22.12.2017 - 17:40 Uhr
Oberpfalz

CVJM feiert mit Obdachlosen und Alleinstehenden Heiligabend Keine einsame Nacht

"Wenn ihr das heute nicht gemacht hättet, würde ich morgen nicht mehr leben." Ein Satz, der Dieter Münch nachdenklich macht. Ihn aber auch bestärkt. Seit 50 Jahren organisiert der CVJM einen besonderen Heiligen Abend.

Aus dem CVJM-eigenen Wäldchen am Mariahilfberg stammt der Baum, der am Heiligen Abend den Saal schmückt, wenn der Verein Obdachlose, Alleinstehende und Einsame einlädt. Bild: Steinbacher
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Vor 50 Jahren kam Dieter Münch von Schweinfurt nach Amberg. Und er initiierte hier, was er im fränkischen Weinort schon getan hatte: Heiligabend für Obdachlose, Alleinstehende und Einsame. Bis Heiligabend sind es nur noch wenige Tage. Gemeinsam mit CVJM-Sekretär Benjamin Seiler hat Münch schon den Baum geholt - aus dem vereinseigenen Wäldchen am Mariahilfberg. Jetzt muss die Fichte nur noch geschmückt werden.

Münch erinnert sich zurück an die Anfänge, damals noch im Vorgängergebäude der Post, in dem der CVJM sein Domizil hatte. "Die Plakate, mit denen wir einladen, haben sich seitdem nicht geändert", sagt Münch schmunzelnd. 40 Leute waren zur ersten Feier gekommen. In der Folgezeit wurden es immer mehr, inzwischen sind es rund 80 Menschen, die Heiligabend nicht alleine sein möchten. "Es hat sich schnell rumgesprochen, dass es beim CVJM gutes Essen und Geschenke gibt."

Normalerweise gibt es Leberkäse mit Kartoffelsalat, den Metzger am Vormittag des Heiligen Abends aufbacken. Heuer ist es ein Sonntag, deshalb wird ein bisschen von der Tradition abgewichen. Zum Kartoffelsalat gibt es heiße Wiener. Der Ablauf ist immer gleich. Um 16 Uhr geht's los mit Kaffee, alkoholfreiem Punsch und Plätzchen. Gesang, Gedichte und Geschichten lassen Weihnachtsstimmung aufkommen. Um 18 Uhr gibt es Abendessen. Danach ist eine kleine Andacht vorgesehen. Denn das ist dem CVJM wichtig: "Es gehört dazu, dass man weiß, worum es an Weihnachten eigentlich geht, nämlich um die Geburt Jesu Christi."

Tradition ist zudem, dass die Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird. Um 21 Uhr endet der Heilige Abend beim CVJM. Danach fahren Mitarbeiter noch viele der Teilnehmer nach Hause. Die Organisatoren haben viele Freiwillige, die sich am Abend des 24. Dezembers für die gute Sache engagieren. Anfangs waren es fünf, sechs Leute. "Aber das hat sich schnell etabliert", freut sich Münch, dass der Helferkreis inzwischen auf rund 20 angewachsen ist. Seine Familie kennt Heiligabend eigentlich gar nicht anders. "Meine fünf Kinder waren auch immer mit hier." Die Bescherung im Familienkreis wurde kurzerhand auf den frühen Nachmittag des 24. Dezembers verlegt. 40 Jahre lang kümmerte sich Münch selbst um Feier beim CVJM, ehe er die Organisation abgab. "Den Heimfahrdienst abends mache ich aber immer noch."

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Teilnehmer an der Feier wieder leicht zurückgegangen. Diejenigen, die kommen, erleben schöne Stunden in der Gemeinschaft. Gerade an Weihnachten. An einem emotionalen Fest, wie Seiler sagt. "Das ist für die Menschen, die zu uns kommen, nicht einfach, gerade abends." 10 oder 15 Jahre dürfte es jetzt her sein, dass eine Frau zu Dieter Münch sagte: "Wenn ihr das heute nicht gemacht hättet, würdet ich morgen nicht mehr leben." Da wusste Münch: Es hat sich gelohnt.

Wichtig ist allen Helfern, die Menschen nicht nur zu bewirten, sondern ihnen Zeit zu schenken. "Wir sind keine Suppenküche mit Weihnachtsmenü", sagt Münch über die CVJM-Aktion. So setzen sich die Freiwilligen mit an die Tische und hören den Menschen, die sie eingeladen haben, zu. "Wir machen keine Weihnachtsfeier für die, die zu uns kommen, wir feiern mit ihnen Weihnachten", sagt Seiler über die Intention. Münch erinnert sich an einen Mann, der alleine an einem Tisch saß. Als er näher trat, roch er, warum sich niemand dazu gesetzt hatte. "Man hätten den Mann erst einmal in eine Badewanne stecken müssen." Münch setzte sich dennoch zu ihm - und hörte sich seine Lebensgeschichte an. Seine Familie hatte ihn verlassen, er verlor seine Arbeit, landete auf der Straße. "Das ging mir sehr zu Herzen", gesteht er. Andererseits: Die Teilnehmer bringen natürlich auch all ihre Probleme mit. So manches Mal musste Streit geschlichtet werden. Einmal gerieten sich Ex-Ehepartner in die Haare.

Um 21 Uhr endet der Heilige Abend beim CVJM. Dann räumen die Mitarbeiter noch auf, viele gehen danach in die Christmette - sie können dies tun mit dem guten Gefühl, für Menschen da gewesen zu sein, für die es dadurch auch Weihnachten geworden ist.

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