20.02.2018 - 17:10 Uhr

Bundeswehrzahnarzt wegen Falschaussage vor Gericht In gekränkter Offiziersehre

Sticht diesmal der Unter den Ober? Könnte gut sein. Denn vor dem Amtsgericht sitzt ein Bundeswehrzahnarzt, der trotz heftigster Bemühungen gewisse Ungereimtheiten bei der Behandlung von Privatpatienten so recht nicht widerlegen kann. Denn da gibt es ihm untergebene Soldatinnen, die anderes sagen.

Bild: Oliver Berg/dpa
von Autor HWOProfil

Irgendwie hat sich dieser Mann selber eine Falle gestellt. Als Oberfeldarzt im Rang eines Oberstleutnants erstattete er Anzeige gegen eine ihm untergebene 22-Jährige, weil die sich über ihn beschwert hatte. Diese Beschwerde nahm zwar einen unsäglichen internen Dienstweg. Doch nach der Anzeige seitens des Dentisten ermittelte die Staatsanwaltschaft.

Was seinerzeit folgte, war fast schon skurril: Die Frau im Rang des Unteroffziers wurde gleichsam mit Pauken und Trompeten vom Vorwurf der falschen Verdächtigung freigesprochen. Das geschah im Frühjahr 2017. Danach leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den Zahnarzt ein.

Arbeitsvertrag nötig

Die jetzt in einem Prozess vor der Amtsrichterin Julia Taubmann erhobenen Anschuldigungen gegen den Oberfeldarzt lauten auf uneidliche Falschaussage und Missbrauch der Befehlsbefugnis. Unwahre Angaben soll der 41-Jährige in der Verhandlung gegen seine damals freigesprochene Untergebene gemacht haben. Außerdem: "Die Mädels", wie er sie heute nennt, waren offenbar immer mal wieder in die Behandlung privater Klienten eingebunden. Einfach so und - weil ihnen solche Dienste ja nicht vom Aufgabenbereich her zukamen - ohne privat zwischen ihnen und dem Oberfeldarzt geschlossenen Arbeitsvertrag. Der aber wäre erforderlich gewesen. Gleichwohl: Die Privatbehandlungen waren von der Bundeswehr genehmigt. Der Dentist musste dafür 36 Prozent seiner Einnahmen abführen. Der Mann auf der Anklagebank setzte zu einer Erklärung an. Sie dauerte nahezu eine Stunde und ließ keinen Zweifel daran, wer da nun sprach: Der Vorgesetzte über seine Dienstuntergebenen. Irgendwie von oben herab. Der seltsamste Satz dabei lautete: "So spricht kein Unteroffizier zu einem Offizier." Hierarchie in Reinkultur. Als offenbar selbstverständlich von dem 41-Jährigen verstanden.

Man vernahm: Beim Prozess gegen seine Sprechstundengehilfin habe es natürlich keinerlei wissentlich vorgetragene Falschaussage gegeben. Dazu eher wenige Assistenzdienste der Frauen bei der Behandlung von Privatpatienten. Und wenn tatsächlich: "Ich habe nicht gewusst, dass dazu eigene Arbeitsverträge nötig gewesen wären."

Der Oberstleutnant, nach seinem Verständnis völlig zu Unrecht auf die Anklagebank zitiert und deshalb in der Ehre gekränkt, soll während der Dienstzeit privat behandelt haben. Wenn er es außerhalb dieser Zeiten im medizinischen Zentrum der Amberger Bundeswehr tat, mussten seine weiblichen Untergebenen offenbar vieles wegräumen, wenn sie am anderen Tag zur Arbeit kamen.

Urteil am Mittwoch

Die Soldatinnen widersprachen in einer Reihe von Punkten. Sie ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Wurden sie "höflich gebeten", private Dienste zu verrichten? Nein, hörte die Richterin. Das sei eben so gewesen. Denn da stand der Vorgesetzte. Einer, der barsch für schlechtes Klima sorgte und, wie eine der Frauen erzählte, "laut wurde."

Seltsam: Eine der Unteroffizierinnen, längst an einen anderen Standort versetzt, hatte nach ihrer Zeugenanhörung den Auftrag, dem Prozess als "Beobachterin" beizuwohnen. Man interessiert sich also bei der Truppe. Doch aus der Hierarchie derer, die der Angeklagte als seine Vorgesetzten bezeichnete, saß keiner am ersten Prozesstag im Zuhörerraum. Diese Rangordnung der Befehlshaber ist übrigens schlichtweg grandios. Sie geht bis hinauf zum Generalarzt.  Lesen Sie hier den dritten Verhandlungstag.

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