02.01.2018 - 12:06 Uhr
Oberpfalz

Blick ins Foto-Archiv der Amberger Zeitung Als der ERSC im Stadtgraben spielte

Sportlich könnte es für Eishockey-Landesligist ERSC Amberg derzeit kaum besser laufen. Mit dem 3:1-Sieg beim dadurch entthronten Spitzenreiter ERV Schweinfurt haben die Amberger das Aufstiegsrunden-Ticket auch rein rechnerisch gebucht. Der Rückstand auf Tabellenführer Bad Kissingen beträgt zwar drei Punkte, dafür haben die Wild Lions bislang aber zwei Spiele weniger absolviert als die Unterfranken.

Mit harten Bandagen wurde auch vor mehr als 60 Jahren Eishockey nicht nur gespielt, sondern vor allem gekämpft. Damals hatte der ERSC noch kein eigenes Stadion, sondern spielte im Englischen Garten, wo auch 1954 dieses Foto entstand. Bild: exb
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Bevor am Freitag dieser Woche ab 20 Uhr mit der Heimbegegnung gegen Straubing das nächste Duell auf dem Plan steht, geht der Blick zurück in die Anfangszeit des 1950 gegründeten Vereins.

Fast vier Jahre benötigte der ERSC, bis die erste Eishockeypartie in der Geschichte den Einsatz von zehn tapferen Männern notwendig machte. Mehr Spieler hatten die Amberger damals nicht zur Verfügung, und die mussten wirklich allen Mut aufbringen: Bis auf die Hände war kein Körperteil durch Ausrüstung geschützt, auch an Helme dachte in den 50er-Jahren kein Mensch. Gespielt wurde damals übrigens nicht im erst 1964 gebauten Stadion am Schanzl, sondern im Stadtgraben. Am 4. Januar 1954, also fast auf den Tag genau vor 64 Jahren, gingen die Eishockey-Pioniere in ihr Premieren-Match. Die Mannschaft wusste danach, dass sie Geschichte geschrieben hatte. Nicht nur, weil es das erste Spiel des ERSC überhaupt war. Die Spieler Niebler, Zappek, Drozd, Wagner, Bartl, Hüttel, Retzer, Kalb, Piana und Graevesen hatten in Selb auch noch mit 8:7 gewonnen. Das Kuriose war, dass der ERSC nur mit diesem einen Spiel auf Anhieb Erster wurde. Weil das Rückspiel wegen Tauwetters ausfiel, war der ERSC Meister der Bezirksklasse.

Der damals praktizierende Allgemeinarzt Dr. Kurt Stanjek war es, der den Eishockeysport nach Amberg gebracht hatte. Als Student hatte er in Innsbruck ein Länderspiel Österreich gegen Kanada gesehen. Seit diesem Zeitpunkt ließ ihn der schnellste Mannschaftssport der Welt nicht mehr los. Doch fasziniert waren die Amberger auch vorher schon - weit bevor der ERSC offiziell eine Mannschaft ins Leben rief, schnürten einige Männer und Jugendliche ihre Schlittschuhe, um beispielsweise auf dem Haidweiher dem Puck hinterherzujagen. Sehr beliebt war auch der Englische Garten: An der Stelle, in der im Café Rossini die Gäste bewirtet werden, standen die ersten Tore - und auch die ersten Zuschauer.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.