01.03.2018 - 17:36 Uhr

Drei Jahre Haft für Überfall auf Pärchen im Dreifaltigkeitsviertel Räuber müssen ins Gefängnis

Bewährung ist bei einem Raub fehl am Platz. Doch andererseits: Mit drei Jahren Haft sind zwei aus dem Raum Weiden nach Amberg zum Überfall angereiste Männer relativ günstig davongekommen. Im Urteil klingt an, dass die Täter bei ihrem Coup im Dreifaltigkeitsviertel womöglich nicht allein waren.

Foto: Peter Steffen/dpa
von Autor HOUProfil

Es ist das Finale in einem viertägigen Prozess gegen einen 28-Jährigen und dessen 40 Jahre alten Komplizen aus dem Kreis Neustadt/Waldnaab. Und es ist wirklich heftig, was ihnen Staatsanwältin Christine Apfelbacher vorhielt: Am 5. Mai 2017 sollen sie gegen 7 Uhr nach Amberg gekommen sein, um in einem Reihenhaus gleich neben der Jahnstraße mit Kabelbindern und Schlagstöcken zum maskierten Überfall anzusetzen.

Zunächst wurde nach Überzeugung der Anklägerin eine 25-Jährige gefesselt und in ihr vor dem Anwesen stehendes Auto gesperrt, gleich danach deren 27 Jahre alter Lebensgefährte in seinem Schlafzimmer in ähnlich brutaler Weise traktiert. Stets fragten die Räuber: "Wo ist das Geld?"

Erst am dritten Verfahrenstag waren die Beschuldigten mit der Nachricht herausgekommen, sie wären eigentlich nur zum Teil an dem üblen Verbrechen beteiligt gewesen. Genauer: Es habe noch zwei weitere Männer gegeben, die sich hinzu gesellten hätten und wohl ebenfalls von einem Freund des jungen Paares beauftragt worden sein, nach "viel Geld und einem Pfund Kokain" zu suchen.

Die Staatsanwältin glaubte dies in ihrem Plädoyer nicht. Sie hielt das auf der Anklagebank sitzende Duo für überführt. "Ohne die unmittelbare Anwesenheit von weiteren Leuten." Dafür verlangte sie Haftstrafen von fünf und viereinhalb Jahren.

Die Verteidiger Tobias Konze (Weiden), Arif Kaya (Bremen) und Dominic Kriegel (Weiden) sahen das völlig anders. Da säßen "zwei nützliche Mitglieder der Gemeinschaft", hielten sie dagegen, bezeichneten ihre Mandanten als bisher weitgehend unvorbestraft und führten der Ersten Strafkammer vor Augen, dass die beiden Männer wohl angeheuert worden seien, um in Amberg Beute zu machen. Und zwar von einem zwischenzeitlich nicht mehr lebenden 30-Jährigen, der in dem Haus höhere Geldbeträge vermutet habe. Zur Ahndung, so die Anwälte, würden nach längerer U-Haft nun Bewährungsstrafen durchaus genügen.

Was nach dreistündiger Urteilsberatung geschah, kam eher unvermutet. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber hielt zwar einen versuchten schweren Raub an diesem Maimorgen vergangenen Jahres für erwiesen. Dafür erhielten beide Männer jeweils drei Jahre Gefängnis. Die Richter schlossen aber nicht aus, "dass noch zwei andere dabei waren".

Wenn dem so gewesen wäre, müsste ihnen die Flucht gelungen sein. Nicht so den Angeklagten. Sie waren quasi auf frischer Tat ins Netz gegangen. Wer waren dann diese erst ganz zum Schluss der Beweisaufnahme von den Angeklagten in die Diskussion gebrachten Räuber? Diese Frage blieb unbeantwortet. Der eigentliche Anstifter, heute nicht mehr lebend, sei sicher nicht unmittelbar vor Ort gewesen, argumentierte die Strafkammer. Aber er habe wohl in der Nähe gewartet. Denn ihn, den Bekannten des Paares, hätten beide wohl am Tatort erkannt. Aber es könne nicht ausgeschlossen werden, "dass er noch andere Leute anstiftete, um dort nach Geld zu suchen".

Die Verurteilten bleiben weiter in Haft. Sie hätten nach eigenen Angaben jeweils 10 000 Euro für ihre Beteiligung an den Gangsterstück erhalten sollen. Ob wirklich Geld im Haus des Paares lagerte, blieb bis zum Schluss unklar.

___

Die Vorgeschichte im Internet:

www.onetz.de/1820484

Da sitzen zwei nützliche Mitglieder der Gemeinschaft.Die Anwälte der beiden Angeklagten in ihrem Plädoyer
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.