19.07.2017 - 11:28 Uhr
Oberpfalz

Aus altem Lazarett und Leprosenhaus wird neues Wohnen: Siechendes Stiefkind soll strahlen

Der Name klang schon immer nach Armut und Krankheit: So sah das Leprosenhaus bis zuletzt auch aus: armselig und krank. Das ändert sich jetzt. Das 500 Jahre alte Gebäude an der Katharinenfriedhofstraße wird generalsaniert. Aus einst traurigem Leben auf niederer Stufe wird gehobenes Wohnen, historisch geprägt.

Auch wenn das Leprosenhaus bis zuletzt nicht unbewohnt war, wirkt seine Generalsanierung wie die Erweckung aus einem Dornröschenschlaf. Tatsächlich rankte sich um seine Nutzung mit Obdachlosen eine Hecke des Vergessens, die Bauingenieur Horst Kraus (Bild) und der neue Eigentümer jetzt lüften.
von Thomas Amann Kontakt Profil

So nennt das der Amberger Bauingenieur Horst Kraus, der das Projekt betreut. Entwickelt hatte er es ursprünglich schon 2012, nachdem die Bürgerspitalstiftung das Haus verkauft hatte. Dem damaligen Erwerber dauerte jedoch die nicht ganz einfache Genehmigungsphase zu lange, so dass das Objekt wieder veräußert wurde.

Obdach und Wärmestube

Doch auch der neue Eigentümer verfolgt Kraus' Planung weiter und ist überzeugt von dem pfiffigen Konzept mit sechs Appartements und Wohnungen in Größen zwischen 27 und 110 Quadratmeter, die übrigens alle vermietet und nicht verkauft werden sollen. Die Bauarbeiten dauern zwar noch bis Frühjahr 2018, haben aber bereits ein Stadium erreicht, in dem man die Schönheit des historischen Objekts sieht. Endlich, sagt Horst Kraus, denn tatsächlich war das Leprosenhaus jahrzehnte-, ja gar jahrhundertelang ein echtes Stiefkind. Bis zum Verkauf 2012 fanden hier immer wieder Menschen Unterschlupf, die kein (anderes) Obdach hatten. Neben ihnen war im Erdgeschoss außerdem lange Zeit die städtische Wärmestube untergebracht. Tatsächlich eine Durchgangsstation auch für Obdachlose aus anderen Orten.

"Traurige Schicksale", sagt der Ammersrichter Bauingenieur, der einige davon kennengelernt hat, als es um die Räumung des Hauses ging. Für eine Brotzeit halfen einige Bewohner gerne mit, was glatt nötig war, denn es gab erst mal eine Menge Unrat zu beseitigen. Der Dachboden und viele andere Räume in den drei Geschoßen waren laut Kraus so "vermüllt", dass es samt dem auszubauenden Material 40 Container brauchte, um alles zu entsorgen.

Historischer Charme bleibt

14 Menschen hatten hier laut Kraus zuletzt gelebt, die meisten in Einzelzimmern, die mit mehr provisorisch als professionell gebauten Zwischenmauern entsprechend kleine Räume hatten. Von den hygienischen Zuständen in Toiletten und Bädern ganz abgesehen - laut Kraus stammten die Sanitäranlagen mindestens aus den 1960er- oder 70er-Jahren und waren marode.

All das, auch die ergänzte kleinteilige Raumaufteilung wurde nun bei der Generalsanierung herausgerissen. Erhalten bleiben im Grunde nur historische Mauern, Decken und Gebälk, von dem es im ganzen Haus eine Menge gibt. Gerade die vielen Holzteile und -verstrebungen sollen den Wohnungen und Fluren besonderen Charme geben.

Etliche Putz- und Mauerstücke aus der Gründungszeit will Kraus ebenfalls erhalten, damit der historische Charakter des Hauses nicht nur von außen, sondern auch innen sichtbar bleibt.

Die ursprünglich einmal angedachte Nutzung mit Studentenwohnungen wegen der Nähe zur OTH war dem Landesamt für Denkmalpflege übrigens "zu intensiv", informierte Kraus. Die nun gewählte Variante mit Appartements und nur einer großen Wohnung im zweiten Stock gefällt besser. Rund eine Million Euro investiert der Eigentümer dafür.

Hintergrund

Vermutlich um 1370, als St. Katharina gestiftet wurde, entstand in der Nähe der Kirche das erste Leprosenhaus. Es wurde als Siechenhaus für kranke ("lepröse") Frauen genutzt, die der damalige Magistrat bewusst nicht innerhalb der Stadtmauern haben wollte. Anstatt sich um diese Menschen zu kümmern, die wohl eher Tuberkulose und andere Krankheiten hatten als Lepra, überließ man sie sich selbst. Gelegen am Hauptverkehrsweg nach Nürnberg konnten die Frauen nur überleben, indem sie Händler und Reisende anbettelten. Später, um 1522, entstand wohl der heutige Bau, der lange Zeit als Soldatenlazarett diente - mit allerdings ähnlich verheerenden hygienischen Verhältnissen. Auch der Katharinenfriedhof entwickelte sich durch diese Nutzung plus Kirche an dieser Stelle.

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