14.04.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Das Therapie-Begleithunde-Team im Altenheim Marienheim in Amberg Hoher Kuschelfaktor

Was Menschen nicht schaffen, können Hunde erreichen. Zumindest im Altenheim Marienheim. Hier werden Senioren mit Hilfe von Begleithunden aus der Reserve gelockt.

Das Leckerli ins Röhrchen: Marion Penzkofer übt haptische Motorik mit einer Bewohnerin. (Foto: dwi)
von Dagmar WilliamsonProfil

Wenn Senioren in einem Pflegeheim durch ihre körperlichen oder geistigen Beschwerden keine Motivation mehr finden, ist es nicht immer leicht, sie zur Teilhabe am alltäglichen Leben zu animieren. Um dem täglichen Trott Abwechslung zu verschaffen, besuchen die Hunde Maja und Cleo im zweiwöchigen Takt das Heim. Sie sind zweieinhalb Jahre und elf Monate alt und in ihrer jungen Art sehr verspielt und aufgeweckt. Das beweist das typische Wendeln mit dem Schwanz.

Aber sie sind nicht nur zum Vergnügen da. Das Altenheim Marienheim ist ein Teil ihrer Arbeit. Maja und Cleo sind Therapie-Begleithunde. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, die Senioren emotional aus der Reserve zu locken und zu motivieren, an Gesprächen teilzunehmen. Aber auch Motorik kann durch das Vergeben von Leckerlis wieder geübt werden. Denn irgendwie sind alle Vierbeiner kleine Naturtalente. Instinktiv wissen sie, wie sie sich gegenüber den alten Leuten verhalten sollen und machen stets genau das Richtige.

Wohl der Hunde

Die Leckerlis trägt Marion Penzkofer. Sie ist unter anderem ausgebildete Psychomotorikerin. Ihr gehören Maja und Cleo. Nach eineinhalb Jahren Ausbildung absolvierten sie mit Bravour die Prüfung zum Therapie-Begleithunde-Team am Münsteraner Institut für tierische Fortbildung und tiergestütze Therapie, kurz MITTT. Hier konnte das Team in verschiedenen Theorie- und Praxiseinheiten alle Grundlagen der Therapie lernen. Das Wohl der Hunde steht bei der Ausbildung im Mittelpunkt. "Der Vierbeiner soll hier nicht instrumentalisiert oder überfordert werden", erklärt Penzkofer. Gefördert werden hingegen die Bindung und das Vertrauen zwischen Mensch und Hund.

Die Idee dazu hatte sie durch ihre Großmutter. Diese litt an Parkinson. Während sich der Zustand verschlechterte, fiel es auch Marion Penzkofer manchmal schwer, zu ihrer Oma durchzudringen. "Aber mit den Hunden konnte ich", sagt die 36-Jährige. "Wir besuchten sie dann auch regelmäßig im Seniorenheim mit unseren Vierbeinern." Dadurch entstand eine kleine Gruppe von zehn Bewohnern, die auch Freude an dem außergewöhnlichen Besuch hatten. Wenn sie warmes, weiches Fell unter den Händen spüren, wenn feuchte Nasen sie sanft anstupsen, um ein Leckerli zu bekommen, und wenn die Tiere einfach frischen Wind in den Heimalltag bringen, fangen die Augen der Senioren zu leuchten an. Mittlerweile bietet Marion neben der Gruppen- auch Einzeltherapie an. Davon profitieren vor allem die Bewohner, die bettlägrig sind.

Roland Jannick ist 77 Jahre alt und Witwer. Maja und Cleo fördern seine Konzentration, seine Motorik und bieten ihm einen kurzen Zeitvertreib. Voraussetzung für die Einzeltherapie ist das Wissen der Krankengeschichte. Um aber die Reaktionen der Bewohner besser beurteilen zu können, steht die Heimbetreuerin Ursula Kokott zur Verfügung. Die 59-Jährige kennt ihre Senioren und weiß, ob Lust und Laune besteht, mit den Hunden zu spielen. "Aber meistens sind die Reaktionen durchweg positiv. Viele blühen so richtig auf", sagt die Betreuungskraft.

Die Angst nehmen

Die Therapie-Begleithunde arbeiten aber auch mit Kindern. Anders als bei Senioren werden in Kindertagesstätten der Umgang mit dem Tier erklärt oder Kunststücke einstudiert. Manchmal dient die Fellnase auch als Hundekissen, auf dem sich ausgeruht werden kann, um Kindern die Angst zu nehmen und das Vertrauen zum Tier zu steigern.

Weitere Informationen:

www.therapie-begleithund.de

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