21.12.2017 - 20:32 Uhr
Oberpfalz

Anklage in Amberg Mordversuch mit Traktor?

Es könnte ein langer Prozess werden. Denn zu klären ist, wie es in diesem Jahr kurz vor Ostern zu einer spektakulären Verfolgungsjagd bei Brensdorf kam. Hauptdarsteller: ein Landwirt mit seinem Traktor.

Auf einer Wiese bei Wölsendorf (Kreis Schwandorf) endete die Verfolgungsjagd. Archivbild: bk-media
von Autor HOUProfil

Schwandorf/Amberg. Als Beschuldigter gilt ein 46-jähriger Landwirt, dem die Amberger Staatsanwaltschaft in einer vor wenigen Tagen geschriebenen Anklageschrift Mordversuche an zwei Polizeibeamten vorwirft.

Der Bauer aus der Gemeinde Schwarzach bei Nabburg, als Alkoholkonsument bekannt, war zunächst von zwei Uniformierten auf ein totes Tier angesprochen worden. Dann schwang er sich auf seine Zugmaschine. Danach begann eine Verfolgungstour, die sich über Kilometer hinzog. In einer ersten Stellungnahme hatte seinerzeit ein Polizeisprecher mitgeteilt, es seien "mehrere Schüsse" auf das Fluchtfahrzeug abgegeben worden.

Fast zwei Dutzend Mal aus Dienstwaffen gefeuert

So, wie es jetzt aussieht, wurde insgesamt fast zwei Dutzend Mal aus "Heckler & Koch"-Dienstwaffen gefeuert. Eines der Projektile traf den auf Anhalteversuche nicht reagierenden Landwirt in den Oberschenkel. An der Aktion waren zum Schluss sechs Funkstreifenfahrzeuge beteiligt. Mordversuche sieht die Ermittlungsbehöde nun offenbar darin, dass die Frontladerschaufel des Traktors angeblich nur knapp an zwei sich nähernden Uniformierten vorbeischrammte.

Der allein lebende Mann sitzt seit April in U-Haft. Er wird sich weiter gedulden müssen. Denn die Anklageschrift liegt bei der Ersten Strafkammer des Landgerichts, die ihre Termine bereits weit voraus geplant hat. Als wahrscheinlich gilt, dass erst im zweiten Quartal 2018 verhandelt werden kann.

Dann allerdings muss sich herausstellen: War ein Einsatz in dieser Dimension zweckmäßig? Weshalb wurden so viele Schüsse abgefeuert? Und: Welche Gefahrenlage bestand für die Allgemeinheit? Der Amberger Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier bejaht eine gefährliche Situation. "Die Flucht musste unterbunden werden", sagt er.

Ähnlicher Fall in den 1970er Jahren

Ein ähnlicher Fall hatte sich während der 1970er Jahre ebenfalls im Raum Nabburg abgespielt. Damals hatte ein allein mit seinem geistig behinderten Bruder auf einem Bauernhof lebender Landwirt mit Gewehrschüssen reagiert, als ihm eine amtliche Botschaft überbracht werden sollte. Landpolizisten erwiderten das Feuer. Dem Mann gelang die Flucht aus dem verwahrlosten Gehöft und nahm seinen Bruder mit auf eine Tour im Auto. Dabei wurde das Fahrzeug massiv aus Pistolen vom Typ "Walther ppk" beschossen. Nach seiner Festnahme kam der Bauer ins Bezirkskrankenhaus, wurde längere Zeit später überraschend von dort entlassen und kehrte zurück auf sein verlassenes Anwesen. Nicht lange danach fand man ihn. Er hatte sich mit einem Bolzenschussapparat getötet.

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