Auftakt zu den 25. Schultheatertagen
Bühnen-Häppchen zum Festival

"Himmel und Hölle": Das EG steht voll im Gestus eines humanistischen Gymnasiums mit Inszenierungselementen der klassischen Tragödie auf der Bühne. So ernst bleibt es aber nicht. Bilder: kge
 
Ein deutscher Ur-Klassiker neu interpretiert: Goethes "Faust", bearbeitet von FOS/BOS-Schülern als "Der Tragödie neuester Streich".

Ganz ohne Jubiläums-Hudelei gehen die Amberger Schultheatertage in die 25. Runde. Die szenischen Appetitmacher wurden am Freitag gereicht.

"Wir wollen euch nicht zu viel verraten, sondern euch lieber am EG erwarten." Im Sprechchor beendete die Theatergruppe der Mittel-/Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums (EG) mit diesem Satz ihre Bühnenkostprobe. Damit stand dieser Appel für alle neun "Möglichkeiten zum Reinschnuppern", wie Oberbürgermeister Michael Cerny den szenischen Auftakt der Schultheatertage am Freitagabend im Stadttheater beschrieb.

Lust auf mehr machten die Akteure mit dem kurzen Anspielen von Sequenzen und ergänzenden Exposés zu den Stücken, die sie in den nächsten Wochen an ihren Schulen zeigen werden. Bereits seit 25 Jahren gibt es dieses lokale Schülertheater-Festival in Zusammenarbeit mit der Stadt. "Meine eigene Theatererfahrung hatte ich in einem Stück von Tolstoi. Als Junge, der einen Apfel klaut und dafür eine Watschn erntet. Das waren schmerzhafte Proben." Mit dieser launigen Anekdote aus seinen Jugendzeiten gab Cerny den Startschuss für diesen durchweg humorvollen und ansprechenden Abend, den das Gregor-Mendel-Gymnasium (GMG) mit sogar vier Beiträgen von der Unter-, über die Mittel- bis zur Oberstufe gestaltete.

Die Jüngsten schickte man dabei als erstes auf die Bretter, die in "Nur 'ne Handvoll Tausender" super lustig von drei durchgeknallten alte Ladies erzählen, die einen Sack mit Geld als Katze betiteln. Die Größeren ließen das Publikum anschließend in "Zehn Dinge, die ich an dir hasse!" linsen, in dem es um nervige und coole Teenager geht, die mit ihren jeweiligen Charaktereigenschaften die anderen auf die Palme bringen.

"Krallen sie sich an ihren Sitzen fest und halten sie die Hände ihrer Nachbarn" wurden die Zuschauer aufgefordert, bevor das Gespenst von Canterville schaurig schön stöhnte oder mit seinen Ketten rasselte. Die Truppe des Max-Reger-Gymnasiums (MRG) hat sich nach England in das Schloss von Lord Canterville begeben, der es aufgrund der Spukerei für nur 50 000 Pfund an Amerikaner verkauft hat. In dieser Familie wird der aktive Geist mit seinen haarsträubenden Auftritten allerdings nur von der einen Tochter ernst genommen und was den neuen Besitzern so alles blüht, erfährt man erst bei der ganzen Aufführung.

Luzifer auf Seelenfang

Luzifers Bande will in "Himmel und Hölle" auf Seelenfang gehen und muss sich dabei gegen das Gute behaupten. Frei nach dem Filmklassiker "Das Leben des Brian" haben sich die Schüler des EG in einer Persiflage mit religiösen Themen beschäftigt. "Doof gelaufen" sagt schon im Titel, was alles blödes passieren kann, wenn in einer WG völlig unterschiedliche Mitbewohner ihre Marotten ausleben. Ganz aus Versehen muss da sogar der Pizzabote dran glauben. Mit einem Blick auf den Erschossenen - "der war eh kein Italiener" - erntete auch der dritte Beitrag des GMG viele Lacher.

Szenische Einblicke

Am MRG gibt es ebenfalls jede Menge begeisterte Schauspieler und so nahm sich das zweite Ensemble "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen als Vorlage. Die jungen Leute skizzierten mit einem witzigen Gesamteindruck ihre Darbietung, machten dadurch Lust auf die komplette Fassung. Jeden Tag im Körper eines anderen Menschen zu leben kann aufregend oder beschwerlich sein. "Heute bin ich du!", heißt es noch einmal am GMG und auch hier wurde nur durch eine kurze Sequenz Neugier geweckt.

Wesentlich ausführlicher gaben sich die Damen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (DJD) mit ihrem Theaterstück "Alles wahr. Echt." Überzeugend setzt sich diese Inszenierung mit der Beeinflussung von Meinungen durch mediale Lügenkonstrukte auseinander. Die rhetorischen Meisterleistung der Rednerin suggerierte gar, dass sich im Zuschauerraum Tausende Menschen befunden hätten.

Es gibt einen Urururenkel vom Heinrich aus Goethes Faust, der ist heute frustrierter Lehrer und hat sich in eine unnahbare Kollegin verguckt, die er mit Mephistos Hilfe für sich gewinnen will. Leider nippt nicht sie am Liebestrank, sondern der Sportlehrer, und so hat er nun die falsche Person an der Backe. Mit der Fortsetzung des Klassikers "Faust - Der Tragödie neuester Streich" lädt die Gruppe der Staatlichen Fachober-/Berufsoberschule (FOS/BOS) zu ihrer Komödie ein und hat bereits mit der kurzen Kostprobe das Publikum begeistert.

Zum Abschluss des Abends holte Thomas Boss alle Spielleiter nach vorne, um sie zu ehren. Mit "sie haben heute ihren letzten Tag," brachte er Peter Seidl vom Erasmus dazu zu rufen "na, hoffentlich nicht! Ich hab doch bloß als Schulleiter aufgehört!" und alle anderen herzlichst zum Lachen.
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