02.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Berufungsprozess wegen Falschaussage - Urteil des Amtsgericht bestätigt JVA ist ein "offener Drogenladen"

Er vermittelt einen distinguierten Eindruck und wirkt auf Außenstehende wie der französische Filmschauspieler Jean Gabin. Doch der nun fast 65-Jährige ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ein Krimineller. Mit 25 Vorstrafen und unverbesserlich.

von Autor HOUProfil

(hwo) Der gebürtige Regensburger hat mit einem seiner Coups für ein Stück lokale Gerichtsgeschichte gesorgt. Er zog in der Justizvollzugsanstalt Amberg einen schwunghaften Handel mit unzähligen Subutex-Tabletten auf, die vielen Drogensüchtigen als Ersatzmittel dienen. Das ging über lange Zeit hinweg professionell vonstatten. Der damals 62 Jahre alte Gewohnheitstäter, selbst nie süchtig, orderte zumeist per eingeschleuster Handys aus seiner Zelle heraus in Berlin die Tabletten, ließ sie über Freigänger ins Gefängnis einschmuggeln und unterhielt in Regensburg ein Konto, auf das Angehörige von Gefangenen entsprechende Beträge einzahlen mussten. Erst dann händigte er das Subutex an Mithäftlinge aus. Seine Kreise störte offenbar keiner.

Überraschungseier geliefert

Mitunter kamen die Lieferungen von außen auch mit sogenannten Überraschungseiern durch Kontrollschleusen. Sie waren an gewissen Körperstellen der Schmuggler verborgen. Die Erste Strafkammer des Landgerichts schickte im Jahr 2016 den damals 62-Jährigen für weitere knapp viereinhalb Jahre hinter Gitter. Zuvor hatte er in einer langen Erklärung reinen Tisch gemacht, Lieferanten und Abnehmer genannt. Daraus resultierten 60 einzelne Verfahren. Parallel dazu war der gebürtige Oberpfälzer in eine schwäbische Haftanstalt verlegt worden. Jetzt war der Mann, dem man bis heute einen "offenen Drogenladen in der JVA Amberg" nachsagt, wieder in der Stadt seiner einstigen "Wirkungsstätte". Allerdings nicht im Gefängnis, sondern in Handschellen vor der 3. Strafkammer des Landgerichts. Dort ging es um eine Falschaussage, die der nahezu 65-Jährige letztes Jahr im Zusammenhang mit einem Subutex-Prozess vor einer Amberger Amtsrichterin gemacht haben soll.

Vor der Justiz saß damals ein Beschuldigter, der behauptete, er habe dem Subutex-Händler von sich aus das Drogenersatzmittel zur Weitergabe an andere ausgehändigt. Das bestritt der als Zeuge vorgeführte Regensburger und sah sich dabei im Widerspruch mit einem weiteren Häftling, der die Aushändigung beobachtet haben wollte. Ihm wurde geglaubt - auch in zweiter Instanz.

Kein Ende in Sicht

Die Amtsrichterin verhängte acht Monate ohne Bewährung und blieb damit weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörde hatte 15 Monate verlangt.

Jetzt im Berufungsprozess vor dem Landgericht forderte Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier sogar ein Jahr und neun Monate Haft. Bemerkenswert war, was Strohmeier in seinem Plädoyer äußerte: "In der JVA Amberg kann man alles haben, was mit Drogen zusammenhängt." Das nahm sich fast schon aus wie ein Offenbarungseid gegenüber den dort wohl zur Gewohnheit gewordenen Machenschaften. Warum die Unterbindung nicht gelingt, ist noch immer schwer einschätzbar.

Die 3. Strafkammer beließ es beim Urteil des Amtsgerichts. Sie verwarf sowohl die Berufung des Angeklagten, als auch die der Staatsanwaltschaft. Damit steht fest: Der Subutex-Händler muss acht Monate im Knast nachsitzen - über das Jahr 2020 hinaus. Dabei hätte er gerne, wie man erfuhr, "wegen meines fortgeschrittenen Alters noch etwas Zeit mit den Angehörigen verbringen wollen".

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