29.06.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Angeklagter im Mordprozess gibt Tat zu "Aggressiv und böse" nach Wesensveränderung

Amberg/Schwandorf. Plötzlich gab es ein Bekenntnis. Am dritten Verhandlungstag um den gewaltsamen Tod einer Frau in Maxhütte-Haidhof hat der Angeklagte über seinen Anwalt erklären lassen, dass er auf die 59-Jährige schoss. Allerdings, so ließ der Mann hinzufügen, "ohne mit den schwerwiegenden Folgen zu rechnen".

Bei Thanstein geriet der Kleinwagen des mutmaßlichen Mörders nach einer Verfolgungsjagd auf regennasser Straße ins Schleudern, überschlug sich und blieb als Wrack stehen. Bild: Portner
von Autor HWOProfil

Da sitzt einer, den der Alkohol "aggressiv und böse" gemacht hat, zwölf Jahre war er mit seiner früheren Lebensgefährtin zusammen. Die heute 37-Jährige wollte vor dem Schwurgericht erst aussagen, als der Angeklagte per Beschluss aus dem Sitzungssaal entfernt worden war. Sie hatte Angst vor ihm. Dann wurde deutlich: "Täglich ein Kasten Bier", dazu Wodka und eine Wesensveränderung bei dem Mann, der aus den neuen Bundesländern nach Bayern gekommen war.

Irgendwann wurde die Ex-Freundin ansatzlos aus der gemeinsamen Wohnung in Teublitz geworfen. Sie kündigte die Beziehung auf, wurde dennoch trotz gerichtlicher Weisungen verfolgt, mit einer Waffe bedroht, geschlagen und am Hals gewürgt. Die junge Frau hatte zuvor ihren Partner ernährt, seinen Lebensunterhalt finanziert. Ein Mensch, der forderte und immer unberechenbarer wurde. Er scherte sich auch nichts um Anordnungen und Geldbußen. Inzwischen sind im Prozess mehrere Dutzend Zeugen vernommen und befragt worden. Daraus ergab sich: An den drei von dem heute 45-Jährigen am 31. Mai 2016 in Maxhütte-Haidhof abgefeuerten Pistolenschüssen auf seine neue Partnerin bestehen keinerlei Zweifel. Über seinen Anwalt Martin Gelbricht ließ der Angeklagte unter diesem Druck eine Erklärung abgeben. Darin wurde das Verbrechen zugegeben. Allerdings mit den Einschränkungen: "Er kam damals ohne die Waffe in die Wohnung an der Imigstraße und er ging auch davon aus, dass die Verletzungen nicht tödlich seien." Erst als ihn auf der Flucht Polizeifahrzeuge verfolgten, habe der Mann registriert, "dass es wohl schlimmer war". Dann folgten die Sätze: "Mein Mandant übernimmt die volle Verantwortung. Er entschuldigt sich bei der Familie des Opfers und bei seiner eigenen Familie."

Ziemlich spektakulär

Die Verfolgungsjagd am späten Vormittag des 31. Mai letzten Jahres dürfte zu den spektakulärsten Polizeimaßnahmen der oberpfälzischen Nachkriegsgeschichte gezählt haben. Acht daran beteiligte Beamte berichteten dem Schwurgericht und offenbarten: Es ging zu wie in einem Fernsehkrimi.

Der mutmaßliche Täter hatte nach dem Verbrechen in Nittenau vier Dosen Bier gekauft. Er fuhr mit seinem Kleinwagen in Richtung Neunburg vorm Wald und fiel dort Uniformierten auf. Sie setzten zur Verfolgung an und erhielten innerhalb kurzer Zeit Unterstützung durch 15 aus dem ganzen Regierungsbezirk herbeigeholte Funkfahrzeuge. Die Karawane kam bis Rötz, dann begab sie sich (Ein Beamter: "Mal mit hohem und dann wieder mit gemäßigtem Tempo") zurück an die Neunburger Stadtgrenze und von da ab ins acht Kilometer entfernte Thanstein. Dort geriet der Kleinwagen auf regennasser Straße ins Schleudern, überschlug sich und blieb als Wrack stehen.

Den wegen eines Tötungsdeliktes gesuchten Fahrer nahmen Uniformierte sofort fest. Er hatte zuvor leer getrunkene Bierdosen aus dem Autofenster geworfen und führte eine Vielzahl von Patronen bei sich. Die Tatwaffe, eine russische Tokarev-Pistole, lag unter ihm auf dem Fahrersitz. Sie war geladen, der Hahn gespannt. "Er hätte also", stellte die Gerichtsvorsitzende Roswitha Stöber fest, "nur noch abdrücken müssen." Der Prozess wird am 5. Juli fortgesetzt. (Hintergrund)

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