Blick in die Zukunft
Was 2017 in der Zeitung steht

Nach der Auflösung der Sportgemeinschaft Siemens ordnen sich die Fußballvereine am Schanzl neu. Der FC fusioniert mit dem ESV und der DJK. Der neue Club heißt offiziell FC und DJK und ESV im TV mit der SGS. Bild: Hartl
 
Der Martinsturm ist wieder in seiner vollen Schönheit zu bewundern. Die Sanierung ist abgeschlossen. Doch über Nacht geschieht Gespenstisches. Ein weißes Transparent verhüllt das Gotteshaus. Dahinter steckt Wilhelm Koch, Chef des Luftmuseums. Bild: Hartl
 
Nach CSU und ÖDP verlässt Dr. Eberhard Meier auch die Freien Wähler. Er nimmt den Ebenburger-Platz bei den Grünen ein. Bild: htl

Zugegeben: Die Meldungen sind ausnahmslos frei erfunden. So oder ähnlich könnte es aber werden, das neue Jahr 2017. Wir werfen heute einen fast ernst gemeinten Blick in die Zukunft Ambergs.

Von Thomas Kosarew

Januar : Die Amberger wollen ihren Schmetterling zurück! An der Schnittstelle der Bundesstraßen 85 und 299 häufen sich seit der Verkehrsfreigabe die Unfälle, weil - Zitat Polizei: "Jetzt keiner mehr weiß, wie er fahren soll." Ein Eilantrag geht einstimmig durch, weil mehrere Stadträte parteiübergreifend einräumen müssen, sich mehrfach auf dem Weg nach Sulzbach-Rosenberg verfahren zu haben. Als überregionale Medien auf das Thema aufmerksam werden, wird's dennoch wieder kompliziert - wegen der vielen Busse, deren Fahrgäste teilweise bis aus Polen kommen, nur um die Tour im Schmetterling einmal erleben zu dürfen.

Februar: Lange wird gerätselt, warum Oberbürgermeister Michael Cerny sowie seine Stellvertreter Martin Preuß und Brigitte Netta zeitgleich krankheitsbedingt ausfallen. Dann steht fest: Ein mutierter Norovirus, den Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey bundesweit als erster Experte nachweist, legt die Stadtverwaltung lahm. In der Not übernimmt Alt-OB Wolfgang Dandorfer die Amtsgeschäfte. Sein erster Kommentar: "Mich hat's eh scho allerweil druckt. Wecha dem Forum und dem Bürgerspital gegenüber und dem und, und, und!" Außerdem seien in der Stadt schon lange keine Kreisverkehre mehr gebaut worden.

März: Ein lauter Knall reißt Amberg mitten in der Nacht aus dem Schlaf: Im Kino ist eine Kloschüssel explodiert. Die Polizei erinnert sich an einen ähnlichen Vorfall aus dem Vorjahr und ermittelt in alle Richtungen, da anfangs ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann. Doch vor Ort Entwarnung: Die Spurensicherer finden keine Sprengstoffreste. Und auch der Alkoholtest des 24 Jahre alten Verursachers verläuft negativ: 0,0 Promille. Der gute Mann hatte einfach das Falsche gegessen. "Und wohl auch zu viel davon", wie er späte bei der Vernehmung verrät.

April: Der Anstoß kam von Norbert Fischer, dem Vorsitzenden des Stadtverbandes für Sport: Er rät Vereinen zu Fusionen, um zukunftsfähig zu sein. Während Kegler, Schützen und Kraftsportler dankend ablehnen, melden sich die Fußballer, die sich das Sportzentrum am Schanzl teilen. Der neue Club heißt ab sofort FC und DJK und ESV im TV mit der SGS. Verhandlungen zwischen dem SV Raigering und dem SV Inter Bergsteig sind allerdings zum Scheitern verurteilt. Der SC Germania und der FSV Gärbershof bleiben sich dagegen treu und steigen jeweils in die nächsthöhere Liga auf.

Mai: Zur Halbzeit der Legislaturperiode dreht sich im Stadtrat das Personalkarussell. Wegen der anhaltenden Diskussionen um die Tiefgaragen-Einfahrt in der Bahnhofstraße und der vorgezogenen Grammer-Ansiedlung im von Freien Wählern geführten Ursensollen will Dr. Klaus Ebenburger unbedingt zurück zu seiner Stammpartei FW. Das Vorhaben droht zu scheitern, bis der ehemalige CSU- und ÖDP-Stadtrat Dr. Eberhard Meier einen Geistesblitz hat und einen Wechsel mit Ebenburger ins Spiel bringt: "Grüne? Das würde für mich passen. Da war ich noch nicht."

