Damit die neue Fassade trotz Frost bis Weihnachten fertig wird
Kirche mal von außen heizen

Mit einer Abdeckfolie wird seit gestern das Gerüst vor der Paulanerkirche verhüllt, um darunter per Heizung die nötigen Plusgrade zu erzeugen, die fürs Tünchen der Fassade nötig sind. Bild: Steinbacher

Alles Gute kommt von oben. Im Hause Gottes sowieso, oder? Nun ja, in oder an der Paulanerkirche war das bis zum Frühjahr nicht unbedingt der Fall. Der Fall war das Problem. Teile des Außenputzes waren so mürbe, dass sie abzustürzen drohten. Daher läuft seit Mai eine Komplettsanierung, die derzeit mit der Kälte kämpft.

Genauer gesagt ist es auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn natürlich soll die Front der Paulanerkirche bis zum Christfest in neuem Glanz erstrahlen. Sprich fertig sein in frischer Farbe, ohne Gerüst und Baustellencharakter - das wäre das schönste Weihnachtsgeschenk für Pfarrer Joachim von Kölichen und seine Gemeinde. Das sagt der Pastor ohne Flachs, denn die Sanierung der Fassade an der Paulanergasse beschäftigt ihn nun schon seit mehr als drei Jahren.

Statt Reparatur volle Fläche

Im Grunde ging es bereits vor seinem Amtsantritt 2013 los, als seine Vorgängerin Veronika Zieske noch eine Ausbesserung schadhafter Putzstellen an der nördlichen Haupteingangsseite veranlasst hatte. Das Problem: Bei einer bloßen Reparatur einzelner Punkte sollte es nicht bleiben. Es stellte sich heraus, dass der vorhandene Anstrich einstmals mit Zementanteil gemacht worden war, der die Fassade luftdicht abschloss. Für den Sandstein darunter war das gar nicht gut, wie Hermann Högl vom beauftragten Architekturbüro Georg Zunner erläuterte. Das Mauerwerk konnte nach seiner Schilderung nicht mehr "atmen", es bildete sich Kondenswasser, das bei Frost ein Putzstück sogar schon absprengte und nach unten stürzen ließ. Eine Gefahr, die natürlich nicht bleiben konnte und generalstabsmäßig auf ganzer Fassadenfläche beseitigt werden sollte.

Kirche von außen beheizen

"Wir müssen das viel größer und völlig neu machen", schildert von Kölichen den Entschluss der Pfarrei 2014, wodurch auch die Kosten auf mehr als das Dreifache vom ursprünglich Geplanten stiegen (rund 300 000 Euro). Nicht zuletzt dadurch, aber auch aufgrund nötiger weiterer Absprachen, unter anderem mit dem Denkmalschutz, dauerte die Genehmigungsphase rund zwei Jahre. Erst heuer im Frühjahr konnte schließlich mit der Sanierung begonnen werden.

Zweite Schwierigkeit laut Pfarrer: Die ansonsten "toll arbeitende" Spezialfirma war im Sommer mit zu wenig Leuten auf der Baustelle: Sie kam nicht so voran, dass die Maßnahme bis zum Herbst hätte beendet werden können. So ging es jetzt in den Winter hinein - mit dem Haken, dass bei den aktuellen Frosttemperaturen das Aufbringen bzw. Trocknen des Abschlussputzes schwierig wird. Dazu sind laut Högl mindestens fünf Grad plus nötig, die notfalls künstlich erzeugt werden müssen. Mit einem großen Heizlüfter, der die ganze Front von unten nach oben anbläst.

Das geschieht unter einer möglichst luftdichten Plane, die die Wärme länger halten soll. Sie wird seit gestern angebracht, um voraussichtlich in den nächsten Tagen ordentlich Dampf machen zu können - im doppelten Wortsinn. Damit die Fassade bis Weihnachten in trockenen Tüchern ist - also eher ohne "Tücher" natürlich. (Angemerkt)
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