Bewährungsstrafe für 75-Jährigen, der 72000 Euro aus VR-Bank Gebenbach entwendete
„Ich wollte an die Nordsee“

Symbolbild: dpa

Der 75-Jährige hat die Volks- und Raiffeisenbank in Gebenbach um 72 652 Euro erleichtert. Dafür saß er bisher erst einen Tag in Haft. Mehr kommen vorläufig auch nicht hinzu: Der frühere Aushilfshausmeister wurde am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht zeigte sich der Mann geständig. Den Entschluss zu der Tat habe er unter dem Eindruck einer Prostatakrebs-Diagnose gefasst, zu der ein schlechter Befund zu seinem Lungenvolumen gekommen sei. "Ich wollte an die Nordsee, wegen der Luft", erzählte der gebürtige Bremer.

Da der 75-Jährige öfter Hausmeistertätigkeiten für die VR-Bank übernahm, hatte er einen Türchip, mit dem er problemlos in die Gebenbacher Filiale kam. Er wusste zudem, dass in der Mittagszeit die Räume verwaist waren. Das nutzte er am 27. September 2016 aus. Er gelangte über seinen gewöhnlichen Zugang unbehelligt in den Kassenbereich, räumte dort zunächst einen Bargeldeinschub aus und nahm dann noch rund 60 000 Euro aus dem Tresor.

So weit, so unbestritten. Lediglich die Frage, ob im geöffneten Tresor das kleine Fach mit dem Bargeld ebenfalls offenstand oder erst mit einem daneben liegenden Schlüssel aufgesperrt werden musste, provozierte ein mehrmaliges Nachhaken von Richter Markus Sand. Die Sicherheitsvorschriften der Bank sehen ein abgeschlossenes Fach vor, der Angeklagte beharrte, das Geld sei offen vor ihm gelegen. Da das Schloss mit einer fünfminütigen Zeitverzögerung versehen war, glaubten sowohl Sand als auch Staatsanwältin Christine Apfelbacher, dass der Dieb es nicht erst aufsperren musste. Denn die Aufnahmen der Überwachungskamera zeigten, dass der 75-Jährige seine Beute viel schneller eingesackt hatte.

Gut 11 000 Euro verbraucht

Nach eigenen Angaben hatte er die entwendete Summe nicht gezählt - "am zweiten Tag war das Geld schon eine Belastung für mich". Dennoch reiste er damit trotz laufender Fahndung einige Zeit durch Südbayern und später nach Norddeutschland, ehe er sich etwa vier Wochen nach der Tat in Amberg stellte und gut 61 000 Euro zurückgab.

Ein Ermittlungsbeamter sagte aus, die Polizei habe den 75-Jährigen anrufen und zur Aufgabe bewegen können, da der seinerseits seine Frau kontaktiert und die der Polizei die Telefonnummer übermittelt habe. Nachdem der Zurückgekehrte eine Nacht in der Zelle verbracht hatte, war der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden.

Die Staatsanwältin bezeichnete die Tat als Diebstahl, da das Geld im Moment der Tat nicht besonders gesichert gewesen sei. Die Geldrückgabe und das Schuldeingeständnis gegenüber der Bank für die fehlenden gut 11 000 Euro wertete sie ebenso zugunsten des Angeklagten wie die günstige Sozialprognose und die Tatsache, dass er die Konsequenzen seines Verhaltens bereits spüre: Er habe seine Wohnung verloren und lebe jetzt getrennt von seiner Ehefrau. Allerdings habe er die Tat nicht spontan verübt, sondern länger geplant. Darauf wies etwa der am Tag vorher gemietete Leihwagen hin. Auch eine Vorahndung wegen eines Ladendiebstahls im Jahr 2014 schlug negativ zu Buche, zumal der wegen eines "griffbereiten Taschenmessers" als "Diebstahl mit Waffen" zählte. Der Antrag der Staatsanwältin lautete auf zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung auszusetzen seien.

"Verzweiflungstat"

Verteidiger Jürgen Mühl sprach zugunsten seines Mandanten von einer spontanen "Verzweiflungstat". Der Diebstahl sei ihm auch noch leichtgemacht worden, "so schludrig wurde hier in der Bank gehandelt".

Der Angeklagte wurde schließlich zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Außerdem muss der Rentner die Kosten des Verfahrens tragen und den angerichteten Schaden nach Kräften wiedergutmachen. Richter Sand hielt ihm zwar vor, dass er ein Vertrauensverhältnis ausgenutzt und missbraucht habe. Gleichzeitig sei aber nicht auszuschließen, dass es sich tatsächlich um eine Kurzschlussreaktion nach der Krebsdiagnose gehandelt habe. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. (Seite 6)
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