10.08.2017 - 17:28 Uhr
Oberpfalz

Die erfolgreichen Leichtathletinnen Corinna Schwab und Katrin Fehm tragen sich ins Goldene Buch ein: Und jetzt am Frohnberg feiern

Die zwei Leichtathletinnen Corinna Schwab und Katrin Fehm sind zwei echte Vorzeigesportlerinnen. Für ihre großartigen Erfolge bei der Deutschen und Europameisterschaft haben sie sich nun im Goldenen Buch der Stadt verewigt. Die Amberger Zeitung nutzte die Gelegenheit, mit den jungen Frauen über ihre Erfolge, die Zukunft und die verbesserungswürdige Situation der deutschen Sportförderung zu sprechen.

Die zwei Leichtathletinnen Corinna Schwab (links) und Katrin Fehm sind von Oberbürgermeister Michael Cerny ins Amberger Rathaus eingeladen worden. Dort verewigten sie sich im Goldenen Buch. Dabei waren natürlich auch die Silber- und Goldmedaille, welche die beiden bei den U 20-Europameisterschaften in Italien geholt haben. Bilder: spw
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Frau Schwab, was schaffen Sie alles in 53,50 Sekunden?

Corinna Schwab : Gute Frage. Wenn es ums Essen geht, komme ich von meinem Zimmer in die Küche bis zum Kühlschrank. Und ansonsten kann ich 400 Meter in der Zeit laufen. (lacht)

Mit 53,50 Sekunden sind Sie deutsche Meisterin geworden. Ein toller Erfolg. Wie genießt man das?

Schwab : Jetzt ist Sommerpause und ich mache Dinge, die ich während der Saison nicht tun kann. Am See liegen, andere Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. Ich überlege zurzeit auch nicht, ob ich dieses oder jenes essen darf. Das tut der Seele und dem Kopf nach der Zeit der Anspannung und Wettkämpfe gut.

Frau Fehm, Sie sind die zweitschnellste Frau im deutschen Nachwuchs. Wie feiert man das?

Katrin Fehm : Bisher noch nicht, weil ich noch gar nicht dazu gekommen bin. Am Wochenende möchte ich mit Freunden aufs Frohnbergfest gehen. Da lassen wir es uns an dem Abend bei Bratwürsten gut gehen.

Was steht bei Ihnen demnächst sportlich an?

Fehm : In zwei Wochen findet das Istaf, das internationale Meeting in der Altersklasse der Frauen, in Berlin statt. Nachdem wir mit der Staffel bei der EM in Italien Weltrekord gelaufen sind, wurden wir eingeladen, mit den Frauen zu laufen. Da wollen wir auch die Frauen ein bisschen ärgern. Das ist richtig geil, wenn bei 60 000 Zuschauern im Stadion alles bebt.

Und Ihre sportliche Ziele?

Fehm : Das kommende Jahr wird hart, weil ich aus den U 20 ausscheide zu den Frauen. Da möchte ich mich gut präsentieren. Ich will auf das Boot aufspringen und nicht vorher untergehen. Außerdem möchte ich bei der U 23-Europameisterschaft dabei sein.

Was muss man an Zeit investieren und wo Abstriche machen, damit man in jungen Jahren so erfolgreich ist?

Fehm : Wir bewegen uns auf einem hohen Niveau, da ist klar, dass man verzichten muss. Feiern und Kater gehen nicht zusammen mit Training. Wir haben kaum Freizeit. Unser Sport ist die Freizeit. Dazu gehört auch die richtige Ernährung. Auch wenn ich mir schon gern mal eine ganze Tafel Schokolade reinpfeifen würde. (lacht)

Schwab: Wir haben uns für den Leistungssport entschieden. Da gehört es dazu, nach der Schule gleich ins Training zu gehen. Oft sind wir danach so platt, dass man freiwillig nicht mehr rausgeht. Wenn ich im Sport etwas erreichen möchte, muss ich auch etwas riskieren.

