06.02.2018 - 09:00 Uhr

Blick ins Fotoarchiv der Amberger Zeitung Ganz viele Trabis und leere Kassen

Nachdem die Berliner Mauer gefallen war, gab es kein Halten mehr: Hunderttausende DDR-Bürger strömten in den Westen, um die neue Freiheit zu genießen und das Begrüßungsgeld abzuholen - auch in Amberg. Dort gab es allerdings unerwartete Probleme.

Ein Bild vom 6. November 1989: Wie hier vor der Leopoldkaserne reihen sich im Stadtgebiet die Trabis aneinander. Bilder: Reiner Fröhlich (2)
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage existierte diese künstlich erschaffene Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Am 5. Februar gab es die Mauer genauso lange nicht mehr, wie sie einst stand. Darum geht der Blick ins Foto-Archiv der Amberger Zeitung heute zurück in eine Zeit vor Internet und E-Mail. Natürlich hatten die Amberger die Entwicklung im Fernsehen und in der Zeitung verfolgt, aber mit so einem Ansturm hatten sie nicht gerechnet.

Gut 150 oder 200 Ossis waren ins Rathaus gekommen, um das Begrüßungsgeld in Höhe von 100 D-Mark pro Person abzuholen. Die Beträge wurden gegen Vorlage der Ausweispapiere ausbezahlt. Aber noch am Vormittag ging das Geld aus. Die Kasse war leer. Die damals zuständigen städtischen Mitarbeiter setzten alle Hebel in Bewegung, um an frisches Geld zu kommen. Die Lösung hieß Benno Strobl. Der Leiter der Abteilung Anlageberatung der damals noch eigenständigen Stadtsparkasse bemühte sich nach einem Anruf aus dem Rathaus nach Kräften. Der große Tresor in der Zentrale konnte am Wochenende nicht geöffnet werden. So blieb nur der Umweg über die Filiale am Mosacherweg, die noch Bargeldbestände vorrätig hatte. 90 000 D-Mark waren dort auf die Schnelle verfügbar. Die reichten aus, um die ungeduldig wartenden DDR-Bürger zu beruhigen.

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