Chinese in Amberg vor Gericht
Attacke im „Fress-Tempel“

Das Küchenbeil war zum Zerlegen von gebratenen Enten gedacht. Es wurde zweckentfremdet und landete mit seiner scharfen Klinge an der Bauchdecke eines 37-Jährigen. Jetzt wird vor dem Amberger Schwurgericht dazu verhandelt. Hauptsprache im Sitzungssaal ist Chinesisch. Weil sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter aus Fernost stammen.

Von Wolfgang Houschka

Die Männer aus China waren sich nicht grün. Bisher ist nicht genauer erörtert worden, was den eigentlichen Anlass für ihre Fehde gab. Dafür wird etliches andere besprochen vor dem Schwurgericht, das sich mit einer für deutsche Ohren monoton klingenden Sprache auseinandersetzen muss. Tatort: Ein asiatisches Lokal in Amberg, Tatzeit: 24. Mai 2016 um 14.20 Uhr. Das kennt man aus Unterlagen. Wie aber lief dann eine Auseinandersetzung zwischen zwei in dem von Einheimischen mitunter sehr einprägsam als "Fress-Tempel" bezeichneten Gasthaus ab?

Angst vor der Justiz

Wegen Totschlagsversuchs sitzt ein in Kürze 30 Jahre alt werdender Koch aus der Provinz Shandong auf der Anklagebank. Der Mann hat für Beobachter spürbar Angst und weiß offenbar nicht so recht, was ihm da von der deutschen Justiz droht. In seiner Heimat könnten solche Vorwürfe heftig enden.

Doch im Gastland muss nun erst einmal sehr umfangreich geklärt werden, ob der Familienvater überhaupt ein Verbrechen beging. Denn es ist gut möglich, dass der Vorfall im Spezialitätenrestaurant juristisch eingeordnet eine gefährliche Körperverletzung war.

Der Koch und sein Kollege waren sich davor schon in die Haare geraten. Jetzt hat der 29 Jahre alte Beschuldigte über seinen Anwalt Jörg Jendricke erklären lassen, er sei keineswegs in Tötungsabsicht vorgegangen, als er erst mit einer Schere und dann mit einem Küchenbeil seinen ebenfalls aus China stammenden Kollegen angriff. Zunächst langte der Asiate zur Schere, wollte zustechen, wurde vom Kontrahenten abgewehrt. Kratzer blieben am Schlüsselbein zurück.

Gleich danach begab sich der Koch in einen Kühlraum, kam mit dem Zerlegebeil zurück, soll etwas von "umbringen" und "ich schlitz' dich auf" von sich gegeben haben. Zwei weitere Mitarbeiters des Asia-Lokals eilten dem Bedrängten auf engstem Raum zu Hilfe.

Was folgte, geschah in Sekundenschnelle: Die Chinesen griffen nach dem Arm ihres Landsmanns. Doch der holte trotzdem zum Hieb aus. Die Klinge, 21 Zentimeter lang, drang in die Bauchdecke seines Widersachers. Tiefe Schnittwunde, im Krankenhaus genäht, Opfer danach entlassen. Sowohl aus der Klinik als auch vom Besitzer des Restaurants.

Gurken im Eimer?

Ein schwieriger Fall. Widersprüchliche Aussagen, Gedächtnislücken und letztlich auch die Frage: Kann sich aus dem vom Schwurgericht angestrebten Mosaik ein komplettes Bild der Wahrheit ergeben? Zumal es um Einzelheiten geht wie: Landeten Gurken in einem Eimer oder auf dem Boden? Hatte im Lokal jeder sein eigenes Regal: Wurden Tötungsabsichten tatsächlich konkret geäußert?

Der mutmaßliche Täter sagt, er habe sich eigentlich nur gewehrt. Das Opfer hingegen, unterdessen weit weg in einem Wirtshaus namens "Goldener Jaguar" beschäftigt, ließ wissen, die Attacken seien eher unverhofft erfolgt. Größerer Zorn zwischen beiden Chinesen ist unterdessen wohl verflogen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.