15.02.2017 - 17:02 Uhr
Oberpfalz

Angespannte Lage in der Oberpfalz Grippewelle auf Höhepunkt

So heftig wie selten wütet derzeit die Grippe in Bayern. Ende vergangener Woche hatte die Virus-Influenza im Freistaat bereits 18 Todesfälle gefordert. Auch in der Oberpfalz ist die Lage angespannt.

Das Medikament "Tamiflu" ist das einzige echte "Grippemittel" und dennoch nur eingeschränkt wirksam. Bild: dpa
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Amberg/Weiden. In den ersten 5 Wochen des neuen Jahres verzeichnete der Bezirk 792 gemeldete Grippefälle. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 99. Dutzende Meldungen gingen derzeit täglich im Gesundheitsamt Amberg ein, bestätigte dessen Leiter Dr. Roland Brey am Dienstag. "Wir haben bislang rund 500 Grippefälle, davon wurde ein Drittel der Patienten stationär behandelt." Erfahrungsgemäß werde jedoch nur ein Bruchteil der tatsächlichen Erkrankungen im Labor nachgewiesen und dem Amt gemeldet.

Tatsächlich, so Dr. Brey, müsse man daher mit Tausenden Influenza-Patienten allein im Landkreis Amberg-Sulzbach sowie in der Stadt Amberg rechnen. Die angespannte Lage zeigte sich auch am Klinikum St. Marien - vergangene Woche geriet es aufgrund der zahlreichen Grippefälle an seine Kapazitätsgrenzen und musste bereits Patienten abweisen. Auch im Klinikum Weiden hat sich das Arbeitsaufkommen deutlich erhöht. Es müssten mehr Patienten mit nachgewiesener Influenza und Atemwegsproblemen beziehungsweise einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes aufgenommen werden als in einer normalen Saison, heißt es.

Respektabler Wert

Im Bereich des Gesundheitsamtes Weiden/Neustadt wurden vergangene Woche 91 Grippefälle neu gemeldet, in der laufenden Saison kommt man auf insgesamt 293. "Das ist ein durchaus respektabler Wert", bestätigt Dr. Thomas Holtmeier, der Leiter des Gesundheitsamtes: "Wir erleben schon eine relativ intensive Saison." Eine Prognose, wann die Erkrankungswelle ihren Scheitelpunkt überschritten habe, gestalte sich schwierig. "In ein, zwei Wochen könnten wir aber den Höhepunkt erreicht haben", vermutet Holtmeier. Wer die Influenza bereits hinter sich gebracht habe, sei gegen den aktuellen Erreger immun. Dies bremse die Dynamik der Ausbreitung. "Insofern ist eine Grippewelle ein selbst-limitierendes Geschehen."

Das Gesundheitsamt des Landkreises Tirschenreuth bestätigte ebenfalls eine höhere Erkrankungsrate. "Es scheint mehr zu sein als im Vorjahr", sagt stellvertretender Abteilungsleiter Stefan Geyer. "Es ist wohl auch etwas eher losgegangen als 2015." Für den Kreis Schwandorf hält Gesundheitsamtsleiter Dr. Maximilian Kühnel fest: "Wir haben immer noch hohe Fallzahlen, es sind deutlich mehr als im Vorjahr." Insgesamt seien 540 Influenza-Fälle gemeldet. "Wir sind auf jeden Fall mit bei den Hotspots."

Tückisch an der Influenza: Es gibt nach wie vor keine ursächliche Therapie gegen die Viruserkrankung. "Die Ärzte behandeln vor allem die Symptome", sagt Dr. Brey. Das Präparat "Tamiflu" soll zwar die Vermehrung von Grippeviren im Körper verhindern, seine Wirksamkeit bleibt allerdings umstritten. "Außerdem ist das Mittel sehr teuer und muss frühzeitig verabreicht werden, am besten innerhalb von 48 Stunden nach Erkrankungsbeginn." Tamiflu werde von Hausärzten nur selten verschrieben und komme hauptsächlich in der stationären Behandlung von Grippepatienten zum Einsatz.

Fatale Folgen

Die Folgen einer schweren Grippe können auch im 21. Jahrhundert noch tödlich sein. "In Amberg sind wir ziemlich sicher, dass wir einen Todesfall durch Influenza haben", sagt Brey. Hinzu komme die sogenannte ,Übersterblichkeit', die allerdings nur nachträglich statistisch zu ermitteln sei: "Viele Menschen wären eben noch nicht so früh gestorben, wenn sie nicht eine Grippe hätten durchmachen müssen." Dies betreffe vor allem hochbetagte Patienten.

In Amberg sind wir ziemlich sicher, dass wir einen Todesfall durch Influenza haben.Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes in Amberg

Vorbeugung die Hauptsache

Vor der gefürchteten Virusgrippe gibt es keinen zuverlässigen Schutz. Zwar wird jedes Jahr eine vorbeugende Impfung angeboten, diese gewährt jedoch keine hundertprozentige Sicherheit.

Denn der Grippe-Erreger verändert sich ständig, der Impfstoff aber muss schon Monate vor der nächsten Grippewelle produziert werden. Wie der Virus der kommenden Saison genau beschaffen sein wird, ist daher reine Spekulation und kann nur annäherungsweise bestimmt werden.

Trotzdem empfehlen Experten vor allem bestimmten Risikogruppen, rechtzeitig die Grippe-Schutzimpfung wahrzunehmen. "Momentan lassen sich jeweils nur rund 30 Prozent der Menschen impfen", sagt Dr. Roland Brey, der Leiter des Gesundheitsamtes in Amberg. "Wünschenswert wären jedoch 60 Prozent." Denn selbst, wenn der Impfstoff wie heuer "eher suboptimal" ausfalle, begrenze er doch den Schaden: "Wer jährlich zur Grippe-Schutzimpfung geht, baut allgemein bessere Abwehrkräfte auf." Unter den aktuell gemeldeten Grippefällen im Bereich Amberg/Sulzbach seien beispielsweise nur zwei geimpfte Personen.

Senioren ab 65 Jahren, Hochbetagten, chronisch Kranken und Schwangeren legt der Arzt die Impfung besonders ans Herz. Vor allem Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetiker sowie Patienten mit geschwächter Immunabwehr sollten einer Influenza-Infektion vorbeugen und sich schon bei allerersten grippeähnlichen Symptomen bei ihrem Hausarzt melden.

Außerhalb der Sprechstunden sollte der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 kontaktiert werden. Von einer spontanen Fahrt ins nächste Krankenhaus rät Dr. Brey hingegen ab: "Die Notaufnahmen sind sonst schnell überlastet."

Zusätzlich zur Impfung können einfache Verhaltensregeln die Ausbreitung der Grippeviren einschränken und die Gefahr einer Ansteckung verringern. So sollte man öfter und mindestens 30 Sekunden lang gründlich die Hände mit Wasser und Seife reinigen, ausschließlich Papiertaschentücher benutzen und diese anschließend sicher entsorgen sowie statt in die Hand in den Ärmel husten beziehungsweise niesen.

Menschenansammlungen sollten gemieden werden, gleiches gilt für den Händedruck zur Begrüßung. "Mit dem Ratschlag, in Grippezeiten aufs Händeschütteln zu verzichten, stößt man allerdings schnell an kulturelle Grenzen", räumt Mediziner Brey ein. (m)

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