12.04.2018 - 18:08 Uhr
Oberpfalz

Deutscher Tierschutzbund verspricht weitere Hilfe für Amberger Tierheim Mit Mäusen preisverdächtig

Etwa 500 weiße Mäuse von dem illegalen Tiertransport, der im Oktober 2017 aufflog, sind noch im Amberger Tierheim. Wie der Tierschutzverein diese Herausforderung bewältigt hat, brachte ihm jetzt Lob von (fast) allen Seiten. Vielleicht folgt auch noch eine besondere Anerkennung.

Die weißen Mäuse aus dem illegalen Tiertransport bringt das Amberger Tierheim nur schwer an den Mann. Die Albinos mit weiteren Gendefekten gelten dem Tierschutzbund als "Qualzuchten" und werden vielfach nur wenige Monate alt. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Insgesamt waren es zwischen 7000 und 10 000 Kleintiere, um die man sich von einer Minute auf die andere kümmern musste, blickte Vorsitzende Sabine Falk am Mittwoch bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins auf diesen nächtlichen Einsatz zurück.

Mit Schaudern berichtete sie von 200 in einer Palette zusammengepferchten Mäusen, bereits gefrosteten toten Tieren sowie von Axolotl, die beim Auspacken nach Luft schnappten, weil ihre Transportbehälter luftdicht verpackt waren. "Und dann hatten wir im Tierheim natürlich keine Wasserschüsseln für über 7000 Tiere. Deshalb haben wir drum gebettelt." Tagelang habe man sich erst einmal um eine ordentliche Unterbringung kümmern müssen. "Die Nächte waren fürchterlich." Ohne die vielen freiwilligen Helfer hätte man das laut Falk nie meistern können. Auch andere Tierheime hätten sich sehr solidarisch verhalten. Wobei Falk Bedingungen stellte: "Wer Degus wollte, musste auch zwei Paletten Mäuse mitnehmen."

Heute sind die damals sichergestellten Kleintiere auf rund 100 Heime in ganz Deutschland verteilt. Und die Amberger Ersthelfer sind in den Fokus des Deutschen Tierschutzbundes bzw. von dessen bayerischem Landesverband gerückt. "Wir sind stolz, dass wir solche Tierheime unter unseren Mitgliedern haben", lobte etwa Christian Schönwetter von dessen Rechtsabteilung. Die Amberger hätten sich auch von der Kritik auf Facebook nicht beirren lassen: "Jeder weiß es dort besser." Die Ehrenamtlichen hätten hier Übermenschliches geleistet, "das muss euch erst mal einer nachmachen", fand Andreas Brucker, Geschäftsführer und Präsidiumsmitglied des Landesverbands Bayern. Man habe deshalb den Tierschutzverein Amberg für den diesjährigen bayerischen Tierschutzpreis vorgeschlagen.

Futtertiere für den Zoo

Mitglied Günter Zagel äußerte in der Versammlung aber auch Kritik: Er habe den Antrag gestellt, dem Vorstand eine Rüge auszusprechen, weil er bei diesem Großnotfall falsch gehandelt habe. Die Mäuse hätte man als Futtertiere an den Nürnberger Zoo abgeben sollen, sie seien ja für diesen Zweck gezüchtet worden. Das hätte auch die Anzahl der Tiere um zwei Drittel reduziert. "Es ist sehr viel Geld verschleudert worden", begründete Zagel seinen Antrag, das Tierheim mehr unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen.

"Wir retten alle"

Zagel kritisierte Vorsitzende Sabine Falk, weil sie seine Anträge mit der Begründung, sie verstießen gegen die Satzung, nicht zur Versammlung zugelassen habe: "Sie können das nicht nach Gutdünken entscheiden." Das sei aber mit dem Tierschutzbund abgesprochen gewesen, sprang Christian Schönwetter der Vorsitzenden bei. Er wandte sich zudem gegen Zagels Selektionsmethode: "Die Entscheidung, welche Tiere sterben sollen, wird kein Tierschützer treffen wollen ... entweder wir retten alle oder wir retten keins." In finanzieller Hinsicht werde der Tierschutzbund die Amberger nicht im Regen stehen lassen und ihre Anstrengungen im Gefolge des illegalen Transports weiter unterstützen.

Wir sind stolz, dass wir solche Tierheime unter unseren Mitgliedern haben.Christian Schönwetter

Dieser Weg ist versperrt

Angemerkt von Markus Müller

Dieser Gedanke ist sicherlich vielen gekommen: Wenn die Mäuse als Futtertiere gezüchtet wurden, sollte man sie dann nicht besser verfüttern, statt sie aufwendig zu betreuen und damit unnötige Kosten zu verursachen? Das ist eine wirtschaftliche Betrachtungsweise. Die ist sicher weit verbreitet. Aber sie übersieht eines: Den leidenschaftlichen Tierschützern steht dieser Gedankengang nicht ernsthaft offen. Ihnen gelten Tierheime als ein Refugium für die gequälte Kreatur, die dort einen „absoluten Schutzstatus“ genießt. Und da ist kein Unterschied zwischen beliebten und unbeliebten zulässig.

Man stelle sich vor: Der Amberger Verein, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Tierschutzgedanken zu verbreiten, entschlösse sich wegen Überforderung, die Mäuse zur Verfütterung weiterzugeben. Könnte man ihn noch ernst nehmen? Würde ihn noch irgendjemand als Dialogpartner in Sachen Tierwohl anerkennen? Wäre dieser Imageschaden jemals zu heilen? Würde es nicht immer heißen: Die Tiertöter vom Amberger Tierschutzverein?

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