Auch ohne Wählerstimmen Stadträte überstimmt
Graziano stört Sitzung

Graziano Facchini aus Bozen (Südtirol) sitzt nicht im Stadtrat. Seine Stimme hatte am Montagabend im Rathaus teilweise dennoch mehr Gewicht als die von Oberbürgermeister Michael Cerny. Bild: Steinbacher

Stimmgewaltige Konkurrenz entstand den Sprechern im Stadtrat am Montag durch Schlagersänger Graziano, der auf dem Weihnachtsmarkt auftrat und die Begeisterung seiner Zuhörer offensichtlich als Motivation nahm, seine Kunst besonders laut zu präsentieren. Mit elektronischer Unterstützung war es dem Italiener jedenfalls ein Leichtes, durch geschlossene Türen und Fenster hindurch die Reden und Wortmeldungen im Stadtrat zu übertönen. Die Mitglieder des Gremiums reagierten mit Augenrollen oder Späßchen, wenn etwa bei "Volare" der Stimmakrobat mit besonderer Wucht die Beratungen störte.

Baureferent Markus Kühne lächelte diese Musik-Attacken während seiner Ausführungen noch weg, andere sahen sich genötigt, ihre eigenen Stimmen zu erheben, um sich vom Sänger nicht unterkriegen zu lassen. Während die Stimmung vor der Bühne offensichtlich immer besser wurde, verdüsterte sich die im Rathaussaal angesichts der Notwendigkeit, laut zu werden, immer mehr. Oberbürgermeister Michael Cerny mahnte schließlich: "Wir sollten auch nicht angesichts der Musik geneigt sein, aggressiv zu werden." Das brachte ihm spontanen Applaus und offensichtlich auch etwas Glück: Als er zu seiner Jahresabschlussrede antrat, war Graziano gerade fertig geworden. (ll)
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