Juni: Für das neue Forum in der Bahnhofstraße gibt es die ersten Mieter: einen Döner-Laden, eine Bäckerei-Filiale und einen Handy-Shop. Die Verantwortlichen im Rathaus und der Gewerbebau sind dennoch nicht zu 100 Prozent zufrieden, weil Wunsch-Nutzer wie etwa Sport Scheck, Mango, Nike, Nordsee, Saturn und Peek & Cloppenburg abgesagt haben. Das Vorhaben eines Regensburgers, auf 2000 Quadratmetern einen Indoor-Spielplatz zu eröffnen, war kurz zuvor am Stellplatznachweis gescheitert.

Juli: Die AfD bereitet sich auf die Bundestagswahl vor und möchte mit Kandidaten aus Amberg punkten - obwohl alle Meldefristen längst verstrichen sind. Bei drei Treffen meldet sich dann auch niemand, der für die Partei antreten möchte. Die AfD-Spitze bedauert das in einer Pressemitteilung zutiefst: "Amberg ist zwar rechts auf der Deutschland-Karte, aber nicht rechts genug, um unseren Anforderungen zu genügen." Spontan gründet sich im Stadtgebiet eine Interessensgemeinschaft. Der Name: Aufrechte Oberpfälzer gegen eine weitere AfD-sierung des schönen Freistaats Bayern - der Einfachheit halber AOGEWADSFB.

August: Endlich! Der Martins-turm ist wieder in seiner vollen Schönheit zu bewundern. Die Sanierung ist abgeschlossen, die Amberger freuen sich, ihre Basilika wieder in Gänze sehen zu können. Doch über Nacht ist fast wieder alles so, wie es in den vergangenen Jahren war. Ein weißes Transparent verhüllt plötzlich das gesamte Gotteshaus. Dahinter steckt Wilhelm Koch, Chef des Luftmuseums, der von einem Alleinstellungsmerkmal spricht und noch 2017 dafür mit dem Christo-Preis dekoriert wird. In der Laudatio heißt es wörtlich: "Vorher war es eine Baustelle, jetzt ist es Kunst."

September: Früher als sonst meldet das Klinikum einen Geburten-Rekord. Die magische Grenze von 1000 neuen Erdenbürgern ist bereits in den Sommerferien durchbrochen. Das liegt in erster Linie daran, dass Anfang September vier Vierlings-, fünf Fünflings- und sechs Sechslings-Geburten gemeldet werden. Die Achtlinge einer amerikanischen Mutter kommen erst im Oktober in St. Marien zur Welt.

Oktober: Weil sich auf dem ehemaligen Bürgerspitalgelände in der Bahnhofstraße noch immer nichts Grundsteinlegendes tut, kommt die Gewerbebau auf eine Idee: Sie bietet die Möglichkeit, Pop-up-Stores auch unter freiem Himmel eröffnen zu dürfen. Als sich keine Interessenten melden, hat der Stadtmarketingvereine die passende Alternative: eine Eislaufbahn, wie es sie 2002 schon einmal auf dem Markplatz gab. Die offizielle Begründung: "Naja, die Grube ist ja schon da!"

November: Amberg hat es geschafft! Rechtzeitig zur Uhr-Umstellung und dem damit einhergehenden Beginn der dunklen Jahreszeit sind flächendeckend alle Straßenbeleuchtungen durch neue und energiesparende LED-Varianten ersetzt. Dem Vilswanderer-Trio ist das natürlich nicht entgangen. In Erinnerung an die guten alten Zeiten textet und komponiert es das Stück: "Halogen, hallo geh'n wir gemeinsam durch Amberg!" - der erhoffte Sprung auf Platz eins der Charts bleibt allerdings vorerst aus.

Dezember: Frohe Kunde aus dem Hause Nentwig: Der Alt-Landrat und seine Frau Tina werden erneut Eltern. Der kleine Max erblickt an Heiligabend das Licht der Welt. Der 74 Jahre alte Papa sagt voller Stolz und unter Tränen: "Jetzt haben wir ein echtes Christkind. Dass ich das noch erleben darf!"
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