01.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Der Leseranwalt schreibt Die Sache mit dem Anstand im Netz

Netiquette - kennt auch der Duden. Mancher, der im Netz kommuniziert, leider nicht. Es geht um den guten Umgang miteinander, um ein respektvolles Benehmen. Thomas Webel, Alexander Unger und Sonja Kaute aus unserem Online-Team erleben nahezu täglich, dass die einen das hinkriegen, andere hingegen nicht.

Beleidigungen und Gegenbeleidigungen führen nicht weiter und oft zu verhärteten Fronten: Wer im Netz diskutiert, der sollte immer konstruktiv bleiben. Symbolbild: Franziska Gabbert/dpa
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Amberg/Weiden. Doch die Zahl derer, die wissen, was Diskussionskultur ist, sei groß, loben die drei Kollegen diejenigen, die sich mit Anstand auf der Onetz-Facebook-Seite tummeln. Bald dürften es 50 000 Follower sein. "Über 90 Prozent der Kommentare sind in Ordnung, da muss man auch nicht eingreifen", erzählt Unger. Besonders engagiert kommentiert werde bei Themen, die emotionalisieren: Kinder, Tiere, Gewaltverbrechen, Flüchtlinge zum Beispiel. "Je näher das an die Lebensrealität der Leute rankommt, desto mehr diskutieren sie", weiß Webel.

Er spricht von drei "Fraktionen", die auf Facebook unterwegs sind. "Die, die sehr vernünftig argumentieren, sind die Masse." Dann gibt es die "klassischen Trolle, die nur provozieren". Und schließlich die "Leute, die emotional bei Themen einsteigen, aber zugänglich sind".

Keine Beleidigungen

"Man kann über alles diskutieren, aber nicht mit jeder Wortwahl", beschreibt Unger die generelle Linie des Onetz-Teams. Werden da die formulierten Grenzen überschritten, kommt es beispielsweise zu persönlichen Beleidigungen, greift es ein. Mit Unterstützung durch technische Hilfsmittel. Es existiert eine Filterliste, auf der bestimmte Signalworte stehen. Fällt eines davon, erscheint eine entsprechende Warnung. Bevor ein Kommentar gelöscht wird, gibt es in der Regel noch eine Chance: "Erste Wahl ist immer, die Leute zu ermahnen, ihnen zu zeigen, dass wir das alles lesen", erläutert Kaute, die überzeugt ist: "Man kann dafür sorgen, dass konstruktives Diskutieren möglich ist." "Wenn es zu viel wird, musst du auch mal pfeifen als Schiedsrichter", zieht Unger einen sportlichen Vergleich. Gelbe Karte, rote Karte, wenn's gar nicht mehr anders geht.

Es gibt eine User-Historie

"Man kriegt die Community, die man verdient", unterstreicht Kaute. Sie verweist auf die User-Historie, die helfe, den Verfasser eines Kommentars zu beurteilen. Die Onetz-Mannschaft kennt also ihre Pappenheimer, wie man so schön sagt. Und weiß es auch sehr zu schätzen, wenn auf der Facebook-Seite im vernünftigen Ton miteinander kommuniziert wird: "Da kommt auch viel konstruktives Feedback zurück", betont Webel. Facebook ist in seinen Augen eine "Realität, die man wahrnehmen muss, die man nicht ignorieren kann".

Reizthema Flüchtlinge

Kaute erinnert sich an das Jahr 2015, als sich das Rad plötzlich komplett in eine andere Richtung gedreht habe. Dies geschah wegen der Flüchtlings-Problematik. Sie bescherte dem Onetz-Team bei seinem täglichen Moderieren einen enormen Mehraufwand. Und allen die Erkenntnis, dass auf der Facebook-Seite auf einmal eine "andere Art von Menschen" agierte. Wegen ihrem Verhalten musste das Team an einigen Stellschrauben drehen und in der Folge gezielt Leute sperren. "Solche Entscheidungen treffen wir aber im Vier-Augen-Prinzip. Der Rat des Kollegen ist hier ganz, ganz viel wert", berichtet Unger.

"Es gibt aber auch gewisse Selbstheilungskräfte in der Community, die dann untereinander etwas regelt", ergänzt Webel. Doch wenn das Maß voll ist, jemand völlig aus der Reihe tanzt, das Netiquette-Regelwerk des Onetzes missachtet wird, wenn der Anstand zu wünschen übrig lässt, dann passiert es eben: Ein Beitrag wird gelöscht.

Netiquette

Der Duden sagt: englisch netiquette, zusammengezogen aus: net = Netz (kurz für Internet) und etiquette = Etikette. Etikette = Gesamtheit der herkömmlichen Regeln, die gesellschaftliche Umgangsformen vorschreiben.

Über 90 Prozent der Kommentare sind in OrdnungAlexander Unger, Online-Redakteur, Onetz

Auszüge aus dem Onetz-Verhaltenskodex

Respekt und Höflichkeit

Bitte achten Sie darauf, einen offenen, freundschaftlichen und respektvollen Umgang miteinander zu bewahren. Wir akzeptieren keine persönlichen Beleidigungen oder Ähnliches.

Offenheit

Onetz.de setzt auf einen fairen Umgang ... und nimmt seine Aufgabe sehr ernst, die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren und die freie Meinungsentfaltung zu gewährleisten. Entsteht ... das Gefühl, dass die hier dargestellten Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind, schließen wir zum Schutze der Nutzergemeinschaft die Diskussionen (Threads) an der entsprechenden Stelle, löschen entsprechende Beiträge oder ergreifen ähnliche Maßnahmen.

Missbrauch wird geahndet

Mit der Veröffentlichung von Inhalten über einen Beitrag oder Kommentar ... erkennen Sie die Richtlinien an. Verfassungsfeindliche Beiträge, strafbare Inhalte oder solche, die gegen die guten Sitten verstoßen, dürfen nicht veröffentlicht werden und werden gelöscht. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, deren Inhalt Ihnen zweifelhaft erscheint, wenden Sie sich an: kontakt[at]onetz[dot]de. Um die Relevanz, Authentizität und Transparenz der Beiträge sicherzustellen, behält sich das Onetz-Team vor, einzelne Beiträge oder User zu deaktivieren, die wiederholt gegen die Regeln der Gemeinschaft verstoßen.

Verhalten bei Missbrauch

Wenn Sie eine Verletzung unserer Grundregeln entdecken, melden Sie uns dies bitte umgehend: kontakt[at]onetz[dot]de. Bitte begründen Sie in jedem Falle, warum der von Ihnen beanstandete Beitrag gegen unsere Grundsätze verstößt. Wir prüfen jede Meldung.

Erste Wahl ist immer, die Leute zu ermahnen, ihnen zu zeigen, dass wir das alles lesen.Sonja Kaute, Online-Redakteurin, Onetz
Facebook ist die Realität, die man wahrnehmen muss, die man nicht ignorieren kann.Thomas Webel, Manager digitale Innovationen
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