Anlässlich einer Gedenkveranstaltung wollten Kreisheimatpfleger Dieter Dörner und Schüler der neunten Klassen des Max-Reger-Gymnasiums mit ihren Lehrerinnen Heidi Kreuß und Bianca Rauchenberger an die Schicksale junger Juden in Amberg nach 1933 erinnern.
Im Geschichtsunterricht entstanden Spielszenen, die die letzten Schultage von Bruno Bloch in den Mittelpunkt stellten. Diese führten Schüler beim Gedenkabend auf. Dörner hieß im Auftrag von Rabbiner Elias Dray die Gäste willkommen und erinnerte in seinem Vortrag an die jüdischen Schüler und ihr Geschick. Israelitische Kinder besuchten die Pestalozzi-Schule, als fortführende Schulen das humanistische Gymnasium und die Oberrealschule.
Einstellung entscheidend
Religionsunterricht erteilte der jüdische Oberlehrer Godlewski. Von entscheidender Bedeutung für das Verhalten gegenüber den Schülern war immer die Einstellung des Rektors und der Lehrerschaft. Am humanistischen Gymnasium war zumindest bis zur Reichspogromnacht ein reibungsloser Alltag für diese Schüler gewährleistet.
Sieben jüdische Jugendliche besuchten das Gymnasium. Einer von ihnen, Arthur Rath, habe von verächtlichen Bemerkungen mancher Mitschüler und von Behauptungen eines Lehrers, die Juden übten einen schädlichen Einfluss auf die ganze Welt aus, berichtet. Die meisten Mitschüler und Lehrer ließen Arthur Rath jedoch in Ruhe, sagte Dörner.
Um Gerechtigkeit bemüht
An der Oberrealschule habe sich der Schulleiter Dr. Reitlinger um Gerechtigkeit auch gegenüber jüdischen Schülern bemüht. In den Zeugnisbemerkungen sei zumindest kein Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Schülern erkennbar gewesen. Allerdings habe es einen Lehrer gegeben, der mit nationalsozialistischer Überzeugung Rassenkunde-Unterricht abgehalten und sich besonders in Bruno Bloch ein Beispiel für die "minderwertige jüdische Rasse" gesucht habe.
Die letzten Schultage von Bruno Bloch - wie haben sie wohl ausgesehen? Auf einfühlsame Weise versuchten sich Schüler der Klassen 9b und 9c des Max-Reger-Gymnasiums seiner Person anzunähern. Sie zeigten in Spielszenen, dass Bruno bei vielen durchaus beliebt war und Freunde hatte, die ihn gegen die Angriffe des Biologielehrers verteidigten.
Erst dieser Pädagoge, der eine Ausstellung mit Bildern von Schülern der Oberrealschule in aller Öffentlichkeit präsentieren wollte, setzte ihm schwer zu. Bruno Bloch war nun plötzlich der "hässliche Jude", ein Feind der "nordischen Rasse". Wie wäre es gewesen, hätte Bruno vor seinem angeblichen Abbild gestanden? Mit diesem düsteren Ausgang enden die Spielszenen.
1943 deportiert
Bruno Bloch kam in der Pogromnacht 1938 unter der Häftlings-Nummer 22601 sechs Wochen in das KZ Dachau, zog 1939 mit seinen Eltern nach Berlin und wurde von dort aus im Januar 1943 nach Golleschau, einem Außenlager des Vernichtungslagers Auschwitz, deportiert, wo er am 4. Februar 1943 als "gestorben" registriert wurde.













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