20.04.2018 - 14:56 Uhr
Oberpfalz

Blackout-Übung: Amberger Stadtwerke wollen gewappnet sein Strom weg, Notfall kommt

Das war am Donnerstag in der Früh. "Irgendwann kurz nach 7.30 Uhr", sagt Martin Malitzke, Technischer Leiter des kommunalen Versorgungsbetriebs. Da wurde der große Schalter umgelegt. Nicht auf "an", sondern auf "aus". Schlagartig gingen die buchstäblichen Lichter in allen technischen Anlagen der öffentlichen Trinkwasserversorgung in der Stadt aus. Nicht nur die Lichter. Auch alle Pumpen, die Mess- und Regeltechnik stand erst einmal ohne Strom da. Ende Gelände.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Keine zweieinhalb Stunden später, so etwas wie eine Lagebesprechung im Leitstand der Stadtwerke in der Gasfabrikstraße 16. Von Hektik keine Spur. Konzentrierte Stille bestimmt die Geräuschkulisse, nur kurze, knarzende Funksprüche drängen sich dazwischen. Malitzke und Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl erläutern der Runde den bisherigen Verlauf des Übungsszenarios "flächendeckender Blackout" - sprich Stromausfall - und die Notfallmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung im Amberger Stadtgebiet.

Mit dabei sind Vertreter des Katastrophenschutzes der Kommune, der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW) und der Polizei. Einigen von ihnen ist das nicht neu, was Malitzke und Prechtl referieren. Sie waren in die Vorbereitungen eingebunden. Doch jetzt wird seit zweieinhalb Stunden "scharf" geübt, was nicht weniger bedeutet, als dass die Trinkwasserversorgung der Stadt seither vom Netz ist. "Im Krisenfall sind wir Befehlsempfänger, darauf möchten wir vorbereitet sein", beschreibt Prechtl die Hintergründe. Inzwischen steht die Notversorgung und läuft stabil. Ausgelegt ist das System darauf, nicht nur einen kurzzeitigen Stromausfall zu überbrücken, sondern einen stabilen Versorgungsstatus auch über längere Phasen hinweg sicherzustellen.

Die Lehren aus 2014

Der Aufwand ist enorm und die Stadtwerke haben sich vorgenommen, das aus eigener Kraft zu stemmen. Das ist, betont Prechtl, eine zentrale Erkenntnis aus der allerersten Notfallübung dieser Art 2014. Nun wird die Fortschreibung geprobt, weil der kommunale Versorgungsbetrieb auch kräftig in die nötige Technik investiert hat. Allein das mobile Großaggregat, das den Strom für den Betrieb des Wasserwerks Engelsdorf übernommen hat, kostete rund 250 000 Euro. Es leistet mit einem Zwölf-Zylinder-Diesel bis zu 400 Kilowatt (kW), rein rechnerisch sind das knapp 545 PS. Mit insgesamt sechs eigenen Notstromaggregaten unterschiedlicher Größen können die Stadtwerke die Trinkwasserversorgung autonom aufrechterhalten, wenn sie den nötigen Sprit dafür haben. Sie müssen dauerhaft 840 kW abgeben können, das entspricht einem Bedarf von 84 Einfamilienhäusern. Laut Prechtl geht diese Übung nach den Erfahrungen von 2014 noch deutlich tiefer. Auch die Personaldisposition der eigenen Mitarbeiter und unterstützender Kräfte wie der Feuerwehr oder des THW spielen eine Rolle. Ebenso stellt sich die Frage, ob die Infrastruktur-Anlagen polizeilich geschützt werden müssen oder Wasser zu rationieren ist.

Keine Panikmache

So könnte es beispielsweise zu mehr Bränden kommen, weil Leute Zuhause wegen eines anhaltenden Stromausfalls vermehrt mit offenem Licht hantieren. Gesetzlich vorgeschrieben sind solche Übungen nicht, sagt Prechtl. Als kommunaler Versorger möchte er jedoch gewappnet, wenn auch kein Panikmacher sein. Ohne in die Tiefe zu gehen, spricht der Stadtwerke-Geschäftsführer beispielsweise nachgewiesene Cyberattacken auf Infrastruktur-Einrichtungen an.

Derweil stellen sich vor Ort ganz handfeste Probleme. Malitzke verweist etwa auf die nötige Betankung der eingesetzten Notstrom-Aggregate. Schon vor vier Jahren half in diesem Punkt das THW aus. Dabei stellte sich heraus, dass die Kapazitäten nicht ausreichten, um in einem Umlauf genügend Treibstoff herbeizuschaffen. Also legten sich auch die Stadtwerke mobile Tankkapazitäten zu, um diese Lücke zu schließen. Jetzt sehen sie sich auch in diesem Punkt auf der sicheren Seite.

Genügend Reaktionszeit

Grundsätzlich gilt, dass der Amberger Trinkwasserversorger bei einem Stromausfall nicht unverzüglich in den einen Krisenmodus der geübten Dimension umschalten muss, sondern die Lage ruhig analysieren und entsprechend angemessen reagieren kann. Sechs Stunden bleiben dafür. So lange halten die in sechs Hochbehältern vorgehaltenen 13 000 Kubikmeter bei Normalbetrieb her. Allein die Einheit Am Südhang speichert im Regelfall permanent 7000 Kubikmeter. Damit erklärt sich auch, dass bis Donnerstagmittag kein Amberger an seinem Wasserhahn gemerkt hat, dass die gesamte Versorgung für Stunden vom Stromnetz genommen und auf Notbetrieb umgestellt worden war. Von Beschwerdeanrufen wusste Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck jedenfalls nichts. Schon gegen 10.30 Uhr kündige Malitzke an, wohl gegen 13 Uhr, 13.30 Uhr die Übung beenden zu können, weil "alles stabil" laufe.

Die interne Manöverkritik am Nachmittag fand hinter verschlossenen Türen statt. Doch die Beteiligten und Beobachter hatten nicht den Eindruck gemacht, sorgenvolle Mienen aufsetzen zu müssen, weil hier ein schlimmer und hoffentlich nicht eintretender Notstand geübt werde. Thomas Forster, Katastrophenschutz-Beauftragter der Stadt, war jedenfalls zu einem ebenso kurzen wie knappen Gesamturteil über den Übungsverlauf gekommen: "Diese Sorge bin ich los."

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Weitere Fotos im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

Diese Sorge bin ich los.Thomas Forster, Katastrophenschutz-Beauftragter der Stadt
Im Krisenfall sind wir Befehlsempfänger, darauf möchten wir vorbereitet sein.Stephan Prechtl, Geschäftsführer der Stadtwerke
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