05.02.2018 - 16:54 Uhr

Chefarzt Dr. Marc Dauer warnt: "Sitzen ist das neue Rauchen"

Sodbrennen ist eine echte Volkskrankheit. Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. "Es ist eine Krankheit der Wohlstandsgesellschaften, die in der sogenannten westlichen Welt mehr und mehr zunimmt", sagt Chefarzt Dr. Marc Dauer aus dem Klinikum beim Gesundheitsforum.

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Amberg. (exb) Im Großen Rathaussaal nannte Marc Dauer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II am Klinikum St. Marien, die Gründe dafür: Gewohnheiten wie Alkohol- und Nikotinkonsum, umfangreiche und späte Mahlzeiten oder Übergewicht und mangelnde Bewegung. "Sitzen ist das neue Rauchen. Viele von uns arbeiten viel im Sitzen und bewegen sich auch in ihrer Freizeit zu wenig."

Auslöser für Sodbrennen ist der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. "Normalerweise gibt es einen Verschlussmechanismus, der den Magen nach oben hin geschlossen hält. Funktioniert dieser Verschluss nur noch unzureichend, kann Magensäure zurück in die Speiseröhre fließen. Das nennen wir Ärzte Reflux." Nicht jeder dieser Vorgänge verursache automatisch auch Sodbrennen: "Von einer Reflux-Erkrankung sprechen wir, wenn der Rückfluss von Mageninhalt Komplikationen oder störende Symptome verursacht." Diese können unter anderem auch Brustschmerzen, Völlegefühl, Brechreiz, Schluckbeschwerden aber auch Husten sein.

Grundsätzlich gibt es laut Marc Dauer zwei Formen: Die erosive und die nicht-erosive. "Bei der erosiven Form entstehen durch den immer wiederkehrenden Rückfluss von Magensäure Schleimhautdefekte in der Speiseröhre. Diese Verätzungen entstehen bei der nicht-erosiven Form der Erkrankung nicht. Aber auch hier leiden die Betroffenen unter Schmerzen." Wie schwer die Erkrankung ist, könne durch eine Magenspiegelung zuverlässig abgeklärt werden.

Dabei handele es sich um eine harmlose Routineuntersuchung, die etwa zehn Minuten dauert. Die Patienten dürfen sechs Stunden vorher nichts essen und bekommen eine Betäubung - so sei der Eingriff in der Regel schmerzfrei. "Treten Symptome zum ersten Mal auf, sollte auf jeden Fall eine Spiegelung gemacht werden. Das dient der Diagnosesicherung und dem Ausschluss von Komplikationen. Denn bei der Spiegelung sehen wir die Veränderungen der Schleimhaut in der Speiseröhre sehr gut und wir können vor allem deren Ausmaß bestimmen. Je nach Art und Größe der Defekte wird anschließend die weitere Therapie geplant." Bei einer bekannten Reflux-Erkrankung müsse nur gespiegelt werden, wenn neue Symptome auftreten, die Medikamente nicht mehr wirken oder bekannte Komplikationen überwacht werden müssen. Behandelt werden könne Sodbrennen auf verschiedene Arten. Eine Möglichkeit: ohne Medikamente. "Dabei gilt es, die Auslöser auszuschalten. Das heißt, Übergewicht zu reduzieren, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten und bestimmte Nahrungsmittel wie Kaffee, Weißwein oder Schokolade zu reduzieren."

Außerdem könne es helfen, die Ernährungs- und Schlafgewohnheiten zu ändern. So sollten Betroffene abends spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen essen, dabei auf große Portionen verzichten und beim Schlafen den Oberkörper leicht hoch lagern. Reicht das nicht, gebe es verschiedene Medikamente: "Die einen neutralisieren die Magensäure, andere hemmen die Produktion der Magensäure." Ziel sei es aber immer, mit möglichst wenig Medikamenten auszukommen. Es gebe aber auch Frauen und Männer, die nie komplett beschwerdefrei sind. Sie brauchen laut Dauer eine Dauertherapie.

Der letzte Schritt sei die OP. Doch die sei nicht unproblematisch und werde deshalb nur bei streng ausgewählten Patienten empfohlen, denn, so Marc Dauer: "Die breite Masse wird nicht von diesem Eingriff profitieren. Patienten, die nicht 100-prozentig für eine OP in Frage kommen, nehmen nur das Risiko in Kauf."

Letzter Termin

Der dritte und letzte Vortrag des diesjährigen Gesundheitsforums beginnt Dienstag, 6. Februar, um 19.30 Uhr im Großen Rathaussaal. Professor Dr. Hamid Hossain, Chefarzt für Mikrobiologie in Amberg und Weiden, spricht dann laut einer Pressemitteilung unter anderem über multiresistente Krankheitserreger und gibt wertvolle Tipps, wie man sich vor Infektionen schützen kann. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist wie gewohnt frei. (tk)

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