12.10.2017 - 16:42 Uhr
Oberpfalz

Brüderpaar vor Gericht Falsche Urkunden aus Syrien

Es ging um Dokumente aus Damaskus. Angefordert von einem jungen Syrer, der seine auf die Flucht aus dem kriegsgebeutelten Land mitgenommenen Unterlagen nach eigenem Bekunden großteils verloren hatte. Was er aus seiner Heimat per Anforderung erhielt, waren Fälschungen. Doch konnte er das erkennen?

von Autor HWOProfil

Amberg. (hwo) Zwei Männer auf der Anklagebank vor Amtsrichter Peter Jung. Ein Brüderpaar. Der eine heute 19 Jahre alt, der andere 23. Bemüht, die deutsche Sprache zu lernen und das mit durchaus guten Erfolgen. Geflüchtet aus einem vom Krieg zerfurchten Staat und hereingespült nach Deutschland mit einer Welle von Menschen, die sich zu Abertausenden auf den Weg gemacht hatten. Auf der weiten Reise von Arabien nach Bayern will der damals noch 17-Jährige im Jahr 2015 einen Teil seiner Papiere verloren haben. Doch die brauchte er für seine Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Zirndorf. Von dem, was dann geschah, gab es zwei Versionen. Die erste: "Ich habe bei meinem in der Türkei lebenden Onkel angerufen. Der hat sich darum gekümmert, dass die Dokumente aus Syrien für 400 Euro Gebühr besorgt wurden." Der ältere Bruder habe damit eigentlich nichts zu tun gehabt.

Zwei Versionen vor Gericht

Die zweite Version, bei der dann auch der Bruder des Jugendlichen ins Spiel kam: Es soll unmittelbar in Syrien ein Mann telefonisch kontaktiert worden sein, der die Unterlagen für 300 US-Dollar beschaffte. Das stand in einem Vernehmungsprotokoll der Polizei. Doch beide Beschuldigten wiesen nun von sich, so etwas gesagt zu haben. Der damals eingeschaltete Dolmetscher, hieß es, habe das wohl falsch verstanden. Womöglich, weil er ihren Dialekt nicht sprach.

Fest stand ohne jeden Zweifel: Die drei Urkunden, vorgelegt in Zirndorf, waren tatsächlich Fälschungen. Zwar mit den richtigen Daten und diversen Stempeln versehen, in den Druck- und Ausstellungsmodalitäten aber für einen Sachverständigen des Bayerischen Landeskriminalamts als unecht identifzierbar. Nach zweistündiger Verhandlungsdauer lautete die Frage: War das für den heute 19-Jährigen und auch für den Bruder erkennbar? Denn die Auszüge aus dem Personenstands-, Familien- und Geburtenregister konnten einem Laien durchaus den Eindruck von Echtheit vermitteln. Einem von Richter Jung in Aussicht gestellten Freispruch widersetzte sich Staatsanwältin Jennifer Jäger. Womit eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen ins Gespräch kam. Das akzeptierten der 19-Jährige und sein Bruder. Der Jüngere muss nun 60 Arbeitsstunden zum Allgemeinwohl ableisten, der 23-Jährige (unterdessen in Arbeit stehend) hat 300 Euro zu zahlen.

Urheber unbekannt

Die Ungereimtheiten scheinen unterdessen ausgeräumt zu sein. Denn anders ließ es sich nicht erklären, dass beide Syrer zwischenzeitlich eine Aufenthaltsgenehmigung in der Bundesrepublik für vorläufig drei Jahre haben. Wer die Personenstandsurkunden im Land des Diktators Assad fälschte, wird sich schlüssig wohl nie klären lassen.

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