08.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Der Leseranwalt schreibt Blutenden Skispringer im Bild gezeigt

Amberg/Weiden. Eine Zeitung darf einen Verunglückten nicht zum bloßen Objekt der Berichterstattung machen. Ein Beispiel dazu aus dem Archiv des Presserats.

von Redaktion OnetzProfil

Eine Regionalzeitung berichtet während der Vierschanzentournee über das Skispringen in Bischofshofen. Dabei war der Schweizer Simon Ammann schwer gestürzt. Die Zeitung stellt zu ihrem Beitrag ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Rettungskräfte den Verletzten auf einer Trage fixieren. Das Gesicht Ammanns ist zu erkennen, aus seinem Mundwinkel fließt Blut.

Ein Leser urteilt, es werde gleich gegen mehrere presseethische Grundsätze verstoßen. Das Bild verletze in höchstem Maße die Persönlichkeitsrechte des Sportlers und lasse jegliches Mitgefühl für ihn und seine Familie vermissen.

Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung merkt an, Verletzungen seien normaler und alltäglicher Bestandteil einer risikoreichen Sportart wie dem Skispringen. Insofern sei das Foto ein Dokument der Zeitgeschichte. Es dürfte von Ammann angesichts seiner langjährigen Karriere wohl nicht Rechte-einschränkend interpretiert werden. Er sei nach kurzer Bewusstlosigkeit ansprechbar gewesen und lediglich zur Kontrolle in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Zeitungsbericht sei in jeder Hinsicht zurückhaltend und auf die Tatsachen konzentriert. Dies gelte auch für das von einer Agentur gelieferte Foto.

Der Beschwerdeausschuss ist mehrheitlich der Auffassung, dass die Berichterstattung gegen Ziffer 11 des Pressekodex (Sensationsberichterstattung/Jugendschutz) verstößt. Er spricht einen Hinweis aus. Nach Ziffer 11 verzichtet die Presse auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid. Das beanstandete Foto zeigt den verunglückten Sportler mit sichtbaren Anzeichen innerer Verletzungen und offenbar bewusstlos. Er werde dadurch zum bloßen Objekt der Berichterstattung. Das Foto verletze die Würde Simon Ammanns.

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