08.09.2017 - 00:50 Uhr
Oberpfalz

Ausbildung zum Goldschmied: Was So nicht im Berufsdatenblatt steht... Leidenschaft muss wachsen können

Es ist Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Und das am besten gleich zu Anfang: Goldschmied sein, das bedeutet nicht, den ganzen Tag umgeben von glitzernden und funkelnden Dingen zu verbringen und - simsalabim - liegt da dann auf einmal ein wunderbares Stück auf dem Tisch.

Voller Krafteinsatz statt filigraner Kleinarbeit. Sebastian von der Recke zeigt: Ein Goldschmied muss auch mal kräftig zupacken können. Bild: mia
von Azubi 2018Profil

Goldschmieden - das ist Handwerk. Das ist mitunter körperlich anstrengend, es ist schmutzig und es bringt auch nicht immer die großen Reichtümer. Aber...

Wenn nach Tagen, vielleicht Wochen der intensiven Arbeit ein ganz besonders Schmuckstück der Kategorie "Das muss ich jetzt einfach machen" endlich fertig ist, dann bringt das schon ein wunderbares Hochgefühl.

Überhaupt: Die Möglichkeit, eigene Ideen durchdenken, umsetzen und dann in der Hand halten zu können - dieser kreative, künstlerische Aspekt des Berufs ist ein ganz wunderbarer, findet Sebastian von der Recke, Inhaber der gleichnamigen Meistergoldschmiede. Im Interview erzählt er, worauf es vor, während und nach der Ausbildung zum Goldschmied ankommt.

Das liebe Geld

220 Euro im ersten Lehrjahr, 850 oder 975? Beim Browsen durch die verschiedensten Berufsseiten im Internet finden sich die verschiedensten Angaben rund um den Verdienst. Was stimmt da?

Sebastian von der Recke: "Man sieht schon - es gibt in diesem Bereich keine Tarifbindung. Jeder Betrieb zahlt, was er für richtig hält - mit der Gefahr, dass manche Unternehmen leider ihre Azubis als billige Hilfskräfte einsetzen. Generell verdient man in diesem Handwerk nicht unbedingt viel - es sei denn, man geht in die Industrie."

Die Sache mit dem Dreck

Klinisch sauber wie in der Elektronik-Industrie oder der Apotheke geht es nicht zu in einer Goldschmiede-Werkstatt. Das muss jedem klar sein, der das Handwerk erlernen möchte.

Sebastian von der Recke: "Als Goldschmied muss man sich auch die Hände schmutzig machen. Außerdem stellt sich immer die Frage nach der Verträglichkeit der Materialien - wir arbeiten schließlich auch mit Chemikalien, mit Säuren und verschiedenen Giften. Azubis sollten daher schon eine gewisse Robustheit mitbringen."

Und übrigens, Mädels, modischer Schnickschnack wie lange, modellierte Fingernägel - das geht in einer Goldschmiede gar nicht. Damit würden Arbeiten wie Feilen, Schleifen, Pressen und der Umgang mit nur wenige Millimeter großen Werkstücken einfach nicht funktionieren.

Was so keiner gesagt hat

Einen planbaren Beruf mit festen Arbeitszeiten - das gibt es für Goldschmiede nicht immer.

Sebastian von der Recke: "Goldschmied, das ist kein Nine-to-Five-Job. Gerade zu gewissen Zeiten wie während der Saison im November und Dezember, da kann es schon mal bis hinein in die Nacht, gegebenenfalls auch in die späte Nacht, dauern..."

Die Voraussetzungen

Welche Eigenschaften sollte ein angehender Azubi zum Goldschmied idealerweise mitbringen?

Sebstian von der Recke: "Es braucht auf jeden Fall eine gewisse örtliche Unabhängigkeit, denn beispielsweise sind die Berufsschulen in Würzburg und München. Wenn dann aber jemand unbedingt in der Heimatstadt eine Ausbildung machen und später nur dort arbeiten will, dann wird's schwierig..."

Damit ist es aber noch nicht getan. Unbedingt sollte einem angehenden Goldschmied auch die Freude an der Handarbeit gegeben sein und ein starker Wille, die dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung anzugehen und durchzuziehen.

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