Fehm: Das Schöne ist, dass Corinna und ich uns durch den Sport kennengelernt haben. Wir sehen uns ständig, sei es auf Wettkämpfen oder bei Lehrgängen. Das schweißt zusammen. Es ist wunderbar, eine tolle Freundin an der Seite zu haben. Wie sagt man so schön: Geteiltes Leid, ist halbes Leid.

Wie sind Sie beiden zur Leichtathletik gekommen?

Fehm : Ich habe jedes Jahr beim Landkreislauf mitgemacht. Eine Freundin meinte, dass ich so locker laufe und ob ich nicht Lust hätte, ins Leichtathletiktraining zu kommen. Das war im Mai 2014.

Schwab: Mit acht Jahren wollte ich nach dem Fußball etwas anderes machen. Die Leichtathletik hat gepasst, und im Verein hat man schnell gemerkt: Das Mädchen hat Lust und kann was.

Gibt es ein Vorbild?

Fehm: Verena Sailer ist die deutsche Sprint-Ikone. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Karriere beendet. Sie ist ein Vorbild in der Zielstrebigkeit, in Verhalten und Disziplin.

Schwab: Nicht so speziell, denn ich bewundere alle, die in der Spitze Sport treiben. Die US-Sprinterin Allyson Felix läuft für mich persönlich in Perfektion und Leichtigkeit.

Die Größten Ihres Sports sind derzeit bei der Weltmeisterschaft in London im Fernsehen zu sehen. Hürdenspringer Matthias Bühler kritisierte dort jüngst, dass die deutsche Sportförderung ausbaufähig wäre. "80 000 jubeln heute einem Sportler zu, der kaum seine Miete bezahlen kann." Wie schaut es im Nachwuchs aus?

Fehm: Wir können das bestätigen. Der Leichathletik-Nachwuchs wird schlecht gefördert. Das ist traurig, denn wir bekommen nicht einmal Fahrtkostenzuschüsse für Lehrgänge oder die Anfahrt zu Wettkämpfen. Es gibt keine Prämien und keinen Zuschuss für die Unterkunft. Als Schüler weiß man gar nicht, wie man das unter einen Hut bringen soll. Ich bin dankbar, dass mich meine Eltern sprichwörtlich zum Sportplatz tragen. Dabei ist doch der Nachwuchs die Sportzukunft. Wer holt denn sonst in einigen Jahren die Olympiamedaillen?

Schwab: Einige Athleten werden gut unterstützt. Aber eben erst, wenn du an der Spitze angekommen bist. Das Problem ist der Weg dorthin. Man wacht nicht auf und ist Olympiasieger. Es stellt sich auch die Frage: Was kommt nach dem Sport? Wie kombiniere ich Beruf mit Hochleistungssport? Das sollte definitiv von staatlicher Seite überprüft werden.

Topleistungen auf internationalem Niveau

Über die Jahre habe er mitverfolgt, welche Talente da beim TV Amberg (Corinna Schwab) und beim ESV Amberg (Katrin Fehm) heranreiften, erklärte Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny am Donnerstag, als sich die beiden Leichtathletinnen ins Goldene Buch der Stadt eintragen durften.

Bei den U 20-Europameisterschaften in Italien lief die 19-jährige Katrin Fehm mit der Staffel über 4 mal 100 Meter Weltrekord und holte über die 200 Meter Bronze. Der 18-jährigen Schwab gelang ebenfalls mit der Staffel über 4 mal 400 Meter der 2. Platz. Bei den Deutschen Meisterschaften stand die Hiltersdorferin bei den 400 Metern sogar ganz oben auf dem Siegerpodest.

"In den vergangenen drei Wochen haben Sie Topleistungen auf internationalem Niveau gezeigt", lobte das Stadtoberhaupt. "Das wollen wir ehren." Für die Stadt und den Sport seien Fehm und Schwab ein tolles Aushängeschild. "Wenig andere Städte können das vorweisen. Das macht uns stolz." (spw)

 

 

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