall immer eine solide, umfassende Grundlage.
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