Angst vor Altersarmut wächst
Jeder seiner Rente Schmied

Sie beschäftigten sich mit dem Thema "Wir werden älter - Werden wir auch ärmer?". Von links: Josef Kresse-del Bondio von der Deutschen Rentenversicherung, Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger, Moderator Dr. Claudia Schlembach von der Hanns-Seidel-Stiftung und Referent Prof. Dr. Thomas Dommermuth. Bild: usc

Das Schlagwort Altersarmut beschäftigt die Gesellschaft. Die Hanns-Seidel-Stiftung nahm dies zum Anlass, das Thema "Wir werden älter - Werden wir auch ärmer?" bei einer Veranstaltung im ACC zu vertiefen.

Amberg. (usc) "Eine Rentenglücksformel gibt es nicht." Stiftungs-Referatsleiterin Dr. Claudia Schlembach brachte es am Ende auf den Punkt. Einig waren sich die Teilnehmer, dass die gesetzliche Rentenversicherung flankiert werden muss, eine private und/oder betriebliche Vorsorge unerlässlich und sinnvoll ist. Aber kann sich jeder eine zusätzliche Altersversorgung finanziell leisten? Panik sei mit Blick in die Zukunft nicht angebracht, die Situation aber ernst.

Jeder Sechste arm

Ausgangspunkt war die Tatsache, dass jeder sechste Rentner von Altersarmut betroffen ist. Tendenz steigend. Laut Stiftung sind vor allem Alleinstehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. Zunehmend werde aber auch deutlich, dass selbst Besserverdienende kämpfen müssen, im Alter würdevoll leben zu können.

Mit Professor Dr. Thomas Dommermuth hatte die Stiftung einen ausgewiesenen Fachmann eingeladen. Er ist Hochschullehrer an der OTH Amberg-Weiden, Steuerberater und Vorsitzender des Beirats des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. Er veranschaulichte die Rahmenbedingungen mit einem Vergleich. Kamen 1962 sechs Beitragszahler auf einen Altersrentenbezieher, so waren es 2012 nur noch zwei. 2050, so schätzte der Referent, könnte das Verhältnis 1:1 sein. Gleichzeitig stieg seit 1960 die durchschnittliche Rentenbezugsdauer, die bei Frauen (knapp 22 Jahre) höher als bei den Männern (knapp 19 Jahre) ist.

Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen den deutlichen Anstieg der Altersarmut, gemessen an der Anzahl der Empfänger von Grundsicherung. 2015 waren es 1,05 Millionen Menschen. Dommermuth widersprach der vom WDR verbreiteten Prognose, dass 2030 jeder zweite Neurentner Grundsicherung beziehen müsse. Diese Aussage nannte Dommermuth unseriös. Der Referent bezeichnete die Studie als Panikmache, sah aber im Anstieg der Grundsicherung ein gravierendes Problem.

Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband liegt der durchschnittliche Anspruch auf Grundsicherung bei 780 Euro. Das bedeutet, dass heute schon 14,4 Prozent der über 65-Jährigen als arm gelten. Daher komme künftig der Förderung der betrieblichen Altersversorgung große Bedeutung zu.

Und dann noch Steuer

Noch ein Vergleich: Betrug die gesetzliche Rente im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen 1990 noch 55 Prozent, sank sie 2015 auf 48. Im Jahr 2030 dürfte sie nur noch 43 Prozent betragen. Davon abzuziehen sind allerdings von Fall zu Fall Steuer, Kranken- und Pflegeversicherung. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer 2015 im Schnitt 1040 Euro nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung. Frauen erhielten 580 Euro.

So könnte es weitergehenThomas Dommermuth machte im ACC diese Rechnung auf: Eine heute 40-jährige ledige, konfessions- und kinderlose Person mit einem Jahreseinkommen von 36 267 Euro werde nur über eine Rente von 1356 Euro verfügen. Allein die Miete von heute 700 Euro werde dann bei 1150 Euro liegen. Selbst mit Sparvermögen sei die Versorgungslücke nicht zu schließen, obwohl die Beispielperson 47 Beitragsjahre aufweist. Eine staatliche Förderung sei unausweichlich. Die geplante Gesetzesänderung werde die Rahmenbedingungen ab 2018 verbessern. Jedoch sieht Dommermuth Nachbesserungsbedarf. In der Gesprächsrunde unterstrich die CSU-Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger die Notwendigkeit, gerade Mütter vor Altersarmut zu schützen: "Viele junge Frauen setzen leider nicht auf Vorsorge für eine auskömmliche Rente, sondern nehmen lieber Minijobs an." Josef Kresse-del Bondio von der Rentenversicherung zeigte sich davon überzeugt, dass die klassische Rentenversicherung die tragende Säule bleiben wird. (usc)
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