13.04.2018 - 16:04 Uhr
Oberpfalz

Archäologe Mathias Hensch zieht Schlussstrich Es ist zu Ende gegraben

Es ist ausgegraben. Oder besser: Er hat ausgegraben. Aber vielleicht doch noch nicht ganz. Denn Archäologe Mathias Hensch will noch zwei kleinere Flächen auf dem Bürgerspitalgelände untersuchen, bevor er endgültig einen Schlussstrich unter diese Maßnahme zieht.

Eine letzte Bilanz. Archäologe Mathias Hensch (links) erläutert Stadtplanerin Elisa Puchner und Baureferent Markus Kühne, was sein Team zuletzt ausgegraben hat. Jetzt müssen die Funde ordentlich aufbereitet werden. Bild: Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Ganz offiziell war die Grabungskampagne für das Areal zwischen Bahnhofstraße und Spitalgraben, das über kurz oder lang überbaut und mit einer Tiefgarage versehen werden soll, am Freitag beendet. Mathias Hensch ließ es sich nicht nehmen, aus diesem Grund den Baureferenten Markus Kühne und Stadtplanerin Elisa Puchner auf die Grabungsstelle einzuladen und sie auf den aktuellen Stand zu bringen - denn es gab natürlich auch Neuigkeiten zu verkünden.

Doch was hat die Grabung, die sich über eineinhalb Jahre hingezogen hat, jetzt konkret gebracht? "Wir haben hier erstmals Einblick in die Gründung von Amberg erhalten", sagt Mathias Hensch. Immerhin hat er mit seinem Team vom Keltengrab über die Reste des ehemaligen Herrscherhofs bis hin zum Pestfriedhof wichtige Marksteine der Amberger Stadtgeschichte ans Tageslicht gefördert - und die Amberger auch an diesen Funden teilhaben lassen.

Ein Glücksfall

"Es war ein Glücksfall für die Bodendenkmalpflege", so sagt er. "Unsere DNA ist schließlich die Geschichte", pflichtet ihm der Baureferent gerne bei. Der ausdrücklich noch einmal betont, dass die Grabungen auf dem Gelände überhaupt nichts aufhalten oder behindern. Denn aktuell läuft ohnehin die zweite öffentliche Auslegung für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan - man müsse einfach mal abwarten, was hier an Vorschlägen und Einwänden noch komme. Die archäologische Befundung jedenfalls habe die Maßnahme nicht eingeschränkt oder aufgehalten.

Von daher kann sich auch Mathias Hensch nicht beschweren. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt Amberg hat immer hervorragend geklappt", lobt er die Kooperationsbereitschaft der Verwaltung. Und vergisst selbstverständlich den Stadtrat nicht, der ja ursprünglich eine dreiwöchige Grabung mit wenig Personal erwartete und dann eine sehr große Kampagne finanzieren musste.

Letztendlich muss jetzt noch entschieden werden, ob für zwei kleinere Flächen auf dem Areal die finanziellen und zeitlichen Ressourcen vorhanden sind, um diese auch noch zu untersuchen. Mathias Hensch wäre vor allem eine davon sehr wichtig, weil er hier angrenzend zuletzt noch einmal Überreste des früh- oder hochmittelalterlichen Herrschersitzes gefunden hat.

Und einen hochinteressanten Toten, der hier sehr tief unter dem heutigen Bodenniveau liegt. Einstmals war er wohl nur sehr flach beerdigt worden, die Arme seitlich an den Körper angelegt, was auf eine sehr frühe Bestattungszeit hinweist. Der Mann war schmächtig, wohl um die 30 Jahre alt und hatte seine Knochen und Gelenke nur sehr wenig abgenutzt. "Er musste wohl sehr wenig arbeiten", vermutet Hensch einen Zusammenhang mit dem herrschaftlichen Saalbau, den er nebenan entdeckt hat.

Mann mit Zahnschmerzen

Es war wohl ein vornehmer Mann, der hier liegt. Aber ein Mann mit furchtbaren Zahnschmerzen. Denn der Oberkiefer ist zum Teil von einer Entzündung zerfressen, die ihm wohl zumindest eine Zeitlang Probleme bereitet haben dürfte. Allerdings zeigen die glatten Wundränder an, dass irgendwann eine Abheilung erfolgte. "Wir haben hier den Nachweis der romanischen Steinbebauung aus der Zeit vor der Stadterweiterung", fasst Mathias Hensch zusammen.

Der sich sicher ist, dass sich diese archäologischen Befunde auch in die heutige Bahnhofstraße hineinziehen werden. "Ich denke, es hat auch eine Umfriedung gegeben." Was genau dort noch liegt, wird sich zeigen. Denn sollte tatsächlich in der Bahnhofstraße eine Tiefgarageneinfahrt entstehen, wird wieder eine Ausgrabung vorgeschaltet werden müssen. Mathias Hensch würde diese Aufgabe natürlich sehr gerne übernehmen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp